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Kommentar

Green Airlines will ab Berlin klimafreundlich fliegen – geht das?

Green Airlines verbindet ab Ende Oktober Berlin mit Baden. Die Airline behauptet, klimafreundlich zu sein. Doch kann das funktionieren? Wir haben uns die Fakten genauer angeschaut. Und sind stutzig geworden. Ein Kommentar von Max Müller

Zwingt ihre Passagiere, die geflogenen Kilometer zu kompensieren: Green Airlines will den regionalen Flugverkehr klimafreundlich machen. Im Herbst sollen die ersten Flugzeuge in Berlin abheben. Symbolfoto: Unsplash
Zwingt ihre Passagiere, die geflogenen Kilometer zu kompensieren: Green Airlines will den regionalen Flugverkehr klimafreundlich machen. Im Herbst sollen die ersten Flugzeuge in Berlin abheben. Symbolfoto: Unsplash

In Baden, da am letzten südwestlichen Zipfel Deutschlands, war es eine große Nachricht. In Berlin hingegen nahm kaum jemand Notiz davon. Gut, dass es ab Herbst wieder eine direkte Flugverbindung zwischen Karlsruhe und Berlin geben soll, haut den Hauptstädter nicht wirklich vom Hocker. Das ist vor allem für Geschäftsreisende spannend, die es beim Reisen eilig haben. Interessant ist die Meldung aber dennoch, weil die neue (bislang virtuelle) Fluglinie, die diese Strecke bedienen will, nicht nur Green Airlines heißt, sondern den Namen auch zum Programm gemacht hat: klimafreundlicher Regionalflugverkehr. Kann das funktionieren?

Laut Airline schon. Die Argumentation fußt auf drei Faktoren: wenig Lärm, (Über-)Kompensation und eine hervorragende Ökobilanz. Die eingesetzten Flugzeuge des Typs ATR 72, die von Air Alsie im sogenannten „Wetlease“-Verfahren genutzt werden, sind tatsächlich keine Jumbos, entsprechend weniger Krach machen sie. Es ist auch ein wirklich positives Zeichen, dass die Airline ihren zukünftigen Passagieren nicht nur anbietet, die verursachten Emissionen zu kompensieren, sondern diese Kompensation gleich im Ticketpreis inkludiert – gekoppelt an das Versprechen, sogar mehr Flugkilometer auszugleichen als verursacht wurden.

Klimafreundliche Airline in Berlin: Fakten basieren auf Herstellerangaben

Stutzig wird man vor allem bei der vorgerechneten Ökobilanz. Der Kohlenmonoxidausstoß sei geringer als bei gleicher, im Auto zurückgelegter Strecke, die Stickoxidbelastung sogar geringer als jene von Zügen. Das sind freilich die Herstellerangaben. Greenwashing nennt man das auch, und gut fürs Marketing ist es obendrein. Klar ist fliegen umweltfreundlicher, aber auch nur, wenn man als Referenz eine Einzelperson in einen völlig veralteten Spritschlucker setzt. Spätestens seit der VW-Affäre weiß man auch: Solchen Angaben ist nicht blind zu vertrauen.

Das würde auch alles nicht zu den bisherigen Erkenntnissen zur Klimabelastung von Flugzeugen passen. Schaut man sich nur die Angaben des Umweltbundesamtes an, bleibt kein Zweifel. „Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen“, heißt es dort an prominenter Stelle und mit einem entsprechenden Verweis auf aussagekräftige Grafiken. Das wird sich auch erst ändern, wenn die ersten Elektroflieger abheben, was ja bekanntlich noch eine Weile dauern dürfte.

Grundsätzlich ist das Anliegen ja gut, denn am Ende entscheidet sich ja immer der Konsument oder die Konsumentin, ob eine deutlich längere Bahnfahrt gebucht wird oder man eben den Flieger nimmt. Die Passagiere zumindest zwangszuverpflichten, eine Kompensation zu entrichten, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Doch bitte nicht so tun, als wäre Fliegen am Ende noch gut für unser Klima.


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