Stadtleben

Mehr Geriatrie wagen!

In Zeiten des demographischen Wandels geht das Berliner Ensemble mutig voran. Eine alternde Gesellschaft braucht auch alternde Theaterdirektoren! Besitzstandswahrung, Selbstbedienungsmentalität und Alterstarrsinn müssen auch im Theater ihren angemessenen Platz finden. Schließlich ist das Theater immer so verkommen wie die Gesellschaft, die es bezahlt. Claus Peymann, 73 und für sein Alter beneidenswert rüstig, hat seinen Intendantenvertrag am BE bis ins Jahr 2014 verlängert. Dass er dann 77 Jahre alt sein wird, ist selbstverständlich kein Hinderungsgrund, nicht schon jetzt über eine weitere Vertragsverlängerung bis mindestens 2017 nachzudenken, um dem guten Mann wenigstens bis zum 80. Geburtstag Intendantengehalt und Regiergagen, geschätzt etwa eine Viertelmillion Euro im Jahr, zu sichern. Dafür zahlt man doch gerne Steuern. Die Vertragsverhandlungen zwischen dem Intendanten, BE-Gesellschaftern und der BE-Geschäftsführung dürften unkompliziert gewesen sein: Peymann ist praktischerweise in Personalunion Intendant, Gesellschafter und Geschäftsführer des BE. Er wäre dumm, hätte er seinen Vertrag nicht verlängert: So bequem verdient er nie wieder irgendwo anders so gut. Dass eine andere Stadt so verstrahlt ist, ihm noch einmal ein größeres Theater anzuvertrauen, ist nicht zu befürchten.
Dass der Nebenbei-Kultursenator Wowereit der Vertragsverlängerung zugestimmt hat, ist auch nicht weiter überraschend. Wowereit macht Wahlkampf und hat keine Lust, es sich mit dem links-sentimentalen Spießermilieu aus ergrauten PDSlern, Gewerkschaftsfunktionären, Studienräten und frei laufenden Gutmenschen im BE-Zuschauerraum zu verderben. Ein Grund mehr, Wowereit nicht mehr zu wählen.

Peter Laudenbach

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