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Kleingarten in Berlin: So gut sind die Chancen auf Parzellen

Nicht alle Menschen in Berlin können einen Garten oder einen Balkon ihr Eigen nennen. Einen Kleingarten in Berlin zu mieten, wäre daher eine schöne Perspektive. Im Schrebergarten mit eigenem Planschbecken lassen sich warme Berliner Sommer aushalten. Doch nicht erst seit der Coronakrise ist es in Berlin schwierig geworden, an einen Kleingarten zu kommen. Wir verraten euch, wie die Aussichten für den Frühling und Sommer 2022 sind, und was es für Alternativen gibt.

Kleingarten Berlin Wer sich für einen Kleingarten in Berlin interessiert, muss lange Wartezeiten hinnehmen – aktuell um die 10 Jahre.
Wer sich für einen Kleingarten in Berlin interessiert, muss lange Wartezeiten hinnehmen – aktuell um die 10 Jahre. Foto: Imago/Rothermel

Wie ist die Wartelisten-Situation bei Kleingärten in Berlin

Es erinnert ein bisschen an die Wohnungsnot. Einen Kleingarten in Berlin zu finden, das war vor ein paar Jahren noch eine realistische Perspektive. Rund 66.000 Kleingärten bietet die Stadt, dazu kommen Schrebergärten an S-Bahn-Gleisen, die vom Bahn-Landwirtschaft Bezirk Berlin e.V. verpachtet werden, und einige Parzellen, die in privater Hand sind. Seitens des Landesverbands Berlin der Gartenfreunde, der den Großteil der Berliner Kleingärten verwaltet, heißt es auf Anfrage, mit Beginn der Coronakrise, Anfang 2020, habe sich die Situation drastisch verändert.

Aufgrund der Pandemie platzten Urlaubsträume und viele Berliner:innen wollten sich ihren Platz im Grünen sichern. Die Anfragen schossen in die Höhe, auf mehrere Bewerber:innen pro Woche. Einige Bezirksverbände, die dem Landesverband unterstellt und für die Verpachtung der Kleingärten zuständig sind, stoppten sogar ihre Wartelisten. Andere führten weiter fleißig Protokoll über die Bewerbungen, doch Plätze wurden keine vergeben, stattdessen wuchsen die Listen. Der Landesverband Berlin der Gartenfreunde schätzt, dass 2022 rund 15.000 Menschen in Berlin auf den Wartelisten der Bezirke stehen. Die geschätzte Wartezeit für einen Kleingarten in Berlin beträgt derzeit rund zehn Jahre.

Motivation für Kleingarten-Bewerbung bleibt teilweise unklar

Wer jetzt enttäuscht ist, kann aber durchaus hartnäckig bleiben und es auf anderem Weg versuchen. „Wir empfehlen Interessierten direkt beim Gartenverein der Wahl nachzufragen, ob es eine realistische Chance gibt, schneller an eine Parzelle zu kommen“, heißt es seitens des Landesverbands Berlin der Gartenfreunde. Wer keinen direkten Ansprechpartner habe, finde vor Ort oft Infokästen oder Aushänge, in denen Kontaktpersonen angegeben seien. Nicht zielführend sei es, wenn sich Menschen, um ihre Chancen zu erhöhen, auf alle Bezirkswartelisten der Stadt setzen ließen. Zumal es schon der ökologischen und gemeinschaftlichen Idee eines Kleingartens widerspreche, wenn man am Ende zu seinem Garten durch halb Berlin fahren müsse.

Der Landesverband Berlin der Gartenfreunde kann auch nicht ausschließen, dass sich einige Menschen während der Pandemie aus den „falschen“ Gründen für einen Kleingarten beworben haben, sprich einfach nur ein Plätzchen zum Verweilen im Grünen mieten wollten. Wer einen Kleingarten pachtet, verpflichtet sich vertraglich, auf rund einem Drittel Obst und Gemüse anzubauen. Lediglich in der Sonne zu chillen und zu grillen entspricht nicht dem Sinn einer Kleingartenkolonie. Wer es wirklich ernst meint mit dem Kleingartenleben, pachtet eine Parzelle zudem meist ein Leben lang. Plätze werden also fast ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen frei, oder weil der Vorpächter stirbt.

Kleingarten in Berlin: Gemeinschaftsgärten und Mietbeete als Alternative

Kleingarten Berlin Der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld: Auf 5.000 Quadratmeter kann man hier Obst und Gemüse in Hochbeeten anbauen.
Der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld: Auf 5.000 Quadratmeter kann man hier Obst und Gemüse in Hochbeeten anbauen. Foto: Imago/Rothermel

Der Weg zur eigenen Kleingartenparzelle in Berlin ist also steinig, zum Glück aber gibt es aber vielversprechende Alternativen für alle, die vom eigenen Garten träumen: zum Beispiel städtische Gemeinschaftsgärten. Bekannt sind zum Beispiel die Prinzessinengärten, die seit 2020 auf zwei Standorte aufgeteilt sind. Gegärtnert wird auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof in Neukölln und am Moritzplatz in Kreuzberg. Zwischen März und Oktober gibt es in der Regel offene Gartenarbeitstage, zu denen man ohne Voranmeldung erscheinen kann. Je nach Jahreszeit finden auch saisonale Workshops statt. Schön und beliebt ist auch der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld, der seit 2011 existiert. Auf 5.000 Quadratmetern sind hier Hochbeete angelegt, die man mieten und bestellen kann. Im Frühjahr 2022 findet wie immer ein Infotreffen im Garten statt, zu dem man erscheinen muss, wenn man sich eines der Beete sichern will.

Wer im Wedding wohnt, kann fürs Gartengefühl im Himmelbeet Gemeinschaftsgarten vorbeischauen. Um mit Hand anlegen zu dürfen, muss man sich hier einfach per Mail anmelden. Damit seien nur einige der vielen Gemeinschaftsgärten in Berlin erwähnt, insgesamt gibt es über 200 Anlagen im ganzen Stadtgebiet. Die besten Adressen für kollektives Gärtnern in Berlin haben wir euch hier nochmal zusammengefasst.

Ruhe und Abgeschiedenheit kann beim Gärtnern aber auch ein Segen sein. Daher können Interessierte auch Beete im Umland mieten, die teilweise schon von Fachleuten bepflanzt und besät wurden und nur noch gepflegt werden müssen. Während einer halbjährigen Saison kümmert man sich dann um sein Beet und erntet am Ende die Erträge. Anbieter wie „Mein Mietbeet“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, Hobby-Gärtner:innen und Verpächter:innen zusammenzubringen.

Haken, gießen und buddeln macht Spaß und befreit den Kopf, wer aber einfach nur die Ruhe der Natur genießen will und keine gärtnerischen Ambitionen hat, findet in Berlin zum Glück viele schöne Grünanlagen, die den Wunsch nach einem eigenen Garten fast überflüssig machen. Dann kann der Frühling ja kommen!


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