Stadtleben

Neues von Hochhuth

Nachdem die Herren Hochhuth und Peymann einander zur allgemeinen Erheiterung des Publikums auf den billigen Plätzen nach allen Regeln der Kunst beleidigt haben (Hochhuth über Peymann: „ein unanständiges Lebewesen“), nachdem sie um das Hausrecht am Berliner Ensemble prozessiert haben (vorläufiges Ergebnis: 1:0 für Peymann), nachdem Rolf Hochhuth so ziemlich jede Feuilleton-Redaktion der Stadt ausgiebig mit seinen Anrufen und „Exclusiv-Meldungen“ genervt hat („Die Ära Peymann ist zu Ende!“), nachdem also der Schwank im Sommerloch auf’s schönste vorgeführt hat, dass Theater von konfliktfreudigen, aber nicht unbedingt zurechnungsfähigen Herrschaften betrieben wird, hatte Rolf Hochhuth eine neue Idee. Ein „Theater der Autoren“ muss her! Darunter stellt er sich ein Theater vor, in dem die Dramatiker (also im Zweifelsfall: Rolf Hochhuth) sagen wo’s langgeht, und wo vor allem Dramatiker und nicht lieblose Intendanten, Dramaturgen oder Regisseure über den Spielplan entscheiden, indem sie einfach ihre eigenen Werke ansetzen, die, wie im Fall Hochhuth, an anderen Bühnen keiner mehr spielen will. Unnötig eigens zu betonen, dass auch diese Hochhuth-Seifenblase schneller platzen wird als Sie den Namen “Hochhuth“ aussprechen können.

Wie so ein „Theater der Autoren“ aussieht, weiß, wer das Vergnügen hatte, eine der unsterblichen Inszenierungen zu sehen, die Hochhuth in einem eigens von ihm angemieteten Theaterchen irgendwo in der ostdeutschen Pampa, selbst angerichtet hat, vor einigen Jahren zum Beispiel sein Werk „McKinsey kommt“, ein unvergessener Höhepunkt der Kapitalismuskritik im Theater. Die armen Schauspieler standen völlig verloren auf der Bühne und quälten sich durch Hochhuths hölzerne Dialoge. Der Dramatiker als sein eigener Regisseur begnügte sich, wie beteiligte Schauspieler leicht verwirrt berichteten, während der Proben damit, begeistert in seinem Werk zu lesen und immer wieder auszurufen: „Hier steht doch alles! So müssen Sie es spielen.“ Und so sah es dann auch aus.

Vermutlich muss man sich ähnlich auch Herrn Kehlmanns Wunschtraum eines „werktreuen“ Theaters vorstellen, in dem die Texte nicht von eigenmächtigen Regisseuren geschunden, sondern einfach regie- und theaterfrei aufgesagt werden.  

Peter Laudenbach