Stadtleben

Mode von Huren

Fashion Week in Rio de Janeiro: Nichts Außergewöhnliches sollte man meinen. Schließlich hat inzwischen jede größere Metropole dieser Erde ihre eigene Fashion Week: Berlin, London, New York… die Liste wäre beliebig verlängerbar. Und mit Sicherheit gehört Rio auch nicht unbedingt zu den Top Ten der Fashion Weeks – wäre da nicht dieses kleine Extra abseits der blitzlichtgefluteten Laufstege mit halbnackten Magersuchmodellen.
Denn Rio de Janeiro hat Daspu, ein Modelabel, dessen Name eine Kurzform von „das putas“ („von den Huren“) ist. Daspu wurde 2007 von der Prostituierten-Organisation Davida gegründet. Die Organisation hat sich die Anerkennung der Prostitution als Beruf auf die Fahnen geschrieben und so sind die Präsentationen von Daspu nicht nur reine Show, sondern politisches Statement.
Motor hinter dem Modelabel ist die 32-jährige Jane Eloy. Die dreifache Mutter hat die Hälfe ihres Lebens als Prostituierte auf den Straßen von Rio de Janeiro verbracht. Über ihre Beweggründe sagt Eloy: „Wir Prostituierten wollten schon lange, dass die Gesellschaft uns respektiert und so haben wir eine Mode-Kollektion entworfen vor allem, um beachtet zu werden.“
Das scheint gelungen und Starthilfe gab es dabei ausgerechnet von der Konkurrenz. Das brasilianische Nobel-Kaufhaus Daslu fand die Namensähnlichkeit des Hurenlabels dann doch zu auffällig und wollte diese durch ein ganzes Heer von Anwälten verbieten lassen. Der Medienrummel um den Prozess machte Daspu in Brasilien erst richtig bekannt.
Statt auf glamourösen Catwalks präsentiert das Label seine Mode in heruntergekommenen Fabrikhallen oder ausrangierten Bahnhöfen. Und natürlich ist die Mode nicht nur von Huren entworfen worden, sondern wird auch von Prostituierten präsentiert. Zu lauter Funk-Musik tanzen die Mädchen in knappen T-Shirts, Shorts und Blusen mitten durch die Zuschauer.
Ein Konzept, das aufgeht. Die mitternächtlichen Präsentationen sind bereist monatelang im Voraus ausverkauft und vor Bestellungen und Anfragen kann sich das Modelabel im Moment kaum retten. Denn Daspu schafft einen Spagat, den heute nur noch wenige Top-Labels problemlos schaffen: Die Kleidung ist sowohl sexy und würde als Arbeitskleidung für die Prostituierten genauso durchgehen, wie sie trotzdem alltagstauglich ist.

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