Mokka-Milch-Eisbar: Eine DDR-Ikone kehrt zurück
Zu DDR-Zeiten gehörte die Mokka-Milch-Eisbar zu den beliebtesten Treffpunkten Ost-Berlins. Nach Jahren des Leerstands haben sich nun neue Pächter gefunden, die die Ikone in die Zukunft führen wollen

„In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh′n, in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n“, sang Thomas Natschinski 1968. Der Schlager war ein Hit in der DDR. Bis heute würdigt er einen Ort, an dem sich viele Ost-Berliner zum ersten Mal verliebt haben dürften. Die Mokka-Milch-Eisbar war anders als die eingestaubten Tapetencafés – und auch ganz anders als die oft als die Prachtbauten, die die übrige Karl-Marx-Allee prägen und oft als Zuckerbäckerstil verspottet wurden. Walter Franeks flach gedeckter Hallenbau mit seinem offenem Galeriegeschoss und den mit gelben Keramikplatten verkleideten Außenwänden wirkt durch und durch modern. Im Ensemble mit weiteren ikonischen Bauten wie dem Café Moskau und dem Kino International wurde hier in den 1960er-Jahren eine Entwicklung nachgeholt, gegen die sich insbesondere Stalin gesperrt hatte.
Die Mokka-Milch-Eisbar erzählt Stadtgeschichte
Modern, jung und stilsicher war nicht nur das Café, sondern auch das Publikum, das es besuchte. „Mokke“ nannten die Jugendlichen ihren Treffpunkt. Es wurde Eis gegessen, Mokka getrunken, getanzt und geflirtet. Ein Stück Berliner Geschichte.

In den vergangenen Jahren stand das legendäre Gebäude leer. Die Mokka-Milch-Eisbar war schon in der Wendezeit geschlossen worden – und auch der Nachmieter, das Restaurant Alberts mit dem darunter liegenden Nachtclub A-Lounge, machte 2019 zu. Es folgten umfassende und denkmalgerechte Sanierungsarbeiten und die Suche nach neuen Pächtern, die bereit wären, 30.160 Euro Miete im Monat zu zahlen. So stand es zumindest vor wenigen Monaten noch in einem Inserat auf einer großen Immobilienseite.
Eröffnungsveranstaltungen im April
Wie viel die neuen Betreiber Alexander und Natascha Neumann nun wirklich blechen müssen, wollen sie nicht verraten. Sicher ist aber, dass das Ehepaar das Kult-Café mit neuen Ideen in die Zukunft führen will. Bereits im April soll die Mokka-Milch-Eisbar mit verschiedenen Eröffnungsveranstaltungen zurückkehren. Das Programm ist noch nicht bekanntgegeben worden. Eis und Mokka wird es aber auf jeden Fall geben. In Zukunft soll das Café wieder mit Leben gefüllt werden. Mit Innen- und Außengastronomie, Café-, Bar- und Restaurantbetrieb, Kunst und Musik.
Die Karl-Marx-Allee soll wieder zum Treffpunkt werden
Die Wiederbelebung der Mokka-Milch-Eisbar gehört zu einer umfangreiche Straßenerneuerung. Aktuell stehen gleich drei Sanierungs- und Umnutzungsprojekte entlang der geschichtsträchtigen Karl-Marx-Allee kurz vor dem Abschluss oder der Neueröffnung. Da wäre das legendäre Kino International, das nach zwei Jahren Renovierungsarbeiten 2026 wieder eröffnen soll. Definitiv ein Ort, den jeder Filmfan in Berlin gesehen haben muss. Rund eineinhalb Kilometer östlich nimmt auch der Biergarten James June wieder Gestalt an. Wie die Mokka-Milch-Eisbar prägte dieser Ort das Ost-Berlin der 1970er. Die Projekte sollen Denkmalschutz, zeitgemäße Nutzung und neue städtische Öffentlichkeit miteinander verbinden. Ein Boulevard, der trotz seiner geschichtlichen und architektonischen Bedeutung schon lange kein wichtiger Treffpunkt mehr ist, könnte wieder mehr im Alltag der Menschen stattfinden.
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