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Kino Colosseum bleibt dicht: Angestellte kämpfen weiter um Traditionshaus

Während viele Kinos in Berlin Ende Juni öffnen konnten, blieb das Traditionskino Colosseum im Gleimkiez zu. Schon Ende Mai erfuhren die rund 40 Mitarbeiter*innen, dass die Betreiber Insolvenz angemeldet haben, am 3. August 2020 wurde das Insolvenzverfahren nun eröffnet. Gleichzeitig kämpft der Betriebsrat des Colosseums gemeinsam mit ver.di weiter für den Erhalt des Lichtspielhauses.

Das Berliner Traditionskino Colosseum kämpft für seinen Erhalt.
Mit kreativen Aktionen und viel Unterstützung aus der Gesellschaft kämpft das Colosseum ums Überleben. Foto: Imago Images/Future Images

Am 20. Juni war klar: Das Traditionskino Colosseum an der Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg wird nicht wieder öffnen. Der ehemalige Betreiber Sammy Brauner, Sohn des Filmproduzenten Artur „Atze“ Brauner sprach mit dem Tagesspiegel über die Gründe: „Dem Kino ging es schon vor Corona nicht gut. Mit Eintritt der Corona-Maßnahmen war absehbar, dass der Betrieb bald zahlungsunfähig wird.“ Sammy Brauner hält es für unwahrscheinlich, dass das Colosseum als Kino weiter lukrativ wäre.

Die 43 Mitarbeiter*innen traf die Insolvenz hart – seit fast drei Monaten haben sie kein Gehalt mehr bekommen, sind freigestellt worden. Einige wenige von ihnen haben sich neue Jobs gesucht, berichtet Michel Rieck, Mitglied im Betriebsrat des Colosseums. Doch selbst die, die nun woanders arbeiten, hätten sich dazu entschieden, für „ihr“ Kino zu kämpfen und „ihr“ Kino weiter zu unterstützen, was Rieck überraschte. „Ich hätte gedacht, dass das Resignieren größer wäre“, berichtet er.

Colosseum erfährt Unterstützung

2. Juli 2020: Anwohner*innen protestieren gemeinsam mit Mitarbeiter*innen. Die nächste Demonstration ist für den 13.August 2020 geplant. Foto: Imago Images/Seeliger

Doch genau das Gegenteil ist passiert. Mit der Unterstützung von ver.di haben sich die Mitarbeiter*innen unter dem Namen „Rettet das Colosseum“ zu einer Initiative zusammengeschlossen, die nun mit wöchentlichen Kiezspaziergängen sowie Demonstrationen für den Fortbestand des Kinos kämpft. Zur ersten Demonstration am 2. Juli 2020 versammelten sich schätzungsweise 800-1000 Anwohner*innen und Unterstützer*innen, eine weitere Demo ist für den 13. August 2020 geplant. Außerdem hat „Rettet das Colosseum“ eine Online-Petition für den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie der Kiezkultur und gegen Profitgier und Immobilien gestartet, die (Stand 5.08.2020, 13.00 Uhr) mehr als 9.500 mal unterschrieben wurde.

Da das Insolvenzverfahren und somit die Liquidation der Betreibergesellschaft begonnen hat, ist eine „Rettung“ der aktuellen GmbH nicht mehr möglich. Laut Pressemitteilung der PLUTA Rechtsanwalts GmbH wird Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Sebastian Laboga gemeinsam mit dem Betriebsrat des Kinos in den kommenden Wochen einen Sozialplan verhandeln, der sich mit der den Konditionen und der Beendigung der Arbeitsverhältnisse der Kino-Mitarbeiter*innen beschäftigen soll. Wie die Zukunft des Colosseums aussieht, bleibt also ungewiss.

Der Betriebsrat wünscht sich derweil ein offenes Gespräch mit der Erbgemeinschaft und hat diese schriftlich zu einem runden Tisch aufgefordert. Bisher blieb die Einladung seitens der Brauner-Erben unbeantwortet. Als Moderator zwischen Betriebsrat und Brauner-Erben hat sich Sören Benn (Die Linke), Bezirksbürgermeister von Pankow bereiterklärt. Michel Rieck vom Colosseum-Betriebsrat hofft, dass dieses Gespräch noch im August stattfinden kann.

Betriebsrat des Colosseums: „Die Hoffnung nicht aufgeben!“

Trotz zugespitzter Lage zeigen sich die Angestellten des Colosseums kämpferisch und hoffnungsvoll, weil eben von vielen Seiten Unterstützung kommt. „Vor zwei Monaten haben wir noch die Hände über den Kopf geschlagen“, berichtet Rieck. Nun sind die Mitarbeiter*innen, die meisten von ihnen auf Mindestlohn angestellt, bereit für ihren Arbeitsplatz und den Erhalt des knapp 100-jährigen Traditionskinos zu kämpfen.

Dass das Colosseum im Prenzlauer Berg ist nicht das einzige Kino, das in den letzten Wochen Insolvenz anmelden musste, bestätigt Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbands Deutscher Filmtheater (HDF): „Genaue Zahlen liegen uns aktuell nicht vor, aber die ersten Insolvenzen sind bereits eingetreten. Wenn wir den Kreislauf zwischen Abstandsregelung – geringe Auslastung – und wenige Neustarts nicht unterbrechen, ist damit zu rechnen, dass noch zahlreiche Kinos in die Knie gehen werden.“


Was bisher geschah: Ende Mai haben wir schon einmal über die Insolvenz des Colosseums berichtet. Durch die Pandemie wurden nicht nur Kinos in prekäre Situationen gebracht, sondern die ganze Kulturszene in Berlin. Und auch, wenn das Colosseum zunächst weiter ums Überleben kämpfen muss, bleibt es wichtig, die Branche an sich zu unterstützen und eben ins Kino zu gehen. Schöne Freiluftkinos findet ihr deswegen hier. Und wer wissen möchte, was aktuell läuft, findet die aktuellen Filmstarts hier.

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