Stadtleben

Nach Köln

Erik Heier

Die sexuellen Übergriffe von Köln werden uns noch beschäftigen. Dass eine Kombination aus großen Menschen- und großen Alkoholmengen ein One-Way-Ticket nach Vollpfostenhausen sein kann, setzen wir als bekannt voraus. Dass die Sicherheit von Frauen vor sexuellen Anzüglichkeiten und erst recht vor sexueller Gewalt in unserer Gesellschaft nicht verhandelbar sein darf, muss Konsens sein. Und dass die Sicherheit im öffentlichen Raum eben auch nach denjenigen verlangt, die sie legitimiert durchsetzen, hat sich auch gezeigt. Aber es wird einige Zeit dauern, alle bei der Debatte durchgeknallten Sicherungen wieder einzusetzen. Dass ausgerechnet diejenigen eine neue #Aufschrei-Debatte wollen, die mit Feminismus ums Verrecken nichts zu tun haben wollten, ist krude genug. Aber eine Strategie, dass nicht ist, was nicht sein darf, führt in die Sackgasse. Wenn es sich bei den Tätern tatsächlich zu einem Teil um Flüchtlinge handelt, darf es kein Tabu sein, darüber zu reden. Auch wenn das dem Pegida-/AfD-Besorgtbürgern gerade recht kommt. Dass es auch beim Oktoberfest Vergewaltigungen gibt (neuerdings ein beliebter Relativismus), ist schrecklich für die Frauen, hilft aber den Opfern in Köln und anderswo nicht weiter. Für  Ausländerfeinde heißt es schlicht: Grenzen dicht, Flüchtlinge raus. Sie machen keinen Unterschied zwischen Tätern und Nichttätern. Wir, die wir an den Rechtsstaat, an seine Einzelfallbetrachtung glauben, sollten genau diesen Unterschied pflegen. Weil wir es nicht nur den Flüchtlingen, den  friedlichen, schuldig sind. Sondern auch: den Frauen, die Opfer wurden.

Text: Erik Heier

Mehr über Cookies erfahren