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Ende der Hysterie?

Das Ende des Klopapier-Hypes: Sei nicht traurig, es geht weiter!

Der Klopapier-Hype ist vorbei. Und auch die Angst, ohne leben zu müssen, scheint erstmal verdaut. In welcher absurden Zeit wir leben, macht der kometenhafte Aufstieg eines Alltagsgegenstandes deutlich.

Der Klopapier-Hype hatte lustige Folgen, wie dieses Graffito am Mauerpark. Die Lage beruhigt sich etwas, ganz entspannt ist sie noch nicht. Foto: Imago/Bildgehege
Der Klopapier-Hype hatte lustige Folgen, wie dieses Graffito am Mauerpark. Die Lage beruhigt sich etwas, ganz entspannt ist sie noch nicht. Foto: Imago/Bildgehege

Selbst Klopapier kann Karriere machen. Vom Mauerblümchen des Badezimmers zum neuen Hollywood-Star am Hygiene-Himmel. Soft, mehrlagig, unerreichbar. Es ist der Auslöser für den Minderwertigkeitskomplex von Taschentuch und Küchenrolle. Denn die fragen sich bestimmt: Uns kann man doch auch gut horten?

Also – warum gerade Klopapier? Wissenschaftlich fundiert wird sich das nicht erklären lassen. Aber man kann Vermutungen anstellen. Vielleicht gibt uns die Befriedigung basaler Bedürfnisse in Krisenzeiten Sicherheit. Hier muss man sich keine Fragen stellen. Klopapier ist kompromisslos. Anstatt der Küchenrolle könnte man auch den nassen Lappen nehmen, um Taschentücher zu nutzen, muss man erstmal krank werden. Aber Klopapier, das brauchen wir. Egal, was kommt.

Klopapier-Hype: Der Vorrat als Beruhiungsmittel

Indem wir Vorräte anlegen, sind wir tätig geworden und fühlen uns besser vorbereitet für die Krise. Irrational, aber psychologisch nachvollziehbar. Immerhin verbrauchen die Deutschen laut der Zeitschrift Ökotest circa 3 Milliarden Rollen Klopapier im Jahr. Das sind pro Person wohl 20 Blatt am Tag, verteilt auf durchschnittlich 6 Mal sitzen, der Klo-Gang als Wissenschaft.

Oder es ist der Wunsch, nicht komplett die Kontrolle zu verlieren. Wenigstens noch selbst zu bestimmen, wie wir uns den Po abputzen. Wenn sonst schon gefühlt nicht viel bleibt, das in unseren Händen liegt.

Wahrscheinlich ist, dass der Hype ums Klopapier ein Selbstläufer ist. So, wie wenn man die Klopapierrolle fallen lässt und man ihr Ausrollen nicht mehr aufhalten kann. Einige kaufen große Mengen ein, wir sehen es in den Medien, hören es von Bekannten und machen es am Ende womöglich auch, weil es alle machen, auch, wenn wir die Hamsterer eigentlich hassen. Was genau „alle machen“ soll im internationalen Vergleich angeblich variieren.

Aus dem Klopapier-Notstand machte eine Familie in Missouri ein Spiel mit gutem Zweck: Für fünf Euro kann man Rollen angeln an dieser Maschine – der Erlös geht an einen guten Zwecke im Kampf gegen Corona. Foto: imago/UPI Photo
Aus dem Klopapier-Notstand machte eine Familie in Missouri ein Spiel mit gutem Zweck: Für fünf Euro kann man Rollen angeln an dieser Maschine – der Erlös geht an einen guten Zwecke im Kampf gegen Corona. Foto: imago/UPI Photo

War der Klopapier-Hype nur was für die deutschen Pragmatiker?

Es heißt, die Franzosen würden Rotwein und Kondome kaufen, die Holländer Cannabis, die Amerikaner Waffen und wir, bis vor kurzem, eben Klopapier. Ob das genauso stimmt, sei dahingestellt. Ist es vorstellbar? Sicher. Denn psychologisch scheinen die Pärchen von Land und Sehnsuchtsartikel erstaunlich gut in unser Schubladendenken zu passen. Die Deutschen als Pragmatiker, schätzen die Charakteristika des Klopapiers: bodenständig und verlässlich, planbar und pünktlich zu verbrauchen. Eine skurrile Liebesgeschichte, so groß, dass es sogar den Feiertag des Toilettenpapiers gibt, dieses Jahr am 26. August. Großveranstaltungen sind bis zum 31. zwar verboten, aber mit seinem Klopapier ist man ja eh am liebsten unter sich.

Laut Statistischem Bundesamt ist der Absatz von Klopapier mittlerweile allerdings deutlich gesunken.

Der Fall eines Shootingstars? Mitnichten. Es ist zwar etwas ruhiger geworden ums Klopapier, aber ein ewiger Platz in unserem Badezimmer, ist ihm sicher. Sei nicht traurig, es geht weiter!


Viele leere Rollen gesammelt? So bastelt ihr damit. Die merkwürdigen Auswüchse der Corona-Krise in Sachen Klopapier haben wir in unserem Blog gesammelt. Zwischenzeitlich wurden auch noch ganz andere Sachen immer begehrter – von Gummi bis Gartenerde.

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