Stadtleben

Mein Kreuzberg: Prinzessinnengarten

Prinzessinnengarten_c_DavidvonBeckerRobert Shaw wirkt tiefenentspannt, wie er da, die Zigarette lässig im Mundwinkel, ein paar Kräuter aus der Erde zupft. Erstaunlich, denn zur Ruhe kommt der Mitbetreiber des Prinzessinnengartens nicht. Ende August haben Shaw und seine Mitstreiter eine an den Berliner Senat gerichtete Petition gestartet denn die Existenz des Gartens am aktuellen Standort ist bedroht.
Aber zurück zum Anfang: Zusammen mit Marco Clausen suchte Shaw 2009 nach einer Fläche für Urban Gardening und fand schließlich eine Brachfläche am Moritzplatz, die sie, mit Unterstützung des Bezirksbürgermeisters, schließlich mieten und bepflanzen durften. „Mir ist wichtig, nicht immer nur zu reden, sondern anzufangen.“ Das wollten dann schnell auch Anwohner und andere. Mittlerweile beschäftigt das Projekt zwölf Angestellte, betreibt ein eigenes Cafй, bietet Workshops an und hilft anderen Initiativen, eigene Gärten aufzubauen. Auch die Medien sind voll des Lobes.

Für Shaw bedeutet das 60 bis 70 Stunden Arbeit die Woche. Durch die zahlreichen Aktivitäten finanziert sich der Garten größtenteils selbst, obwohl es ganz ohne Spenden noch nicht geht. „Langfristige Förderungen sind leider nicht möglich, da wir keinerlei Planungssicherheit haben.“ Denn der Mietvertrag ist befristet, und immer wieder kommen Shaw und Clausen Gerüchte zu Ohren, das Grundstück solle verkauft werden – ein Statement der Stadt blieb bislang aus. Das hat sie jetzt zu der Petition veranlasst, bei der inzwischen Unterschriften im fünfstelligen Bereich zusammengekommen sind. Fünf Jahre Mietverlängerung ist eine der Forderungen: „Vor allem wollen wir wissen, ob die Stadt Projekte wie den Prinzessinnengarten wirklich wertschätzt. Schließlich wirbt sie ja auch in ihren Broschüren mit uns“, so Shaw. Mittlerweile ist die Sonne untergegangen, trotzdem herrscht auf dem grünen Gelände noch reger Betrieb. Shaw wird wohl auch heute erst im Dunkeln nach Hause gehen.  

Text: Isabel Ehrlich
Fotos: David von Becker

Prinzessinnengarten am Moritzplatz, Prinzenstraße 35–38/ Prinzessinnen­straße 15, Kreuzberg, www.prinzessinnengarten.net

RobertShawRobert Shaw
Als Robert Shaw, 36, vor zwölf Jahren von Hamburg nach ­Berlin kam, hatte er – obwohl er mit 15 eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner absolvierte hatte – mit Gärtnern eigentlich nicht mehr viel am Hut. Das Thema Urban Gardening packte ihn erst in Kuba: „Da wird das Ganze in viel größerem Rahmen prak­tiziert. Der Prinzessinnengarten war dann weniger eine Idee, sondern die Frage ‚Geht das auch in Berlin?‘“. Denn Shaw fand die deutsche Hauptstadt zwar grundsätzlich toll, beobachtete aber auch, wie sie sich „nicht nur zum Positiven ver­ändert“. Zusammen mit seinen Mitstreitern wollte er „ausprobieren, wie wir die verbliebenen Freiräume so nutzen können, dass sie uns wieder besser gefällt.“

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