Stadtleben

Kulturmanager

Ich habe ein neues Lieblingsschimpfwort: Kulturmanager. Es ergänzt die bewährten Schmähvokabeln „FDP-Wähler“, „BE-Abonnent“ und „‚Focus‘-Leser“ aufs Schönste. Kennen Sie jemanden, der gerne als FDP-Wähler, „Focus“-Leser oder BE-Abonnent tituliert werden möchte? Ich nicht. Auch wenn Zeitgenossen ausgemachten Unsinn reden, lässt sich mit dem höflichen Hinweis „Sie reden ja wie ein Professor für Kulturmanagement“ die Lage leicht klären. Einem Autor musste ich vor Kurzem einen undruckbaren Text mit dem Vorschlag zurückgeben, sein Glück doch besser im Kulturmanagement zu suchen. Neulich hörte ich, wie ein Schauspieler über einen von ihm offenbar nicht sehr geschätzten Kollegen den vernichtenden Satz fallen ließ, dieser spiele ja „wie ein Kulturmanager“. Ein anderer Schauspieler berichtete irritiert von einem berühmten Dramaturgen, privat ein netter Mensch, der bei den Proben immer mit dem Laptop im Zuschauerraum sitze, in welchen er während der Probe hingebungsvoll tippe, ohne einmal auf die Bühne zu schauen. Sein Bericht schloss mit dem Stoßseufzer: „Fast so schlimm wie ein Kulturmanager.“
Kulturmanager sind in der Regel Leute, denen die Kultur so fern ist wie die Raffinessen des Managements. Zu faul und geistig träge, um ordentlich BWL oder Jura zu studieren, zu unbegabt, um sich als Künstler zu versuchen, verbinden sie einfach beide fehlenden Talente und halten das für einen Beruf. Verglichen mit Kulturmanagern sind sogar Theaterkritiker seriös. Ein jüngst von einigen Professoren des Kulturmanagements verfasstes Buch gewährt Einblicke in das Durcheinander, das im Kopf dieser Menschen herrscht. Es ist ein Buch, das nur einen Schluss zulässt: Die Lehrstühle für Kulturmanagement müssen dringend evaluiert werden. Von ihnen reicht die Hälfte.

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