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Künstlerdorf statt Bar 25: oder Mega-Hochhaus?

Holzmarkt_Vision_med_c_FSKA_ArchitektenEs ist dasselbe Spreegrundstück. Dort, schräg gegenüber vom Ostbahnhof, wo bis 2010 die Bar25 residierte, manche nennen sie sogar „legendär“. Aber die beiden Entwurfsskizzen, die jetzt über die Zukunft des Areals kursieren, haben nichts miteinander zu tun. Zwischen diesen Plänen liegen Welten.
Der erste Entwurf: ein kleinteiliges Kreativdorf mit großem, öffentlichen Park. Die Idee haben gerade die Macher der ehemaligen Bar25 und ihres Nachfolgers Kater Holzig vorgestellt.
Die andere Skizze: ein massiver dreiteiliger Glas-Beton-Riegel mit einem 82-Meter-Hochhaus vorneweg. Bis fast ans Ufer.
Diese Grafik ziert das Verkaufsexposй für das „Quartier an der Michaelbrücke“. Bis Ende Mai nimmt der Liegenschaftsfonds im Auftrag der Berliner Stadtreinigung (BSR), des Grundstückseigners, dafür Gebote entgegen. Im Exposй steht: „Wir sind gehalten, stets an den Höchstbietenden zu veräußern.“

Bei diesen Entwürfen geht es nicht nur um eine der letzten Brachflächen im Mediaspree-Areal. Sondern darum, welche Ziele in der Stadt generell mit Freiräumen verfolgt werden: eine Stadtentwicklungsstrategie – oder nur schnöde Finanzpolitik. Die Frage ist aber auch, was eigentlich die Stimmen von knapp 90 Prozent jener Friedrichshainer und Kreuzberger wert sind, die 2008 für ein „Spreeufer für alle“ votierten.

Das Projektteam „Holzmarkt“ um die Bar25-Gründer und Kater-Betreiber Juval Dieziger und Christoph Klenzendorf jedenfalls hat eine sehr genaue Vorstellung von ihrem „Spreeufer für alle“: „Wir wollen Künstlern und Kreativen Freiraum zur Verfügung stellen. Freiraum, der wenig kostet und den sie bespielen können“, sagt Dieziger. „Wir sind damals vor 14 Jahren ohne Geld nach Berlin gekommen und haben es geschafft, uns etwas aufzubauen. Weil es Freiraum gab.
Und das wollen Dieziger und sein Team jetzt auch anderen ermöglichen. Deswegen die Idee mit dem Künstlerdorf, das auf der Hälfte der fast 19?000 Quadratmeter großen Brache an der Spree entstehen könnte. Es soll ein bisschen das werden, was die Bar25 im Verborgenen immer auch war. Auf dem Areal der Bar lebten zeitweise fast 20 Leute, es gab dort Werkstätten, Studios und ein Theater.

Holzmarkt_c_Quelle_Staab_Architekten_GmbHDiese Grundidee will das Projekt mit seinem „Holzmarkt“ aufgreifen. Finanziert werden soll es über eine hauseigene Stiftung, ein Hotel, einen Club und ein Restaurant. Dieziger denkt an ein organisch wachsendes Dorf, das sich ständig verändert. Ein Ort, durch den man schlendert, sich beim Bäcker Croissants holt und Künstlern bei der Arbeit zuschaut. Und nicht nur Künstler sollen dort wohnen: „Normale Wohnungen könnten wir uns auf dem Westteil des Grundstücks vorstellen, in unmittelbarer Nähe zum Dorf“, sagt Dieziger.

Die andere Hälfte des Grundstücks ist als Grünfläche konzipiert. „Das ist für uns eine Optionsfläche, wo es Konzerte und Ausstellungen gibt. Oder wo man einfach eine schöne Zeit verbringen kann“, sagt Dieziger.
Anders als bei der Bar25 und dem Kater Holzig wird es aber keinen Zaun geben, jeder soll ein- und ausgehen können. Nur beim Club, klar, ist wieder eine harte Türpolitik angesagt, wie einst bei der Bar, was auch ein neuer Film zeigt.
Doch nicht alle, die um das Spreeufer kämpfen, sind der Überzeugung, dass das Projekt Holzmarkt auch tatsächlich „für alle“ sein wird. „Uns ging es darum, die kommerzielle Umgestaltung der Spreeufer und eine Planung von oben zu verhindern“, schreibt etwa die AG Spreeufer vom „Initiativkreis Mediaspree Versenken!“ dem tip. „Der eventuelle Verkauf von Landesbesitz an die Bar25-Leute ist und bleibt eine Privatisierung, und das lehnen wir ab.“

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