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Michael Prütz trainiert Revolutionäre des 1. Mai

Herr Prütz, Sie veranstalten am 27. April auf dem Mariannenplatz erstmals ein Demotraining für die linke Szene. Weshalb denn?
Michael Prütz Wir wollen üben, was jahrelang verloren gegangen ist: Verantwortungsbewusstsein für den neben einem Laufenden, Solidarität, Zusammenhalt bei Provokationen. Damit man wieder einmal zu einer etwas disziplinierten Form des Demonstrierens kommt. Auch am 1. Mai.

Ihnen waren die letzten Revolutionären 1.-Mai-Demos nicht diszipliniert genug?
Es gibt einfach, das ist ja bei allen Demonstrationen so, eine Latscherei. Man guckt nicht, was derjenige macht, der neben einem läuft. Was hinten los ist. Man telefoniert mit Freunden, macht Fotos. Da fehlt in der Tat Disziplin.

Wie dürfen wir uns das Training vorstellen??
Wir werden Ketten bilden. Wir werden sehen, in welcher Höhe man die Transparente trägt. Wir werden Bezugsgruppen bilden. Wir werden miteinander diskutieren, wer am 1. Mai wo läuft, wer die Verantwortung trägt. Wie man auf Provokationen reagiert.

Was für Provokationen?
Von Leuten, die nicht im offiziellen Demonstrationszug sind. Natürlich auch von der Polizei. Wenn die Polizisten in die Demonstration reinlaufen, zum Beispiel. Da muss man die Ruhe behalten.

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Sind vermummte Demonstranten keine Provokation??
Nein, das finde ich nicht. Wir selber präferieren aber solche Kleidungsweisen nicht.

Haben Sie keine Sorge, dass Polizeipräsident Klaus Kandt am Mariannenplatz mit einem Feldstecher im Gebüsch hockt und sich eifrig die Trainingsteilnehmer notiert? ?
Das kann er ja gerne tun. Es würde eher zu meinem Amüsement beitragen. Wir tun nichts Illegales. Ganz im Gegenteil.

In den letzten Jahren blieb die Revolutionäre 1.-Mai-Demo eher ruhig. Ein Erfolg der Polizeistrategie der ausgestreckten Hand?
Es hat nicht die Politik der ausgestreckten Hand funktioniert, sondern dass wir versucht haben, die Demonstration von den Kreuzberger Maifestspielen zu einer politisch radikalen Demonstration zu machen.

Probleme mit sogenannten „erlebnisorientierten Jugendlichen“ auf diesen Demos sehen Sie dabei gar nicht??
Ich bin ja nun immer dabei. Mir scheint, dass sich die erlebnishungrigen Leute insbesondere aus anderen Ländern und aus dem Bundesgebiet doch eher auf der Partymeile tummeln. Es gibt schon eine Trennung zwischen den Politischen und den anderen. Obwohl ich nicht ausschließen will, dass es noch ein paar von den Erlebnistouristen gibt.

Die linksradikale Szene hat für die 18-Uhr-Demo 15?000 Teilnehmer angemeldet.?
Wir erwarten 15?000 bis 20?000 Leute. Und der Block, der jetzt übt, soll an der Spitze gehen.

Interview: Erik Heier

Foto: Burkhard Lange

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