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Was haben die Lehrer eigentlich während der „Corona-Ferien“ gemacht?

Die Berliner Lehrerinnen und Lehrer sind angesichts der Corona-Krise extrem unterschiedlich mit der Situation umgegangen. Das Spektrum reicht von vorbildlicher Betreuung und dem Einsatz neuester Technologien bis zur totalen Funkstille. Eine einheitliche Linie fehlt und lässt Eltern und Kinder oft ratlos und allein zurück.

Kinder müssen während der Corona-Ferien auch in Berlin alleine lernen.
Lernen ohne Lehrer. In der Corona-Zeit sind die Berliner Schüler oft auf sich und ihre Eltern gestellt. Foto: imago/MiS

Am Montag haben die Osterferien begonnen und niemandem ist es so richtig aufgefallen. Die drei vorangegangenen Wochen „Corona-Ferien“ sind einfach in die „richtigen“ Ferien übergegangen. Die Berliner Schüler hocken isoliert im Haus und mühen sich mit dem Alltag. Eltern sind mit dem Schulstoff und der Betreuung oft überfordert. Und die Kids haben irgendwann sowieso keine Lust mehr.

Doch was haben eigentlich die Lehrerinnen und Lehrer in den „Corona-Ferien“ so gemacht? Schließlich saßen sie ja bei vollen Bezügen zuhause. In den Medien wird vor allem über die Sorgen und Nöte der Abiturientinnen und Abiturienten berichtet. Alle anderen Schulformen und Jahrgänge werden mehr oder weniger übergangen.

Das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer ist sehr unterschiedlich

Dabei sind es vor allem Grundschülerinnen und Grundschüler, die viel Betreuung benötigen und mit der abstrakten Bedrohung durch das Virus und den Maßnahmen Schwierigkeiten haben. Das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer ist aber sehr unterschiedlich. Man gewinnt den Eindruck, dass manche eben Lust haben und sich einsetzen und andere es nicht für nötig ansehen oder nicht wissen, wie sie es anstellen sollen. Jede und jeder so, wie er will und kann.

Wir haben uns mal in der Stadt umgehört und Eltern gefragt, wie ihre Erfahrungen mit den Lehrerinnen und Lehrern während der „Corona-Ferien“ waren. „Es gab von der Klassenlehrerin ein paar E-Mails, mehr so zur emotionalen Unterstützung. Ich musste wieder in den Dreisatz einsteigen“, schreibt der Vater einer Grundschülerin aus dem Wedding. Ein Kreuzberger Vater ist ziemlich zufrieden: „Wir haben regelmäßig Aufgaben geschickt bekommen“, schreibt er. Aus Schöneberg meldet sich ein Vater mit ähnlich positiver Botschaft: „Die Lehrer schicken Arbeitsmaterial, Mutmach-E-Mails, korrigieren abfotografierte und gemailte Lösungen.“

„Trotz Corona geben sich die Lehrer richtig Mühe!“

Eine Mutter aus Britz ist regelrecht begeistert: „Da muss ich großes Lob an den Klassenlehrer aussprechen. Der gibt sich da wirklich Mühe. Es gibt einen regelmäßigen Klassenchat und viel Lernmaterial mit Lösungen. Bei Fragen kann man sich jederzeit an den Klassenlehrer wenden.“

Aber nicht überall ist die Freude so groß. In einer 4. Klasse in Friedrichshain sieht die Betreuung nicht ganz so vorbildlich aus. Es gab am letzten offiziellem Schultag einige Fotokopien mit Aufgaben, die nach drei Tagen abgearbeitet waren. Und das war es. Nach den Osterferien kommt wohl wieder etwas. In der restlichen Zeit durften sich die ohnehin von dem Ausnahme-Alltag gestressten Eltern als Lehrer versuchen und eigene Lehrpläne entwickeln.

Auch in Mitte ist trotz Verlagerung auf Videokonferenzen die Stimmung mau: „Gegen Ende ein paar sinnlose Zoom-Meetings, aber generell allein mit frustriertem Kind“, schreibt eine Mutter. In Lichtenberg klingen auch die Eltern frustriert: „Wir haben gar nichts gehört. Totale Funkstille!“

Die Technik, die immer wieder als Problem bei der Betreuung der Schüler aufgeführt wird, ist in Wirklichkeit aber irrelevant. Man muss die Klassenzimmer nicht in Videokonferenzen oder Gruppenchats simulieren. Regelmäßige E-Mails und gelegentliche Telefonanrufe würden bei Grundschülern genügen. Bei älteren Klassenstufen kann die Technik (soweit vorhanden) auch verwendet werden. Sie muss es aber nicht. E-Mail und Telefon hat nun wirklich jede und jeder.

Schaut man auf die Webseite der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, findet man dort einige allgemeine Informationen zu Corona. Eine klare Linie, wie Lehrer ihre Schüler zu betreuen haben, sucht man vergeblich. Es mag so eine Verordnung sogar geben, aber in der Praxis erkennbar ist sie nicht.


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