• Stadtleben
  • Me, My Self(ie) And I – Nummer 21: Frauentagsparty

Stadtleben

Me, My Self(ie) And I – Nummer 21: Frauentagsparty

Erotischer Polizist aus Deiner Umgebung

21 Uhr. Der Wagen parkt vorm Lokal. Ein Käuzchen schreit. Der Mann fragt: „Traust du dich rein?“ „Da muss ich jetzt durch.“ – geb ich zurück. Mit schweren Schritten nähere ich mich dem Etablissement. Die Luft ist kalt, riecht nach Wald und Benzin.
Dieser Abend wird wegweisend sein: Dorfschlampe oder nette Nachbarin – wie wird die Gemeinde entscheiden? Die erste Kontaktaufnahme am neuen Wohnort wird heute bei der Frauentagsparty stattfinden. Beim Eintreten liegt meine Hand am Handy, bereit für eine SMS gezückt zu werden, Wortlaut: „Hol-mich-hier raus!“ Drinnen läuft Chartmusik, frisierte Frauen sitzen an gedeckten Tischen. Einige Blicke haften auf meinen Gummistiefeln. Jetzt die Ruhe bewahren, denk‘ ich, werfe „Guten Abend“  in die Runde, setze mich ganz hinten an einen Tisch. Neben mir sitzen lachende Mütter an einer Tafel,  Typ Dallas Royce aus „Suburgatory“. Ich bestelle das erste Getränk, als ein Mann mit Sporttasche eintrifft. In weniger als einer Stunde wird er hier einen erotischen Polizisten aus deiner Umgebung performen. Eine Auserwählte wird ihm dann verschämt die nackten Schenkel mit Bodylotion einreiben. Ich hoffe sehr, dass ich es nicht sein werde -bitte nicht! 
Linda ist die Erste, die mir ihre Hand entgegenstreckt. Mit ihr und allen anderen werde ich einige Getränke später wie von Sinnen im gaststätteneigenen Stroboskopgewitter zu „Macarena“ tanzen, weiß davon aber gerade noch nichts. Erst mal wird mir, der Neuen, vom Nachbartisch aus Mut zugesprochen. ?Im Dorf lebt es sich entspannt, so sagt man, und dass vor zehn Jahren ein Einstieg noch nicht so einfach war.
Inzwischen sind viele Ex-Berliner und junge Familien am Start, und die Alteingesessenen machen was draus – zumindest heute und hier. Den weiteren Abend verbringe ich zwischen 60- und 70-Jährigen, Mittzwanzigern und ihren Müttern, tanzend und kollektiv rumkrakeelend auf Laing’s: „Ich bin morgens immer müde – aber abends werd ich wach!“ Der Generationenmix schafft mich – so sehr, dass ich dafür sogar Helene Fischer in Kauf nehme: „Ja, für dich, Hildegard! Ich möchte danach aber The Cure hören, ok?“  Als ich das Mikrofon vom DJ ergreife, ist es längst zu spät. Eine Dorfbewohnerin sagt, ich hätte eine sehr lange Rede gehalten. Kein Wunder, es war der beste Frauentag meines Lebens.

Kommentare: [email protected]

Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Me, My Self(ie) And I – Nummer 21: Frauentagsparty

Ein kurzes Gespräch mit dem Smartphone

Jackie: Alles Gute zum Frauentag!

Siri: Einen schönen Sonntag, Jackie!

Mehr über Cookies erfahren