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Me, My Self(ie) And I – Nummer 14: Morning Gloryville

Guten Morgen!

Friedrichshain, „Technostrich“, ?7 Uhr. Auf einem Banner steht „Guten Morgen“, davor tanzen Hunderte viel zu muntere Menschen. Jemand im Bademantel ist auch dabei, streckt mir energetisch seine Partyfäuste entgegen. An der Espressobar bestelle ich einen Doppelten, den brauche ich jetzt dringend. Seifenblasen und Lichtreflexe umkreisen mein immer noch müdes Haupt. Eine DJ-Frau im 80er-Jahre-Aerobic-Outfit legt humorvolle Dancemusik auf. Ich beobachte Hula-Hoop-bereifte Start-up-Mitarbeiter, Teenager in Pokemon-Kostümen, tanzende Spanierinnen, Hipsterbärtige – aber auch gestandene Damen wie Doris, die mit den Kollegen von Rossmann oder Edeka hier vor Arbeitsbeginn noch schnell zum Raven gekommen sind. Etwas weiter hinten recken Yogaanhänger auf Matten gerade ihre Gesäße gen Morgenlicht: „Namastй!“ ?Die erste Veranstaltung von Morning Gloryville- Rave You Way into the Day war ein schwerer Schock für mich. Eine Party, die um 6.30 Uhr früh beginnt und um 10.30 Uhr endet, die statt Drogen bzw. Alkohol, Fair-Trade-Cappuccino und Yoga anbietet – was würde David Bowie dazu sagen? Ich tat das, was ich häufig tue, wenn ich ratlos bin, und tanzte einen Moment vor mich hin. Dann beschloss ich, die Party weniger als Rave, sondern mehr als Alternative für einen Zumba- oder Fitnesskurs zu sehen. Und siehe da: Mit dem neuen Blickwinkel lief es richtig gut. Mit dem Bademantelmann tanzte ich zu „Born To Be Alive“ im House-Remix. Von der allgegenwärtigen „YAY!-Wir-beginnen-den-Tag-so-fröhlich-wie-es-geht!“-Grundstimmung war ich bald infiziert. So kam ich auf der Tanzfläche immer wieder ins Gespräch und selbst noch so alberne Antanz-Moves wurden mit internationalem „Hallo“ begrüßt. Die letzten Bedenken ließ ich mir der Länge nach ausgestreckt aus dem Nacken massieren – und zwar kostenlos. Auf Wunsch wurden Gäste auch mit Glitzer überstreut, was später im Supermarkt noch Würdigung fand: „Dit sieht ja juht aus, mal wat anderet“, befand einer mit wenig Zähnen vorm Spirituosenregal bei Aldi. Kann man von einem Donnerstagmorgen mehr erwarten? Ganz ehrlich? Ich glaube nicht!

Ein kurzes Gespräch mit dem Handy: 

Jackie
Ich will nicht so früh aufstehen!

Siri
Tut mir leid, Jackie, ich bin nicht berechtigt, Aktivitäten zu entfernen.

Kommentare: [email protected]

Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Me, MySelf(ie) And I – Folge 14: Morning Gloryville

 

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