Stadtleben

Letzte Saison für den Funkpark Berlin

Mediaspree ist kilometerweit weg, dennoch: Auch dem Funkpark mit dem Club Rechenzentrum droht die Schließung. Nicht wegen Mediaspree, sondern weil das Gelände verkauft werden soll an die Reederei Riedel. Die will vom Landwehrkanal an die Spree ziehen, auf das Gelände des ehemaligen DDR-Rundfunks an der Nalepastraße in Oberschöneweide. Dorthin, wo seit vergangenem Jahr der Funkpark eine Strandbar hat, Beachvolleyballfelder, einen Kinderspielplatz, ein kleines Res­taurant und eben den Club gleich nebenan. Der Funkpark hat bisher einen befristeten Mietvertrag gehabt, der läuft im August aus und wird, wie es aussieht, nicht verlängert. Der Kaufvertrag steht kurz vor dem Abschluss. Und die Betreiber des Funkparks sind außer sich: „Warum muss die Reederei Riedel ausgerechnet zu uns kommen“, fragt Sascha Disselkamp. „In dieser Stadt wird einfach nicht gewürdigt, dass das Nachtleben für Berlin existenziell wichtig ist“, fügt er hinzu. Der Funkpark hat jetzt zum Protest aufgerufen und dazu aufgefordert E-Mails an die Reederei Riedel zu schicken.

Lutz Freise, Geschäftsführer der Reederei, versteht seitdem die Welt nicht mehr. Für ihn stellen seine Pläne, die Reederei nach Oberschöneweide zu verlegen, eine Aufwertung des Geländes dar. Denn der Boden unter dem ehemaligen DDR-Rundfunk ist schwer verseucht. Vor 100 Jahren gab es dort ein Mineral- und Altölhandel, später dann eine Tankstelle für Dieselloks und Schiffe. In den 50er Jahren wurde dann auf dem Gelände lediglich neuer Boden aufgeschüttet und darauf dann die Gebäude des DDR-Rundfunks gebaut.
Heute ist das Grundwasser erheblich beeinträchtigt. „Und eigentlich dürfte auf dem Gelände in seinem jetzigen Zustand gar kein Spielplatz sein und auch nicht im Freien gegessen werden“, sagt Freise, wegen der giftigen Dämpfe, die aus dem Boden aufsteigen würden. Funkpark-Betreiber Disselkamp bestreitet dies vehement, der Funkpark habe ein Gutachten erstellen lassen, laut dem es unbedenklich sei, sich auf dem Gelände aufzuhalten. Freise wiederum hat auf dem Gelände in den vergangenen Monaten rund 100 Bohrungen durchführen und einen Sanierungsplan erstellen lassen. Wenn die Reederei Riedel das Gelände kauft, dann will Freise es umfangreich entkontaminieren. „Wenn wir das nicht machen, muss es jemand anderes tun“, sagt Freise. „Gemacht werden muss es aber in jedem Fall.“ Eine entsprechende Sanierungsanordnung wird demnächst an die Grundstückseigentümer gehen. Finanzielle Unterstützung vom Senat gibt es nicht. Dafür würden die Kosten für die Entkontaminierung mit dem Kaufpreis des Geländes verrechnet, so Freise.

Auch Disselkamp weiß, dass die Entkontaminierung nötig ist. „Aber es gibt durchaus andere Möglichkeiten, das Gelände zu entgiften“, sagt er, „dazu muss nicht das Rechenzentrum abgerissen werden!“ Fragt man Friese, warum er ausgerechnet auf das Gelände des ehemaligen DDR-Rundfunks ziehen will, erklärt er: „Es war für uns einfach an der Zeit, umzuziehen und verschiedene Unternehmensbereiche endlich zusammenzulegen.“ Grüne Flächen, die ähnlich genutzt werden können wie jetzt der Funkpark, soll es laut Freise auch in Zukunft auf dem Gelände geben. Platz sei genug, auch mit seinen Plänen, die Reedereiverwaltung und die Warenlogistik an die Nalepastraße zu verlegen und einen Hafen für seine Schiffe zu bauen.
Vielleicht gibt es also doch noch eine Zukunft für den Funkpark, wenn die Beteiligten sich endlich einmal zusammen an einen Tisch setzen – oder in einen der Liegestühle im Sand an der Spree.

Text: Anne Lena Mösken
Foto: Romulo Correa/fotomografie.de

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