Stadtleben

Kultur im Leerlauf

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Etwas Hochkulturbetriebs-Verhöhnung gefällig? Wie wäre
es damit: „Allenfalls Gegenstand von Interpretationsspielen nach dem
Theaterbesuch in der Pizzeraia, tangiert der Inhalt das Publikum viel weniger
als die Darstellung. Mehr und mehr überlagern Nebenattribute und
Oberflächenreize inhaltliche Tiefenstrukturen.“ Auch wenn man einwenden könnte,
in der Kunst seien Form und Inhalt, „Oberflächenreize“ und „unhaltliche
Tiefestrukturen“ kaum zu trennen, genügt es, dem Pausengeplauder in einem
beliebigen Theater zu lauschen, um dem mitleidlosen Autor dieses Frontalangriffs
die Zustimmung nicht ganz versagen zu können. Weiter im Text:
„Oft genügt die bloße
Suggestion von Bedeutsamkeit, das Einstreuen von Signalen der Besonderheit, die
symbolische Versicherung, dass sich der Urheber etwas gedacht habe und dass die
Veranstaltung das Prädikat `Hochkultur` verdiene. Urheber, Interpreten,
Rezensenten und Publikum verbrüdern sich zu einer Bedeutungskumpanei, bei der
alle Beteiligten einander schmeichelhafterweise unterstellen, dass sie wüssten,
worum es eigentlich geht.“ Rumms. Nicht sehr nett. Die Diagnose: Es geht um
nichts, das aber unter größtmöglicher Bedeutungssimulation. Nachdem die
Dünkelfraktion erledigt ist, wendet sich der Ethnologe des Kulturbetriebs den
Moralisten und Schwarzsehern zu, die immer schon gewusst haben, dass es kein
richtiges Kulturleben im falschen gibt: „In den Rauchwolken eines zur Routine
gewordenen Kulturpessimismus spielen sich Spektakel der Beschwörung großer
Ansprüche ab.“ Mit so kalter Analyse kann nur ein Außenstehender über den
Kulturbetrieb schreiben. In diesem Fall ist es der Soziologe Gerhard Schulze,
dessen schon etwas ältere, aber immer noch gültiger Untersuchung zur
„Erlebnisgesellschaft“ wir diese Einsichten verdanken. Wobei natürlich auch das
Gegenteil gilt: Auch im leer laufenden Kulturbetrieb gibt es immer wieder tolle
Kunst. 

Peter Laudenbach

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