Stadtleben

Kristof Mulack – Der X-Mann

Kristoph_Mulack_DvB_05Manchmal sind es Details, die einen ahnen lassen, irgendwie das falsche Leben im wahren zu führen. Bei Kristof Mulack hatte dieses Detail weiße Streifen auf schwarzem Grund. Es war von Hugo Boss. „Wenn ich mir morgens den Strick umgebunden habe, wusste ich manchmal nicht, wer ich bin“.

Inzwischen hat die Krawatte eine Zweitagewoche. Ab Mittwoch sieht man den 30-Jährigen dann meistens in seiner schwarzen Kochjacke. Auf der Brust ist sein Nachname eingestickt, allerdings mit einem X am Ende. „Mulax“ heißt das Pop-up-Restaurant, das Kristof Mulack gemeinsam mit seiner Schwester in der Lausitzer Straße in Kreuzberg eröffnet hat. Im Leben davor hatte er in Versicherungen gemacht. Die vom Vater übernommene Allianz-Agentur ist es bis auf Weiteres auch noch, die Mulacks kulinarische Ambitionen subventioniert. „Klar, das war ein rollendes Business und ich habe gutes Geld verdient. Aber es ist sehr schwer, in der Versicherungsbranche kreativ zu sein.“

Ausgerechnet auf einer Weihnachtsfeier hat Kristof Mulack deshalb die Kurve genommen. Fine Dining in der Weinbar Rutz. Und plötzlich diese ganz exakte Vorstellung, wo man mit seinem Leben hinwill. Koste es, was es wolle. Es kostet vor allem Zeit. Zwölf, 14 Stunden steht Kristof Mulack manchmal in seiner Küche, für Caterings oder seine siebengängigen Menüs. „Den Stundenlohn will ich da gar nicht ausrechnen, das ist hin und wieder schon selbstausbeutend, was man da macht.“ Andererseits: „Wenn ich morgens aufstehe, abends einschlafe und dazwischen den ganzen Tag gekocht habe, dann bin ich glücklich.“

Manchmal sind es die Details, die einen ahnen lassen, ein ziemlich richtiges Leben zu führen. Kristof Mulack fährt raus nach Schönefeld. Nicht als Versicherungsvertreter. Sondern zu seinem Acker, um den sich vor allem die Mutter und die Schwester kümmern. Pastinaken und Teltower Rübchen, Kristof Mulack kocht „radikal regional“. Und wer einmal sonntags ins Mulax kommt, wird vermutlich auch den ein oder anderen Sternekoch treffen. Auch denen schmeckt es bei Kristof Mulack, dem Autodidakten mit der Krawattenphobie.

Text: Clemens Niedenthal

Foto: David von Becker

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