Stadtleben

Me, My Self(ie) And I – Nummer 13

Jackie A. auf der Baustelle

Seit dem Frühjahr bin ich Bauherrin. Auf der Baustelle arbeiten 3 bis 4 Sächsische Arbeiter und ein Schwedische Bauleiter. Wenn ich die Baustelle betrete, versuche ich stets für gute Atmosphäre zu sorgen. Ich koche dann manchmal Kaffee und bringe Bockwürste, Knoppers und Äpfel mit. Dabei trage ich immer meine Latzhose sowie einen Zollstock in der Brusttasche. Ich benutze ihn eigentlich nie aber er soll meinen neuen Kompetenz-symbolisierenden Bauherrinnen-Look unterstützen.  Mit den Bauarbeitern fachsimple ich dann über Wand- und Bodenbeläge, stütze dabei ein Bein lässig auf einem Bretterhaufen ab. Nur die wichtigen Fragen vergesse ich noch. Zum Beispiel, ob unser Dach abgedichtet wurde.  – Meine Güte, das verdammte Dach! Der Mann vom Containerservice hat nämlich angerufen. Er war stinksauer, weil Dachpappe in den Baumüllcontainer geschmissen wurde. Dachpappe gehöre aber in den Sondermüll, wie er mir schreiend am Telefon mitteilte. Und weil der wiederum teuer zu entsorgen sei, versuchten ihm Bauarbeiter aus ganz Berlin und Brandenburg das Zeug irgendwie unterzujubeln. Von unserer Baustelle wurden demnach stolze ?16 Pakete, Material für ein ganzes Dach, entsorgt. Nach diesen News konnte ich erst mal nicht mehr schlafen. Mein Partner und ich grübelten, wie sowas passieren konnte und vor Allem, womit denn jetzt eigentlich unser Dach abgedichtet wurde, ?wenn doch das gesamte Material ?im Container gelandet war. Nichtmal die Bauleitung hatte auf diese spannende Frage eine Antwort. Wir lagen dann die halbe Nacht wach und vermuteten am Ende Schlimmstes. Dass die Handwerker vergessen hätten, ?die Dachpappe zu verbauen, und, als es zu spät und das Dach fertig war, die Pappe einfach weggeschmissen hätten …?unfassbar! Man kennt das ja aus diesen TV- Hausbau-Shows: Haus kaputt- Geld weg- Existenz am Arsch. Über die Jahre würde jetzt Feuchtigkeit unser Haus zerstören und wegen chronischer Reparaturkosten würden wir erst in die Insolvenz rutschen und dann, verarmt und obdachlos, in ein Bushaltestellenhäuschen ziehen müssen. Das galt es zu verhindern! Also fuhren wir mitten in der Nacht zur Baustelle. Eilig stieg ich auf eine sehr hohe Leiter, um das Dach zu kontrollieren. Ich sah da schon verschiedenens Material konnte aber trotz Kompetenzlatzhose keine Einschätzung vornehmen. Dank Google konnte immerhin eine wasserdichte Folie identifiziert werden, so dass unser Haus mir schon irgendwie abgedichtet schien. Als wir morgens nochmal wiederkamen, erklärte uns ein Bauarbeiter, dass die alte Dachpappe verschlissen gewesen und von ihm vorsorglich gegen neue ausgetauscht worden sei. Vielleicht hätten wir ihn ja einfach früher mal fragen sollen. Es wurde ja nichts vergessen, sondern höchstens falsch entsorgt. Wobei, eines ja doch: die Apfel, die ich mitgebracht hatte. Die lagen, inzwischen ganz schrumpelig vor Sorgen, noch immer auf der Fensterbank…

Eine Frage ans Handy: 

Jackie
Was ist dein Lieblingsbaustoff?

Siri
Mein Lieblingsbaustoff ist … na ja, wie soll ich es in deiner Sprache ausdrücken? Eine Form der Intelligenz – aber mit mehr Dimensionen.

Kommentare: [email protected]

Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Me, MySelf(ie) And I – Folge 13: Dachpappe

 

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