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Mediaspree: Was sonst noch alles versenkt werden sollte

Mediaspree versenkenNach dem Flughafen Tempelhof bekommt mit „Mediaspree Versenken!“ am 13. Juli die nächste Bürgerinitiative Gelegenheit dazu, ihr Anliegen durch einen Volksentscheid nach vorn zu bringen. Fraglich bleibt jedoch, ob dessen Ausgang die Pläne der Investoren tatsächlich noch verhindern kann, die bereits munter an Teilen des Spreeufers zwischen Jannowitzbrücke und Elsenbrücke bauen.

Zuständig dafür ist der Zusammenschluss von Investoren „Mediaspree“, der in den vergangenen Jahren schon den Allianz Treptower, die Zentralen von Universal Music und ver.di sowie MTViva und nicht zuletzte die O2 Arena am Ufer der Spree baute. Geplant sind auch kleinere Parkanlagen.

Kritisiert wird, dass auf der Kreuzberger Seite gewachsene Infrastrukturen zerschlagen und alternative kulturelle Einrichtungen wie das Yaam einmal mehr Finanzinvestoren weichen müssen. Ein Durchbruch der denkmalgeschützten East Side Gallery für die direkte Sicht auf eine Anlegestelle der O2 Arena zeige bereits, dass der Senat sich dem Willen finanzstarker Geschäftspartner bereitwillig unterordne.

Mediaspree_Paulus Ponizak Berliner ZeitungMit verschiedenen Aktionen hat die Bürgeriniative „Mediaspree Versenken“ bereits auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. So gab es ein ironisches „Investorenbejubeln“ als Tretbootdemo, einen „Kiezspaziergang“, ein Musik- und Kunstprojekt und unter dem Namen „Mediaspree wegspotten!“ vier eigens gedrehte Kurzfilme. Die Forderung der Initiative ist einfach: „Spreeufer für alle“. Investitionen steht man keineswegs generell kritisch gegenüber, sondern plädiert für einen frei zugänglichen Uferstreifen von 50 Metern, einen Verzicht auf Hochhäuser und eine neue, autofreie Brücke.

Die geforderten 5.500 Unterschriften davor kamen schnell zusammen, sodass am 4. März nach fünf Monaten bereits vorzeitig mit 16.000 Unterschriften der nun stattfindende Bürgerentscheid beantragt werden konnte. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg warnt vor Entschädigungskosten von 165 Millionen Euro, wenn die Entscheidung positiv für die „Versenker“ ausfallen sollte, die jedoch diese Zahl für weit übertrieben halten und klarstellen, dass sich ihr Begehren lediglich auf neue Bauprojekte konzentriert.

Mediaspree_Bernd_Sauer_Diete
Wie auch immer die Entscheidung der Wähler ausfallen wird – am Beispiel des benachbarten Spreeufers auf der Halbinsel Stralau kann man schon sehen, was passiert, wenn Politik und Investoren frei am Willen und Wohl der Bürger vorbeiplanen – und dann noch mit der einst auch hochtrabend gestarteten Wasserstadt GmbH, die eine Riesenpleite (etwa 700 Millionen Miese) produzierte, vor ihrem frühzeitigen Ende aber noch schnell diverse umstrittene Projekte durchwinkte.

So entstehen derzeit am Spreeufer neben der Off-Kultur-Instititution unkul in der Alten Weberei , die dem Bauwahn weichen muss, auf Stralau diverse seelenlose Reihenhäuser, die Familien auf einer eigentlich idyllisch gelegenen Halbinsel eng zusammenpferchen, ohne die nötige Infastruktur dafür geschaffen zu haben. Denkmalgeschützte Bauwerke wie der alte Brauerei Flaschenturm sollen dabei völlig zugebaut werden und in einem kleinen Bereich am Inseleingang 600 neue Wohnungen entstehen – von Investorengruppen, die sich noch nicht mal farblich mit ihren Projekten aufeinander abstimmen konnten.

Hier, auf der direkten Verlängerung der Mediaspree, gibt es zwar den ja auch an der Mediaspree geforderten Fußgängerweg am Ufer, nur beleuchtet ist er nicht. Ebensowenig wie die Köpfe der Stadtplaner, die sich ja in Berlin seit der Wiedervereinigung beispiellos auf vielen freien Flächen austoben konnten, leider aber nur äußerst selten die Begehren der Bürger dabei ernst genommen werden. Bleibt abzuwarten, ob sich das bei der Mediaspree zum Positiven wendet – ob mit Bürgerentscheid im Rücken oder ohne.

Links:


www.ms-versenken.org

www.mediaspree.de


http://stralau.in-berlin.de

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