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Me, my Self(ie) And I – Folge 2: Mauerpark

Jackie A. im Mauerpark

Einen Schluck aus dem Becher nehmen, dann die Mundpartie kräuseln. Die 2 Sorten Rum ließen nur noch Platz für einen Spritzer Cola. Der Barmann meint es gut. „Is ja jetzt Wochenende, wa?“, sagt er,  stummes Nicken meinerseits. Geschäftiges Treiben herrscht hier backstage im Mauerpark – trotz des miesen Wetters. Einen Berliner weht ja so schnell nichts weg.  Schon gar nicht, wenn die Versorgung vom Burger bis zum Cocktail gratis ist.  Da wickelt jemand zwei Veggie-Burger umständlich ein, bevor die in seinem Jutebeutel verschwinden. Ungezählte Bierflaschen werden in Jackentaschen und Rucksäcken abtransportiert. Frage mich gerade, ob Backstagebereiche so etwas wie die Tafel für erfolglose Berliner Musiker sind. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass heute Fкte de la Musique ist und eine Getränkefirma hier eine Riesenbühne sponserte. Aber eigentlich ist es wurscht, weil im Mauerpark ja immer irgendeine Fete gefeiert wird, meist in unterschiedlichen Ausführungen zeitgleich. Hinten ein Sound-System mit Grime, vorne die Hippieband mit Congatrommlern, dazwischen, gut frisiert, ein Indie-Sänger mit Gitarre, eine Reisegruppe mit Techno-DJ und Karaokeparty auf der großen Bühne. Der Mauerpark ist ein Ort feierlicher Koexistenz. Hier gibt es keinen Touristenhass und keine Gentrifizierungsopfer, höchstens mal einen unschönen Grasfleck am Hintern. Der Eintritt ist frei und die Wiese groß genug für alle. Der Mauerpark ist wohl der freiheitlichste Ort in Prenzlauer Berg. Irgendwann dann, mit der Bebauung, werden die ersten Klagen kommen. Dann sind die guten Zeiten vorbei – zumindest nach 20 Uhr. Auch jetzt gerade ist es still. Dabei soll doch die Band spielen, wegen der ich und ein paar Tausend Leute kamen. „Stromausfall“, sagt einer. „Peinlich!“, lästert jemand anderes. Aber jetzt, die Musik kommt … und wie! Sonne bricht durch die Wolken und Caribou geben ein kurzes, jedoch großartiges Konzert vor einem wogenden Meer aus Köpfen – mittendrin ein Gelegenheitshändler mit einem winzigen, selbstegbastelten Schild: „Pfeffi = 50 Cent“.  Kurzes Schmunzeln. Dann noch einen letzten Schluck aus dem Becher nehmen und denken: „Prost, Mauerpark. Bleib noch lange, wie du bist!“

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Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Me, my Self(ie) and I – Folge 2

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