Museen

Kuriose Museen in Berlin

Berlins Museumsinsel ist die Anlaufstelle für Kultur und Museen in Berlin. Doch neben den Klassikern hat Berlins Museumslandschaft einiges mehr zu bieten… Unsere Autorin Luiza Weiß besuchte die kuriosesten Museen in Berlin

Die Stadt der Möglichkeiten? Berlin. Klar! Wo sonst kann man sich ausleben, ausprobieren und selbstverwirklichen? Viele Start-Ups, Künstler und Idealisten mit großen Träumen zieht es hierher. Auch wenn einen in dieser Stadt wohl nichts mehr überrascht, haben ein paar Menschen doch noch Erstaunliches auf Lager. Indem sie ihre Ideen verwirklicht und die kuriosesten Museen der Stadt eröffnet haben. Auf meiner Reise durch diese Museen habe ich genau diese Menschen getroffen und habe gelernt, dass manche „Museen“ eher Sammlungen oder künstlerische Orte sind. Etwas, das jedoch all diese unterschiedlichen Menschen gemeinsam haben, ist ihre Leidenschaft für ein Thema, das Sammeln und die Freude über die unterschiedlichsten Besucher, die in ihr Museum kommen. Etwas, das alle als etwas Besonderes und Wunderschönes empfinden und sie immer wieder überrascht.

Lippenstiftmuseum

Das Lippenstiftmuseum in Berlin

Umzingelt von Lippenstiften und in eine dicke Duftwolke gehüllt, bringt mich mein erster Halt ins Lippenstiftmuseum von Starvisagist René Koch. Freundlich empfängt mich der Sammler von historischen Lippenstiften, Kleidern, Bildern, Kußabdrücken von prominenten Frauen und allem, was mit starken Frauen zu tun hat. „Starke Frauen riskieren auch mal ne Lippe“ und tragen Rot. Von der Historie her aufgebaut behandelt das Museum die „Waffen der Frau“ nämlich Lippenstift und Puderdose. Einst der einzige Weg der Selbstbestimmung der Frau, ist es heute „die schöne Verpackung, die etwas so Wertvolles wie eine Frau tragen kann. „Einen Diamanten würden man ja auch nicht in Zeitungspapier verschenken.“

Ihr Museum in einem Satz? „Das Museum ist für starke Frauen und nichts für schwache Männer.“

Was macht es besonders? „Im Grunde sind die Führungen im Museum wie große Kindergeburtstage, weil man alles anfassen, die Kleider anprobieren und Lippenstifte testen kann. Außerdem bieten wir einmal im Quartal unser Blind Date an, bei dem Blinde kommen und alles anfassen dürfen.“

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? „Ich habe in meinem Beruf die berühmtesten Frauen der Welt geschminkt und das waren alles starke Frauen, die mich dazu inspiriert haben.“

Was fasziniert Sie daran? „Eine Frau kann damit viel bewegen, denn der Lippenstift ist das i-Tüpfelchen.“

Das Witzigste, was im Museum passiert ist? „Es kam ein Mann mit ins Museum, der dann auch mal einen Lippenstift ausprobieren wollte. Bei der Lippenstiftwahl ist es wichtig, dass er zur Seele passt. Am Ende trug der Mann blauen Lippenstift, was seiner Frau auch gefallen hat.“

Lippenstiftmuseum, Helmstedter Str. 16, Wilmersdorf, Führungen nur nach Vereinbarung unter 030 854 28 29 Mi-Fr 11-19 Uhr, [email protected], http://www.lippenstiftmuseum.de/index.htm

Museum der unerhörten Dinge

Museum Der unerhörten Dinge: Wie das Husumer Protestschwein in Österreich politisch wurde und beinahe den Doppeladler verdrängte

Mein nächster Stopp ist das Museum der unerhörten Dinge oder besser gesagt eine Wunderkammer. Eine Wunderkammer beschreibt eine Ausstellung oder Sammlung ohne speziellen Schwerpunkt. Roland Albrecht hört hier den ausgestellten Dingen zu und schreibt ihre Geschichten auf. Das Spiel zwischen Imagination und Wirklichkeit in seinen Geschichten ist wohl das, was die Besucher hier zum stundenlangen Lesen anhält. „Die Aufgabe der Literatur ist es, Welten zu erschaffen. Genau das mache ich.“

Ihr Museum in einem Satz? „Eine literarische Wunderkammer.“

Was macht es besonders? „Es ist ein Künstlermuseum, das in seinen Geschichten mit Fantasie und Wahrheit spielt. Das scheint die Besucher sehr zu faszinieren, was mir manchmal selbst ein Rätsel ist.“

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? „Ich wurde vor gut 20 Jahren von der Galeristin Iduna Böhning in Dresden aufgefordert, wieder etwas auszustellen. Ich komme ja aus dem künstlerischen und literarischen Kontext. Damals hatte ich schon drei Dinge, zu denen ich daraufhin Geschichten geschrieben habe und habe sie zusammen mit zehn weiteren ausgestellt.“

Was fasziniert Sie daran? „Die Geschichten. Ich finde es toll, dass die Realität meist verwunderlicher ist als die Fantasie. Außerdem macht mir das Recherchieren Spaß.“

Das Witzigste, das im Museum passiert ist? „Am Anfang kamen hier Leute rein, um Batterien für ihre Hörgeräte zu kaufen, weil es unerhörte Dinge heißt.“

Museum der unerhörten Dinge, Crellestr. 5-6, Schöneberg, Mi-Fr 15-19 Uhr, Eintritt frei, 030 781 49 32, [email protected], http://www.museumderunerhoertendinge.de/index.html

Monsterkabinett

Monsterkabinett

Weiter geht’s ins Monsterkabinett der Künstlergruppe Dead Chickens, das inzwischen von Mitglied Hannes Heiner betrieben wird. Beheimatet im Haus Schwarzenberg, einem unabhängigen Kulturhaus verwaltet vom Schwarzenberg e.V., dessen Vereinszweck auch in der Förderung von Kunst und Kultur liegt. Etwas versteckt im Hinterhof am Hackeschen Markt verbirgt sich eine klassische Berliner Welt: dreckige, bunt bemalte Wände, alles etwas wild gewachsen und leicht heruntergekommen, aber und das fällt am meisten auf: Das Haus Schwarzenberg hat einen großen Charme und begrüßt jeden mit offenen Armen. Selbst die Monster im Keller freuen sich über jeden Besucher und legen sich in ihren Performances so richtig ins Zeug.

Ihr Museum in einem Satz? „Das Monsterkabinett ist einerseits ein Museum und andererseits eine Animatronic-Show, durch die man durchgeführt wird.“

Was macht es besonders? „Es ist eigentlich eine Kunstausstellung der Werke der Dead Chickens und ist mit der Show einzigartig soweit. Besonders ist auch, dass es im Anschluss vom Museumsbesuch viele Möglichkeiten gibt, noch länger im Haus Schwarzenberg zu verweilen, da wir neben der Bar Eschschloraque rümschrümp noch weitere Angebote haben.“

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? „Das ist eine ganz uralte Geschichte. Ursprünglich brauchten wir Platz, um die Monster auszulagern und haben die Räume gemietet. Am Anfang war es ganz klein, teilweise auch geschlossen, einmal mussten wir umziehen und jetzt zeigen wir regelmäßig die Shows.“

Was fasziniert Sie daran? „Ich habe schon als Kind Monster gemacht und hatte schon immer Freude an Mechanik gehabt. Per Learning by Doing kam ich dann irgendwann zu den Monstern hier.“

Das Witzigste, was im Museum passiert ist? „Sobald die Monster in Bewegung sind, ist eigentlich jeder Tag kurios. Aber witzig ist es schon, wenn selbst erwachsene Männer ängstlich vor unserer Monster-Spinne zurückzucken.“

Monsterkabinett, Rosenthaler Str. 39, Mitte, Mi&Do 18-22, Fr&Sa 16-22 Uhr, stündliche Shows zur halben Stunde, Eintritt 8€, 0176 960 426 30, [email protected], http://www.monsterkabinett.de/www-html/index.php

Katzenmuseum

Katzenmuseum in Berlin

Eine weitere kuriose Sammelleidenschaft wird im privaten Katzenmuseum gezeigt. Der Katzenliebhaber hat von Kindesalter an als Schüler im Jahre 1948 bis heute alles gesammelt, das eine Katzenform hat oder das Motiv einer Katze trägt. Nach 70 Jahren und 40 Jahren aktiven Sammeln kamen da zwischen 6.000 und 8.000 Exponate zusammen: Figuren, Gemälde, Dosen, Geschirr, sogar eine große Modepuppe in Form einer Katzendame.

Ihr Museum in einem Satz? „Eine riesengroße Sammlung an katzigen Teilen, die mir Freude macht.“

Was macht es besonders? „Die Vielfalt der Sammlung. Es ist alles rund um die Katze vertreten. Vom besonderen Porzellan bis hin zum Alltäglichen.“

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? „Ich bin ein absoluter Katzenliebhaber und habe noch nie ohne Katze gelebt. Und aus dieser Liebe zur Katze entstand diese Sammlung. Durch Freunde kam ich dann auf die Idee, meine Sammlung zu öffnen und interessierten Menschen zu zeigen.“

Was fasziniert Sie daran? „Die Katze. Sie ist das Schönste, das es auf dieser Erde gibt und meine Exponate gehören halt dazu.“

Das Witzigste, was im Museum passiert ist? „Hier ist eigentlich noch nüschts Ernsthaftes oder Witziges passiert.“

Katzenmuseum, Luisenstr. 38, Lichterfelde, Führungen nur nach Vereinbarung unter 030 772 51 49, zwischen Anfang und Mitte Februar Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen, http://www.berliner-katzenschutz.de/das-kleine-katzenmuseum.html

Computerspielemuseum

Computerspielemuseum

Ein Kontrastprogramm zum wohnlichen, eher altmodischen Museum bietet das Computerspielemuseum in Friedrichshain. Ausgestellt wird die Geschichte des Computerspiels von seinen Anfängen in den 50er Jahren bis hin zur heutigen Zeit. Zusätzlich gibt es immer eine temporäre Ausstellung im Eingangsbereich. Klar ist, dass man im Museum von Lichtern und Piepgeräuschen der Automaten umgeben ist. Nicht ganz so klar ist, dass vom Gamer über Unerfahrene bis hin zur Oma die unterschiedlichsten Besucher herkommen.

Ihr Museum in einem Satz? „Die verspielteste Möglichkeit eine Zeitreise durch das Medium Computerspiel zu begehen.“

Was macht es besonders? „Die Schnittstelle zwischen Wissensvermittlung und selbst erleben. Dadurch dass wir viele Spiele in Räumen ausstellen, die der Zeit entsprechend eingerichtet sind, kann sich jeder in die Zeit zurückbeamen sozusagen. Und natürlich unser überdimensionaler Joystick sowie die PainStation.“

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? „Ein Museum macht immer eine Ansage und genauso ist die Ansage dieses Museum, dass Computerspiele einen kulturellen Anspruch auf eine Ausstellung haben. Wir wollen zeigen, dass Computerspiele eine lange Geschichte haben und vielseitig sind. Demnächst haben wir beispielsweise eine temporäre Ausstellung zu Literatur in Computerspielen.“

Was fasziniert Sie daran? „Das sind wirklich Einzelerlebnisse, wie jemanden beobachten zu können, der komplett abwesend ein Spiel spielt und gar nicht mehr merkt, dass er überhaupt nicht in seinem eigenen Zimmer sitzt. Oder jungen Menschen zeigen zu können, dass Computerspiele auf einer richtig guten Idee basieren und man selbst genauso eine gute Idee haben kann.“

Das Witzigste, was im Museum passiert ist? „Im Eingangsbereich steht ein altes Computerspiel, bei dem man gegen den Computer spielt und es darum geht das letzte Licht auszuschalten. Einmal hat eine Familie wirklich eine Stunde lang davorgestanden und es nicht geschafft, das Spiel zu gewinnen. Drei Minuten später kam ein Kind völlig ahnungslos daher und gewann das Spiel.“

Computerspielemuseum, Karl-Marx-Allee 93A, Friedrichshain, Mo-So 10-20 Uhr, Eintritt 9/6€, http://www.computerspielemuseum.de/1190_Startseite.htm

Buchstabenmuseum

Buchstabenmuseum

Eine weitere Besonderheit im Berliner Museumsspektrum ist das bisher einzigartige Buchstabenmuseum. Die meisten unter uns denken beim Buchstabenmuseum wohl eher an geschriebene Worte und unterschiedliche Schriftarten. Das mit den Schriftarten stimmt vielleicht noch, allerdings sind die Buchstaben riesig und stammen meist von Schriftzügen auf Gebäuden. Alt, neu, leuchtend oder auch mit der Nase erfahrbar bietet das Museum eine Vielfalt an Buchstaben.

Ihr Museum in einem Satz? „Unser Museum sammelt, bewahrt und zeigt gebaute, große Buchstaben und Schriftzüge aus dem öffentlichen Raum mit ihrer spannenden und ungewöhnlichen Hintergrundgeschichte.“

Was macht es besonders? „Zum einen ist das Museum einzigartig in seiner Form und Sammlung zum anderen ist unsere Präsentation unterhaltsam und außergewöhnlich. Vor allem die Mischung aus spannenden Hintergrundgeschichten und persönlichen zum Teil auch ergreifenden Erinnerungen gefällt mir und auch unseren Besuchern.“

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? „Die Leidenschaft Buchstaben zu sammeln, hatte ich bereits als Kind. Das Museum entstand dann aus einer Kombination bestehend aus mir und einer Freundin. Meine Freundin wollte gerne eine Sammlung eröffnen und ich wollte gerne formschöne Schriftzüge retten, bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Was fasziniert Sie daran? „Ich finde es spannend, wie Worte oder Buchstaben Bilder bzw. Erinnerungen erwecken können. Wenn man ein Wort liest entstehen automatisch Assoziationen. Wenn wir beispielsweise einen Schriftzug aus unserer Kindheit sehen, löst dieser Erinnerungen aus, die wir damals erlebt haben. Auf der anderen Seite haben mir schon immer die verschiedenen Arten, Formen und Schwingungen an Buchstaben gefallen. So finde ich zum Beispiel japanische Schriftzüge spannend, da ich die reine Form betrachten kann. Ich spreche ja kein Japanisch und kann mich somit gar nicht mit dem Inhalt des Schriftzuges beschäftigen. Das ist auch sehr interessant.“

Das Witzigste, was im Museum passiert ist? „Vor sieben Jahre wurde die legendäre Deutschlandhalle gesprengt und unserem Museum wurde damals der Schriftzug versprochen. Aus irgendeinem Grund verschwanden die Buchstaben allerdings. Wie durch ein Wunder meldete sich jedoch vor kurzem eine Firma und bot uns die Buchstaben der Deutschland Halle an, da sie diese in ihrem Lager haben. Nun ist der Schriftzug vollständig im Museum zu sehen. Das hat uns natürlich sehr gefreut.“

Buchstabenmuseum, ist vorrübergehend wegen Umbauten geschlossen, Infos über https://www.buchstabenmuseum.de oder [email protected]

Medizinhistorisches Museum Berlin

Medizinhistorisches Museum Berlin

Das Medizinhistorische Museum Berlin beschäftigt sich in aller Ausführlichkeit mit einem Thema, das viele gerne etwas totschweigen und vor sich herschieben: Die Gesundheit. Wer geht schon gerne zum Zahnarzt oder ist gerne krank? Dabei ist „die erste Realität im Leben wir selbst und unser Körper.“ In diesem Museum können zahlreiche Präparate, medizinische und auch therapeutische Geräte betrachtet werden.

Ihr Museum in einem Satz? „Ein Museum über den, für den und vom Menschen.“

Was macht es besonders? „Es bietet einen Blick hinter die Kulissen der Medizin. Dort, wo man sonst nicht so leicht einen Einblick bekommen kann. Das Museum ist sozusagen ein Schaufenster der Medizin.“

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? „Wir wollen aus der Geschichte kommend Entwicklungen der Medizin verständlich machen.“

Was fasziniert Sie daran? „Mich persönlich fasziniert eine Beobachtung, die ich sowohl bei mir als auch bei Besuchern mache. Wenn man vor die Objekte tritt geht es immer um einen selbst. Es ist wie ein Spiegel, da man sich automatisch fragt: Bin ich das da? Betrifft mich das?“

Das Witzigste, was im Museum passiert ist? „Bei einer Führung stand ich mit zwei Elfjährigen vor der Vitrine mit Gehirnen und plötzlich fragte mich der eine: Na, wo ist denn die Seele? Ich war völlig perplex, weil dieser Junge die alles entscheidende Frage perfekt auf den Punkt brachte. Virchow hätte vermutlich gesagt: Ich habe zeitlebens tausende Leichen seziert und die Seele nie gefunden.“

Medizinhistorisches Museum Berlin, Charitéplatz 1, Mitte, Di/Do/Fr/So 10-19 & Mi/Sa 10-19 Uhr, Eintritt 9/4€, 030 450 53 61 56, [email protected], https://www.bmm-charite.de

Nach meinen Besuchen, hat mich eigentlich gar nichts mehr überrascht. Sie haben smich eher nur noch neugieriger gemacht. Welches Museum habe ich noch nicht gefunden? Wo versteckt sich noch eine außergewöhnliche Sammlung? Welcher interessante Mensch hat seine Idee verwirklicht oder wird es noch tun?

Auch wenn ich keine Gamerin bin oder oft Lippenstift trage, haben mich alle Museen fasziniert, da es wundervoll ist, die Menschen dahinter kennenzulernen. Ihre Begeisterung auf sich abfärben zu lassen und das Leuchten der Augen zu sehen, wenn sie über ihre Leidenschaft erzählen.

Ich wurde mehrmals davon überzeugt, dass mich Museen interessieren, deren Ausstellungsschwerpunkt eigentlich nicht meinen Interessen entspricht. Es lohnt sich also immer, etwas Neues zu probieren.

 

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