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Berlin verstehen

Der Kurfürstendamm: Geschichte der Flaniermeile in 12 Fotos

Der Kurfürstendamm ist für seine luxuriösen Geschäfte und für die vielen Cafés, Restaurants und Hotels bekannt. Der Ku’damm, wie er kurz genannt wird, ist die Haupteinkaufsstraße in Charlottenburg – und eine der bekanntesten und bedeutendsten Straßen in Berlin. Viel ist geschehen, bevor der Boulevard zur Einkaufsmeile wurde, die er heute ist. Die bewegte Geschichte des Kurfürstendamms erzählen wir euch hier in 12 Bildern.


Vom Dammweg zum Boulevard

 Kurfürstendamm, Kreuzung Uhlandstraße und Grolmanstraße, Ansichtskarte um 1907. Foto: Imago/Arkivi
Kurfürstendamm, Kreuzung Uhlandstraße und Grolmanstraße, Ansichtskarte um 1907. Foto: Imago/Arkivi

Im Jahr 1542 wurde erstmals ein Dammweg angelegt, der das Berliner Stadtschloss und das Jagdschloss Grunewald miteinander verbinden sollte. Das war damals die Strecke, die wir heute als den Kurfürstendamm kennen. Sie wurde unter anderem als Reitweg von Kurfürst Joachim II. genutzt. Den ältesten Beleg für den Weg findet man im „Plan géométral de Berlin et des environs“ des Ingenieurs La Vigne von 1685. Rund 100 Jahre später tauchte dann auch das erste Mal der Name „Churfürsten Damm“ auf einer Karte von Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau auf.

Auf Anregung von Otto von Bismarck begann 1882, nach der Gründung der Kurfürstendamm-Gesellschaft, der Ausbau der Straße. 1886 war der Boulevard fertig, zudem wurde die Dampfstraßenbahn-Linie zwischen den Stationen Zoologischer Garten und Halensee eröffnet. Der 5. Mai 1886 wird bis heute als offizieller Geburtstag des Boulevards Kurfürstendamm festgehalten.


Konkurrenz für Unter den Linden

Geschäfte am Kurfürstendamm, um 1935. Foto: Imago/Arkivi
Geschäfte am Kurfürstendamm, um 1935. Foto: Imago/Arkivi

Bis zum Ersten Weltkrieg wandelte sich der Kurfürstendamm von einer Wohnstraße zu einem Vergügungs-, Einkaufs- und Kommunikationszentrum. Die Boheme traf sich im Café des Westens (später zog hier das Café Kranzler ein), und auch der 1910 eröffnete Lunapark in Halensee zog die Menschen an. In der Weimarer Republik wurde die Straße dann zur Bühne bürgerlicher Selbstdarstellung und zum Ort kulturellen Aufbruchs. Der Boulevard wurde zur Konkurrenz für die Prachtstraße „Unter den Linden“.


Der Kurfürstendamm im Zweiten Weltkrieg

Der Gloria-Palast am Kurfürstendamm nach einem Bombenangriff. Foto: Imago/Photo12

Im Zweiten Weltkrieg wurde die vorher so lebhafte Straße stark durch Luftangriffe beschädigt. Nach dem Krieg hatte man hier mit große Pläne für den Wiederaufbau: Der Kurfürstendamm sollte als „Schaufenster des Westens“ zum Symbol für das westdeutsche Wirtschaftswunder werden.


Der Krieg hat Spuren hinterlassen am Kurfürstendamm

Die zerstörte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche um 1958, noch ohne den Neubau, der sie heute zur Sehenswürdigkeit macht. Foto: Imago/Gerhard Leber

Zunächst waren da allerdings die Ruinen. Unter ihnen die ausgebombte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, errichtet von 1891 bis 1895. Damals hatte das Bauwerk am Kurfürstendamm mit 113 Metern den höchsten Kirchturm der Stadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gotteshaus allerdings stark beschädigt.

Den Architektenwettbewerb zum Neubau gewann 1957 Egon Eiermann. Sein Plan war eigentlich, die Ruine komplett abzureißen und die Kirche neu aufzubauen. Der Widerstand war jedoch zu groß, Eiermann ließ sich auf den Kompromiss ein, die 71 Meter hohe Ruine des Hauptturms zu erhalten. Von 1959 bis 1963 baute er zu dem Kirchturm ein Kirchenschiff, eine Kapelle und ein Foyer. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins.


Das Geschäftszentrum in West-Berlin

Straßenszene am Kurfürstendamm um 1959 mit dem Café Kranzler im Hintergrund. Foto: Imago/serienlicht
Straßenszene am Kurfürstendamm um 1959 mit dem Café Kranzler im Hintergrund. Foto: Imago/serienlicht

Die deutsche Teilung und der Aufschwung im Westen machten aus dem Kurfürstendamm eins der wichtigsten Geschäftszentren West-Berlins. Besonders das Ostende der Straße, also rund um den Bahnhof Zoo, der übrigens auch eine spannende Geschichte vom Kaiserreich über Drogensumpf bis heute hinter sich hat, entwickelte sich. In dieser Zeit entstand auch der umgangssprachliche Begriff Ku’damm – und in der Stadt herrschte Aufbruchstimmung. Mehr Fotos aus den 1950er-Jahren in West-Berlin seht ihr hier.


Demonstrationen auf dem Kurfürstendamm

Demonstration am Kurfürstendamm ca. 1980. Foto: Imago/serienlicht

Der Boulevard wurde immer mehr für Demonstrationen genutzt. Im Februar 1968 fand eine Großdemonstration gegen den Vietnamkrieg auf dem Kurfürstendamm statt. 1979 gingen erstmals Homosexuelle am Christopher Street Day auf die Straße, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Und zehn Jahre später zog die Love Parade über den Ku’damm.

Am 11. April 1968 schoss der Rechtsextreme Josef Bachmann auf die Leitfigur der studentischen Protestbewegung, Rudi Dutschke. Dieser überlebte das Attentat, erlitt aber schwere Hirnverletzungen, die bleibende Behinderungen hinterließen. Er verstarb an den Spätfolgen im Jahr 1979. Josef Bachmann wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahre Haft verurteilt. Er beging 1970 im Gefängnis Suizid. Das Attentat sorgte für große Empörung in Berlin. An Rudi Dutschke erinnert heute eine Gedenktafel am Kurfürstendamm.


Mauerfall 1989

Massenhafter Andrang auf dem Kurfürstendamm nach dem Fall der Mauer.  Foto: Imago/Jochen Tack
Massenhafter Andrang auf dem Kurfürstendamm nach dem Fall der Mauer. Foto: Imago/Jochen Tack

Für viele Menschen in Ost-Berlin war das erste Ziel nach dem Mauerfall klar: Sie strömten auf den Ku’damm, auf dem ausgiebig gefeiert wurde. Fürs Flanieren war kein Platz, bis zu 50.000 Menschen drängten sich auf der Straße.


Der Kurfürstendamm: Wandel zur Einkaufsmeile

U-Bahn Station Kurfürstendamm mit mehreren Gebäuden im Hintergrund. Foto: Imago/Enters

Immer mehr Kinos und Cafés mussten Ende des 20. Jahrhunderts schließen. Stattdessen siedelten sich immer mehr Einkaufsläden an, große Stores internationaler Ketten, zudem neue Hotels. So wurde langsam aus einer Ausgeh- und Amüsiermeile eine der exklusivsten Einkaufsstraßen Berlins – ein Wandel, der auch auf Widerspruch in der Gesellschaft stieß.


Die Verkehrskanzel

Letzte Verkehrskanzel in Berlin am Joachimsthaler Platz. Foto: Imago/POP-EYE

An der Kreuzung Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße ist die letzte noch bestehende Verkehrskanzel zu finden. Sie sitzt auf einem viereinhalb Meter hohen Pfeiler und ist eigentlich nicht zu übersehen. Trotzdem wird sie nur selten wahrgenommen. In den 1950er-Jahren schalteten von hier aus Polizisten die Ampeln noch von Hand. Schon seit 1962 ist die Kanzel nicht mehr in Betrieb und steht mittlerweile unter Denkmalschutz.


Luxus am Kurfürstendamm

Ein Altbau auf dem Kurfürstendamm. Foto: Imago/Joko

Auf dem Kurfürstendamm ist eigentlich alles zu finden, vom „Haus der 100 Biere“ über Jaguar-Händler bis zu Hochzeitsmode. Der Boulevard nach französischem Stil, der schöne Architektur zu bieten hat, ist eine der ersten Adressen für Luxus in Berlin. Auf dem Abschnitt zwischen Olivaer Platz und Bleibtreustraße finden sich Geschäfte wie Prada, Gucci oder Chanel. Die besten Läden für eine Einkaufstour am Kurfürstendamm findet ihr hier.


Der Kurfürstendamm: 125-jähriges Jubiläum

Open-Air-Spektakel am Kurfürstendamm am 4. September 2011. Foto: Imago/Wiegand Wagner

2011 hatte der Ku’damm sein 125-jähriges Jubiläum, das gleich mehrere Monate gefeiert wurde. Eine Oldtimer-Ausstellung gab im Frühjahr den Startschuss für die Feierlichkeiten. Danach folgte eine dreimonatige Ausstellung der „United Buddy Bears“. Dazu kam eine Inszenierung einer französischen Straßentheatergruppe und im Oktober 2011 wurde das Jubiläum mit der Lichtinszenierung „Festival of Lights“ abgeschlossen.


Hochhäuser am Kurfürstendamm

Im Zoofenster (rechts) ist das Luxushotel Waldorf Astoria Berlin untergebracht. Im Hochhaus links im Bild befindet sich ein Motel one. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Im vergangenen Jahrzehnt wurde unweit der Gedächtniskirche in die Höhe gebaut. 2012 war das Zoofenster (benannt nach der Aussicht auf den Zoo Berlin) fertig: ein 118 Meter hoher Turm, entworfen vom Architekten Christoph Mäckler, in dem sich mit dem Waldorf-Astoria eines der besten Hotels in Berlin befindet. Und direkt daneben liegt mit dem Upper West ein weiteres Hochhaus, fertiggestellt 2017.


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