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Kultur in Berlin in Zeiten der Corona Krise

Die Kleinkunst- und Showszene in Berlin steht seit der flächendeckenden Schließung noch mindestens bis Anfang Mai vor einer großen Herausforderung. Die Reaktionen sind unterschiedlich und reichen von existenzieller Panik über Durchhaltewillen bis hin zu gelassener Zuversicht. Die Theater- und Agenturleitungen erachten die Schließungen als notwendige Maßnahme, um die Künstler, Mitarbeiter und das Publikum zu schützen. Sie machen sich sogar noch weitergehende Sorgen. Denn, wenn keine Veranstaltungen mehr stattfinden, fehlen die Einnahmen, um die Mitarbeiter zu bezahlen. 

Die Termine für bereits verkaufte Tickets versuchen die Veranstalter zu verschieben. Sie appellieren an die Solidarität der Zuschauer, um Erstattungen für die Tickets zu verhindern. Für die kleinen Häuser ist es besonders schwierig, da sie keine nennenswerten Rücklagen haben. Nach dem Winter, in dem kaum Einnahmen geflossen sind, sind die Kassen leer, doch die laufenden Kosten sind weiter zu bezahlen. 

Straßenkünstler trifft es besonders hart: keine Zuschauer, keine Einnahmen. Foto: Pixabay © Pexels (CC0 Creative Commons) 

Existenzbedrohende Situation 

Berlin war immer eine Stadt, in der das Leben tobte. In Berlin steppte der Bär. Bewohner und Besucher, Touristen und auswärtige Arbeitskräfte konnten gut essen gehen, Musik in einer Bar oder Kneipe genießen, einfach nach der Arbeit entspannen. Heute stehen diese Menschen vor verschlossenen Türen. Betreiber versuchen durch entsprechende Maßnahmen und in der Hoffnung auf ausreichend staatliche Unterstützung durchzuhalten. So erfahren Besucher der Internetseite des Wintergarten Berlin, dass das Theater derzeit seine Türen nicht öffnet wegen der Corona-Krise. Wer sich dann überlegt, stattdessen einmal wieder im Irish Pub „Harp Pub“ vorbeizuschauen, wird ebenfalls enttäuscht. Wie überall bleibt auch der Pub geschlossen. Damit am Ende nicht die Mitarbeiter die Leidtragenden an dieser ungewollten Untätigkeit sind, wenden sich immer mehr Kulturschaffende an die Kulturverwaltungen. Um Entlassungen zu vermeiden, versuchen sie, mithilfe interner Gehaltskürzungen und Kurzarbeitsregelungen den Schaden zu begrenzen und die Mitarbeiter möglichst lange zu halten. Doch Ausfallhonorare für die Künstler, die normalerweise in den Bars auftreten, gibt es keine. Schließlich handelt es sich bei der durch die Behörden angeordneten Schließung um höhere Gewalt. Zudem sind die Gagen in der Kleinkunst ohnehin meistens prozentual an die Abendeinnahmen geknüpft. 

Viele Künstler leben von der Hand in den Mund 

Aber nicht nur kleine Theater oder angesagte Bars sind existenziell bedroht. Auch Agenturen, die die Künstler vermitteln, und damit die nicht vermittelten Künstler sind ebenfalls in ihrer Existenz bedroht. Ariadne Földessy, Inhaberin einer Berliner Künstler Agentur merkt fast schon warnend an: „Besonders hart getroffen von der Schließung der Veranstaltungsorte sind die vielen Solo-Selbstständigen der Szene. Kleinkünstler, Akrobaten oder Techniker trifft es besonders hart. Sie leben nämlich häufig von der Hand in den Mund. Ihnen brechen alle Einkünfte von einem auf den anderen Tag weg.“ 

Kleinkunst und Straßenkünstler leiden 

Gerade für die Senioren Berlins waren die Straßenshows nicht nur Unterhaltung, sondern auch sozialer Treffpunkt. Foto: Pixabay © ivabalk (CC0 Creative Commons) 

In Berlin haben die Straßenkünstler durch die Ausgangssperre plötzlich kein Publikum mehr. Das bedeutet dann auch gleichzeitig, dass sie keine Einnahmen mehr haben. Die Auswirkungen auf die Menschen sind überall zu spüren, besonders in einem sensiblen Umfeld wie der Künstlerszene. Ein Berliner Straßenmusiker, über den vor nicht allzu langer Zeit auch die BZ berichtete, wurde seit der Corona Krise nicht mehr gesehen. Er hat sich in seiner langen Karriere als Straßenkünstler eine richtige Fangemeinde aufgebaut, tritt auch bei privaten Feiern auf. Seine Fans werden ihn vermissen während der Corona-Krise. 

Für viele Musiker bedeutet die Corona-Krise, dass sie keine Aufträge mehr bekommen. Im Zweifel heißt das, sie können ihre Miete nicht mehr bezahlen und auch ihre Familie nicht ernähren. Für sie ist der Sommer besonders wichtig, mit den Festivals, Veranstaltungen und Open-Air-Auftritten, die bislang noch geplant sind. 

Die Kleinkunst-Szene setzt auf die Solidarität der Menschen 

Wenn keine Veranstaltungen stattfinden, gibt es für Künstler, Veranstalter und Vermittler keine Einnahmen. Zahlreiche Bühnen versuchen nun, zu verhindern, dass Kunden die bereits verkauften Tickets zurückgeben. Der Vorverkauf lief bereits seit Beginn der Corona-Krise eher zurückhaltend. Wenn die Theater nun das Geld für die bereits bezahlten Tickets wieder zurückgeben müssen, trifft sie das sehr hart. Stattdessen versuchen die Veranstalter, die Termine zu verschieben. Verbraucher sollen auf Initiative der Bundesregierung auch Gutscheine bekommen, um beide Seiten zu schützen. 

Ein Ausweg aus dem Dilemma 

Das Bedürfnis der Menschen nach Humor, Kultur und Ablenkung ist groß, in Zeiten in denen die Nachrichten nur aus Schreckenszahlen zur Corona-Krise bestehen. Foto: Pixabay © luxstorm (CC0 Creative Commons) 

Die Solidarität der Fans von Kleinkunst zeigt sich derzeit im Netz. Dort ist die Initiative „Kultur erhalten“ entstanden, die sich durch Crowdfunding finanziert. Dabei kämpfen Künstler gemeinsam, um die finanziellen Ausfälle zu kompensieren. Die Künstler lassen sich nicht unterkriegen, es entstehen neue Formate, Wohnzimmershows, Küchenslams und Geisterlesungen. Sie finden regen Anklang in den sozialen Netzwerken. In Berlin gibt es die neue Plattform Berlin(a)live, die der Senat ins Leben gerufen hat. 

Das Geld, das die Fans für diese Aktion spenden, findet größtenteils Verwendung zugunsten der betroffenen Künstler. 

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