Stadtleben

Lettre International

Das Cover der neuen „Lettre International“-Ausgabe sieht auf den ersten Blick mit seinen Farb- und Formenspielen hypnotisch und schön aus. Im Editorial erklärt die Redaktion dann ihr Bild. Georg Baselitz’ „Etwas Wilhelm (Remix)“ ist eine Verarbeitung von Piet Mondrians Zeichnung des Kreuzsymbols, das umgekehrt ein Hakenkreuz zeigt. Stimmt. „The Way we live now – So leben wir jetzt!“ ist die 81. Berliner Ausgabe betitelt.

Cover Lettre International


Warum fühlt man sich plötzlich so unwohl? Und was bedeutet es, dieses Kreuz auf den Titel zu heben? Unbequeme Fragen hat „Lettre International“ schon immer gestellt, und die Autoren haben sie dann beantwortet. Nun auch in ihrer Jubilä­ums­ausgabe, denn das Magazin feiert im Juni seinen 20. Geburtstag mit doppeltem Seitenumfang (256 Seiten). Über 100 Autoren und Künstler widmen sich aktuellen Themen: Klimawandel, Terror, Migration. Jean Malaurie erklärt, wie fatal es für Naturvölker sein kann, falls sie in ressourcenreichen Ländern, mit Öl, Gas und Mineralien, leben. „Kultur und Natur der arktischen Völker müssen gerettet werden“ (Text­titel) ist sein aufrührendes Plädoyer.

Oder „Prothesenkinder“ von Linda Polman. Die Autorin proklamiert „Schutz vor dilettantischen Helfern ist ein Menschenrecht der Armen“ und besuchte das sierra-leonische Murray Town Camp, wo 226 Amputierte leben, ein „humanitärer Freistaat, in dem die Presse, die Politiker, die Helfer und Amputierten machten, was sie wollten“.

Nur zwei von vielen lesenswerten Weltberichten und literarischen Reportagen, und das in einer Zeitschrift, deren Zukunft finanziell nicht immer gesichert war.

Lettre International Jubiläumsheft „The Way we live now – So leben wir jetzt!“, 256 Seiten, 17 Euro, www.lettre.de

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