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Me, My Self(ie) And I -Nummer 8: Wo jibbet denn so wat?

Jackie Superstar

„Guck mal auf Seite 73“, sagt der Kollege und tatsächlich. Da ist dieses Foto im neuen Buch von Mister Supergeil. Es entstand in Moabit in diesem charmanten, etwas heruntergekommenen Theater. Friedrich Liechtenstein stand im weißen Hemd an der Bar, ich daneben im Ganzkörper-Netzanzug, der durchsichtig war, die entscheidenden Stellen jedoch mit Pailletten verdeckte. „Wo jibbet denn so wat?“-hatte ein Besoffener zuvor noch in der U8 nachgehakt. Ich murmelte etwas von „Spezialanfertigung“ – in Wahrheit stammte er für kleines Geld aus dem Fundus des Friedrichstadtpalastes. Nach Saisonende wird dort manchmal die Show-Garderobe der Tänzer verhökert und wenn sie mal ein wirklich spektakuläres Outfit suchen, sollten sie dort beim nächsten Fundusverkauf vorbeischauen- es lohnt sich wirklich! In Moabit also trank ich Gin Tonic, vielleicht auch Rotwein, so wie das auf Theaterpartys üblich ist – wobei dies ja keine klassische Theaterparty war. Hardy M. war an diesem Abend Veranstalter. Er hatte sich in den Neunzigern auf Technopartys an seltsamen Orten spezialisiert, hatte in leer stehenden Supermärkten oder verdreckten Luftschutzbunkern Raves ausgerichtet, bei denen ich mir regelmäßig ?die Klamotten einsaute. Dies hier ?war schon eher ein fancy Event und eine Mottoparty, deren Motto irgendwie schwammig blieb. Der Veranstalter jedenfalls trug diesen unfassbaren Fatsuit mit nichts darüber, dazu eine winzige Großmütterchenperücke. Als es später Probleme mit der Technik gab, sah man ihn bzw. eine schnaufende Dicke, die nackt, mit einem Schrauben?zieher in der Hand, unterm DJ-Pult festklemmte. Er hatte mir damals auch eine CD von Friedrich Liechtenstein in die Hand gedrückt. „Hör dir das mal an“, hat er gesagt, und dass er ihn auf Partys buchen will, weil der Typ so geil wäre. Bis sich das richtig rumsprach, sollte noch viel Zeit vergehen. Ich blättere durch „Selfieman“ – ein Foto?tagebuch mit Mikro-Texten, launigen Blickwinkeln und punktgenauen Weisheiten – herrliches Zeugs. Man ahnt ja längst, dass in dem Mann noch mehr stecken muss, deshalb nahm ich Kontakt auf, um Liechtensstein eine mittelfristig naheliegende Frage zu stellen: „Können Berliner mit einer Bürgermeisterkandidatur rechnen?“ Antwort Liechtenstein: ?“Ich wäre gern Bürgermeister, aber ich muss mich auf ‚Wetten, das ..?‘ vorbereiten.“ – Schade eigentlich.

 

Letzte Frage ans Handy:

Jackie: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

Siri: Du, nur du allein, sollst am schönsten von allen sein.

Kommentare: [email protected]

Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Me, my Self(ie) and I – Folge 8

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