Stadtleben

Neuer starker Mann

Die Botschaft ist unmissverständlich: Mit mannshohem Richtschwert präsentiert sich Donald C. Runnicles auf den Plakaten der Deutschen Oper. So gibt sich jemand, der richtig aufräumen will und keine Konflikte scheut, wenn Haus und Hof verteidigt werden muss. Dass er jetzt das Sagen an der Bismarckstraße hat, bewies der neue Generalmusikdirektor allerdings schon, bevor er überhaupt sein Amt angetreten hatte: Auf der letzten Jahrespressekonferenz der Deutschen Oper plauderte der Schotte freizügig darüber, welche Stücke in den nächsten Jahren an der Bismarckstraße gespielt werden sollen und wer sie inszenieren wird – größtenteils Regisseure des gediegenen Opern-Mainstreams, die Runnicles aus seiner fünfzehnjährigen Amtszeit an der Oper von San Francisco kannte. Die eigentlich für die künstlerische Planung zuständige Intendantin Kirsten Harms die künstlerische Planung saß derweil stumm daneben und machte traurige Augen. Daraus freilich zu folgern, dass Harms 2011, nach Ablauf ihres derzeitigen Vertrags, die Deutsche Oper verlassen wird, wäre allerdings voreilig: Vergeblich hat Kulturstaatssekretär Andrй Schmitz in den letzten Monaten nach einem fähigen Klassik-Manager gesucht, der Lust gehabt hätte, den Job zu übernehmen. Kein Wunder: Wer gestalten und sich in der Hauptstadt profilieren will, der hat keine Lust, unter einem machtbewussten Dirigenten die zweite Geige zu spielen. Sieht also ganz so aus, als würde Harms der Deutschen Oper erhalten bleiben – und vielleicht kommt sie mit dem neuen Anforderungsprinzip ihres Jobs sogar ganz gut zurecht. Schließlich war sie seinerzeit geholt worden, weil man jemanden brauchte, der mit einem ebenso machtbewussten, allerdings viel unberechenbareren Dirigenten namens Christian Thielemann zurechtkam.  Inszenieren darf Harms übrigens noch. Bis auf weiteres.

Jörg Königsdorf

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