Stadtleben

Neues aus der Volksbühne



Gute
Nachrichten aus der Volksbühne. Castorf hat seinen Chefdramaturgen
Stefan Rosinski mit sofortiger Wirkung entlassen.  Rosinski, der davor schon als Generaldirektor der
Opernstiftung gescheitert war, war an der Volksbühne offenkundig eine
Fehlbesetzung. Die Erwartung, dass er das strauchelnde Theater stabilisieren
und dank seiner Kontakte in die Operwelt spannende Regisseure an die Volksbühne
binden würde, hat er nicht erfüllt. In der von ihm verantworteten Spielzeit
konnte er keine einzige auch nur halbwegs überzeugende Produktion initiieren.
Stattdessen hat der gelernte Verwaltungsjurist sich in der Pose des
Intellektuellen gefallen und das Monatsleporello mit wirren Texten geschmückt.

 

Zur
Unfähigkeit, seine Position inhaltlich auszufüllen kam eine unangenehme
Mischung aus kaum kaschierter Eitelkeit, Selbstüberschätzung und einem robusten
Machtstreben. Dem gescheiterten Chefdramaturgen ging es offenbar mehr um die
Profilierung der eigenen Person als darum, die kriselnde Volksbühne zu
konsolidieren. Rosinski scheint das Kunststück gelungen zu sein, sich in
kürzester Zeit innerhalb des Hauses unbeliebt und außerhalb des Hauses
lächerlich zu machen. Auch an einem weniger exponierten Theater wäre er mit
dieser trostlosen Bilanz zum Problemfall geworden. Dass er sich überhaupt eine
Spielzeit an der Volksbühne halten konnte, muss man als weiteres Krisensymptom
des schlecht geführten Hauses verstehen. Bleibt die Frage, ob Castorf nach der
langen Reihe unfähiger Chefdramaturgen jetzt die überfällige Neuausrichtung des
Theaters und zur Abwechslung die Installierung einer funktionierenden
Dramaturgie gelingt. Zeit wäre es.

Peter Laudenbach

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