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Neukölln erleben: 12 Ziele, die immer gehen

Nur weil ihr euch zum Abschluss eines perfekten Tages in Neukölln nicht um vier Uhr morgens noch eine Runde Mexikaner in einer Weserstraßen-Kneipe reinpfeifen könnt, ist nicht alles trist. Wir haben 12 Tipps für euch, wie ihr in Neukölln trotz der aktuellen Umstände und trotz allem einen tollen Tag habt.


Tulpen schauen im Britzer Garten

Neukölln blüht auch im Lockdown: Tulpen im Britzer Garten. Foto: Imago/Jürgen Held
Neukölln blüht auch im Lockdown: Tulpen im Britzer Garten. Foto: Imago/Jürgen Held

Erst 1985 wurde der Britzer Garten für die Bundesgartenschau angelegt, erweckt aber den Eindruck, schon immer da gewesen zu sein, so hübsch und zeitlos wie er ist. Nur auf die Britzer Seeterrasse, das merkwürdig hobbithöhlenhafte Restaurant im Park, muss man derzeit verzichten, ansonsten ist der Besuch problemlos möglich. Man schlendert also durch die Sonne an sprießenden Pflanzen vorbei, blickt von der Rhizomatischen Brücke aufs Wasser und vergisst darüber ganz, dass man in Neukölln im Lockdown nicht so viel unternehmen kann wie sonst. Einschränkungen beim Besuch gibt es nicht, nur für die Tulpenschau „Tulipan“ muss man vorab ein Zeitfensterticket buchen.

  • Britzer Garten Sangerhauser Weg 1, Neukölln, tgl. ab 7 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit, Eintritt 3, ermäßigt 1,50 €, für Tulipan reservieren, www.britzergarten.de

Ab ans Maybachufer

Der Landwehrkanal im Mai. Auf der Neuköllner Seite ist auch im Lockdown viel los. Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer
Der Landwehrkanal im Mai. Auf der Neuköllner Seite ist auch im Lockdown viel los. Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Mit der Spree können die Menschen in Neukölln nicht viel anfangen, zu weit weg ist der Fluss und zu unwirtlich sind die Gegenden drumherum. Viel wichtiger ist der Landwehrkanal, wo regelmäßig einer der schöneren Märkte der Stadt stattfindet. Aber auch an den Wochentagen, an denen man auf die japanischen Pancakes oder Feinkost aus Italien verzichten muss, fehlt’s hier an nichts. Wer vom Kottbusser Damm kommt, muss sich auf dem Weg Richtung Dreiländereck eigentlich nur entscheiden, ob es eher ein veganer Donut von Brammibal’s sein soll oder eine Muffle – das Kofferwort aus Waffel und Muffin gibt’s bei Tatas, dahinter verbirgt sich ein streetfoodtaugliches Dessert, das nach Herzenslust mit Eis, Kuchen und Toppings zur Kalorienbombe aufgewertet werden kann.


Tempelhofer Feld entdecken

Füttern verboten, klar, ist ja genug Gras da. Die süßen Schafe auf dem Tempelhofer Feld stört der Lockdown nicht. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Füttern verboten, klar, ist ja genug Gras da. Die süßen Schafe auf dem Tempelhofer Feld stört der Lockdown nicht. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Das Tempelhofer Feld ist für alle Berliner:innen der ideale Freiluftspielplatz. Ihr braucht natürlich weder Skateboards noch Lenkdrachen, weder Hunde noch Picknickkörbe (vielleicht gefüllt mit herrlichem Schoko-Erdnuss-Kuchen aus dem Café Pomeranze, Leinestraße 48), aber all das steigert den Unterhaltungswert der Freifläche erheblich. Überhaupt ist hier alles möglich, selbst die schweren Hanteln wurden draußen an der frischen Luft schon gesichtet, seit die Fitnessstudios zu sind – so wie es überhaupt ganz bestimmte Typen gibt, die man nur auf dem Tempelhofer Feld findet.

Wer es flauschig mag, hält sich südlich und bewundert die Skuddenschafe: Diese natürlichen Rasenmäher halten das Gras auf dem Tempelhofer Feld in Schuss und sind derzeit die besten Tiere, die man in Neukölln beobachten kann – denn der Zugang zu den Eseln und seltenen Tauben im Tierpark Hasenheide ist leider derzeit nicht gestattet.


Italien im Körnerpark

Der Körnerpark ist einer der schönsten Orte in Neukölln. Foto: tipBerlin
Der Körnerpark ist einer der schönsten Orte in Neukölln. Foto: tipBerlin

Bisschen Urlaubsgefühle gefällig? Dann los Richtung Körnerpark, den wir immer dann empfehlen, wenn die Großeltern wieder fragen, ob Neukölln nicht dieser entsetzliche Problemstadtteil wäre. Denn der kleine Garten liegt zwar einige Meter unter der Straßenebene, ist aber ein echter Höhepunkt. Damit ihr euch in diesem Mini-Versailles nah der Karl-Marx-Straße in die Ferne träumen könnt, empfehlen wir einen Besuch im italienischen Doppel an der Selkestraße: perfekte Pizza von Nini e Pettirosso, Getränke nebenan aus dem Café Amalia.

  • Nini e Pettirosso/Café Amalia Selkestraße 27, Neukölln

Nüsschen an der Hermannstraße

Jede Filiale von Nuts & Co ist ein Paradies für Trockenfrüchte, Süßigkeiten und Nüsschen aller Art. Foto: Nuts & Co
Jede Filiale von Nuts & Co ist ein Paradies für Trockenfrüchte, Süßigkeiten und Nüsschen aller Art. Foto: Nuts & Co

Wenn in Neukölln große Leistungen philosophischer Natur vollbracht oder tiefschürfende Gespräche geführt worden sind, zeugt ein kleiner Berg weggeworfener Schalen von Sonnenblumenkernen vor der Parkbank davon. Neukölln bringt einem eine Snack-Kultur bei, die das Chips-Angebot im Supermarkt deklassiert. Und es geht noch viel raffinierter: Nüsse und Kerne, kandiert, geröstet, verfeinert mit Sesam und viel Salz findet man zum Beispiel an der Hermannstraße in einem Geschäft, das immer nach Jahrmarkt riecht. Auch toll: die Nussrösterei Kugu am Kottbusser Damm, die aber ganz knapp schon auf Kreuzberger Gebiet liegt.


Ein Tag am Herrfurthplatz

Rund um die Kirche am Herrfurthplatz gibt es einen schönen Wochenmarkt – und auf der Mauer das wohl zahmste Graffito der Stadt. Foto: tipBerlin
Rund um die Kirche am Herrfurthplatz gibt es einen schönen Wochenmarkt – und auf der Mauer das wohl zahmste Graffito der Stadt. Foto: tipBerlin

Einen richtig guten Samstag in Neukölln verbringt man trotz Lockdown am besten im Schillerkiez auf dem Wochenmarkt am Herrfurthplatz. Hier gibt es portugiesische Spezialitäten, afrikanische Delikatessen und richtig gute Fischbrötchen mit Wels oder Lachs. Den Wochenmarkt findet ihr hier nur samstags, sonntags müsstet ihr auf den Kranoldplatz ausweichen, und richtig gute Tipps für Marktstände in anderen Gegenden haben wir hier für euch.

Was sich aber jeden Tag lohnt: das Warten aufs Eis, vielleicht sogar die leckere pechschwarze Käsekucheneissorte „Darth Vader“. Die ist eine der (nicht jeden Tag verfügbaren) Spezialitäten von Mos Eisley. Im „Star Wars“-Universum heißt so der unwirtliche Wüstenplanet, der als Umschlagplatz für intergalaktisches Diebesgut fungiert. Im Neuköllner Mikrokosmos hingegen ist das eine der besten Eisdielen in Berlin.


Welterbe in Neukölln entdecken: Hufeisensiedlung

Helle Wohnungen im Grünen: Die Hufeisensiedlung im Neuköllner Ortsteil Britz ist ein Architektur-Highlight in Berlin. Foto: Imago/Philipp Schilf
Helle Wohnungen im Grünen: Die Hufeisensiedlung im Neuköllner Ortsteil Britz ist ein Architektur-Highlight in Berlin. Foto: Imago/Philipp Schilf

Wenn man angesichts seelenloser weißer Klötze am Spreeufer und diverser Business-lastiger Bauprojekte, die Berlin verändern werden, zur Überzeugung gelangt ist, dass der Gründerzeit-Altbau der Gipfel der Baukunst ist, bringt ein Trip nach Britz einen auf andere Gedanken. Gefühlt steht der ganze Neuköllner Ortsteil unter Denkmalschutz, das fängt schon bei den eleganten Bahnhöfen der U7 an.

Architekturfreund:innen zieht’s natürlich zur Hufeisensiedlung, in den 1920er-Jahren als Berliner Paradebeispiel des Neuen Bauens errichtet: ein so simples wie spektakuläres Gebäude, das zusammen mit den sachlichen Reihenhäusern als Ensemble von bemerkenswerter Klarheit von besseren Zeiten im Städtebau erzählt, als den durchschnittlichen Stadtbewohner:innen wahre Paläste gebaut wurden. Die Hufeisensiedlung hat es auf die Liste des Unesco-Welterbes geschafft, die Idee der sozialen und bezahlbaren Stadt leider nicht.


Weserstraße: Neukölln bietet hier auch im Lockdown viel

Die Weserstraße am Abend. Foto: Imago/F. Anthea Schaap
Die Weserstraße am Abend. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Erst die Sperrstunde, dann die Lockdowns, das Glühweinverbot und nun die Ausgangssperre: Jede Maßnahme, die die Regierung verfügt, lässt die eigentlich wildeste Meile Neuköllns mehr und mehr zur Ruhe kommen. Selbst das internationale Stimmgewirr ist etwas leiser als sonst, aber langweilig ist es deshalb noch lange nicht. Vielleicht ist der Lockdown die beste Gelegenheit, um tagsüber hier entlang zu schlendern und zu gucken, welche Shops noch Termine frei haben. Ein paar Platten, gute Bücher, fair gehandelte Mode und mehr gibt es rund um die Weserstraße in nicht ganz alltäglichen Geschäften.

Wer keine Lust mehr hat auf Spätibier, wendet sich vertrauensvoll an die Schnapsfahrer. Das gewisse Etwas, zum Beispiel den Old Fashioned mit Schwarztee-Rum-Infusion und Szechuan-Pfeffer, bringen sie euch aus der schönen Bar Tier an die Tür, was eindeutig besser ist als der straff organisierte Kokstaxi-Service, der in der Krise boomt.

  • Schnapsfahrer Liefergebiete: Neukölln, Kreuzberg, Alt-Treptow, Barzahlung oder Paypal, Bestellung ab 16 Uhr unter 0163 012 17 21, www.schnapsfahrer.de

Hummus!

Liebesgrüße aus dem Libanon: In Neukölln schmeckt uns Hummus bei Azzam richtig gut. Foto: Paul Goyette
Liebesgrüße aus dem Libanon: In Neukölln schmeckt uns Hummus bei Azzam richtig gut. Foto: Paul Goyette

Glück braucht, wenn ihr uns fragt, folgende Zutaten: Kichererbsen, Öl, Sesam, Salz, Zitrone und Knoblauch. Das ergibt Hummus, und Hummus bei Azzam ist richtig gut. Was sonst auf dem Speiseplan des kleinen Ladens an der Sonnenallee steht? Foul, Taboulé, perfekte Falafel und leckere Suppen. Das nehmt ihr euch einfach mit und spaziert die Sonnenallee entlang, die früher ein Feldweg war und voller Geschichte steckt.

  • Azzam Sonnenallee 54, Neukölln

Raus in die Hasenheide

Friedrich Ludwig Jahn, bekannt als "Turnvater", hat in der Neuköllner Hasenheide ganz schön was losgetreten. Foto: Imago/Schöning
Friedrich Ludwig Jahn, bekannt als „Turnvater“, hat in der Neuköllner Hasenheide ganz schön was losgetreten. Foto: Imago/Schöning

Kleine Geschichtsstunde: Friedrich Ludwig Jahn, Politiker und Pädagoge, gilt als Begründer des Turnens, das in Deutschland nicht nur Breitensport wurde, sondern im 19. Jahrhundert auch politisch war. In Turnvereinen organisierte sich die deutsche Nationalbewegung, die von den autoritären Fürsten und unabhängigen Kleinstaaten wenig hielt – aber auch nicht viel fürs Judentum übrig hatte, weshalb die Jahn-Statute in der Hasenheide, wo die Bewegung ihren Ursprung hat, unbedingt Kontext braucht.

Es sitzt sich hier trotzdem gut, am besten mit einer Phở von Hamy (Hasenheide 10) und Blick auf den buddhistischen Tempel, dessen Bau seit Jahren nur langsam Fortschritte macht. Mehr zur Hasenheide lest ihr hier, und der Park ist auch abseits vom Turnen ein guter Ort für Sport: Ihr könnt zum Beispiel die Slackline zwischen Bäume spannen oder euch am Columbiadamm im Skatepark die Knie aufschürfen.


Neues Hobby im Lockdown? Lernt Zaubern in Neukölln

Die Chefinnen vom Zauberkönig versprechen auch im Lockdown Spaß. Den ein oder anderen Scherzartikel kauft ihr in Neukölln einfach an der Tür. Foto: F. Anthea Schaap
Die Chefinnen vom Zauberkönig versprechen auch im Lockdown Spaß. Den ein oder anderen Scherzartikel kauft ihr in Neukölln einfach an der Tür. Foto: F. Anthea Schaap

Das Geschäft lebt von Geheimnissen. Wie dieser eine unerklärliche Trick funktioniert, bei dem eine mehrfach gefaltete und zerrissene Spielkarte sich nahtlos wieder zusammenfügen lässt, würden gute Zauberkünstler:innen nie einfach so verraten. Aber wenn man das drauf hat, rasten alle aus. Die Einführungsvorlesung in Magie und Illusionen halten Karen German und Kirsi Hinze nicht, verkaufen aber vom Juckpulver bis zum Zubehör für die größten Zaubertricks ungefähr alles, was Spaß macht. Den Zauberkönig gibt es schon seit 1884, und auch ein Lockdown kann dieser Institution in Neukölln nicht den Garaus machen. Einfach mal anrufen und fragen, ob es Termine gibt oder an der Tür ein Trick zu verkaufen ist – oder im Onlineshop etwas kaufen, das auch beim Picknick im Park alle umhaut.

  • Zauberkönig Herrfurthstr. 6a, Neukölln, Di–Fr 15–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr, Tel. 030/49 20 57 51, Onlineshop hier

Gute Bücher kaufen

Einer der schönsten Buchläden in Neukölln: Pequod mit internationaler Auswahl. Foto: Pequod
Einer der schönsten Buchläden in Neukölln: Pequod mit internationaler Auswahl. Foto: Pequod

In die Helene-Nathan-Bibliothek in den eher tristen Neukölln-Arcaden wollen wir euch gerade nicht schicken, um eure Bücher auszuleihen – auch wenn es dort ohne das Klunkerkranich-Publikum merkwürdig ruhig ist. Was also stattdessen tun? Einfach mal bei den besten Buchläden in Neukölln fragen, wie sie mit dem Lockdown umgehen und ob ihr vorbeikommen könnt. Da wäre beispielsweise die dezidiert queerfeministische Buchhandlung She said am Kottbusser Damm, die internationale Second-Hand-Fundgrube Pequod Books und zwei weitere unserer liebsten Buchhandlungen in Berlin: Die Buchkönigin an der Friedelstraße und der Buchhafen an der Okerstraße. Ein Weg zu letzterem ließe sich auch ganz gut verbinden mit einem Chicken Sandwich to go von Barra, aber leider hat das hervorragende Restaurant mittlerweile eine Warteliste, die Vergleiche zum Warten auf den Impftermin nahelegt.

  • She Said Kottbusser Damm 79, Neukölln, Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–18 Uhr, www.shesaid.de
  • Buchkönigin Hobrechtstraße 65, Neukölln, Mo–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–17 Uhr, www.buchkoenigin.de
  • Pequod Books Selchower Straße 33, Neukölln, Mo-Sa 13-19 Uhr, pequodbooks.de
  • Buchhafen Okerstraße 1, Neukölln, Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 12-18 Uhr, Tel. 030/23 94 85 08, www.buchhafen-berlin.de
  • Barra Okerstraße 2, Neukölln, Chicken Sandwich Do–So 12.30–14.30 Uhr zum Abholen, Reservierung hier

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Die Karl-Marx-Straße ist eine soziale Schlagader. Ihr habt noch Hunger? Schaut doch mal, wie das Take-away-Angebot dieser tollen Restaurants in Neukölln aussieht. Unser Autor war 2020 unterwegs für eine Momentaufnahme aus Neukölln – der Bezirk wirkte vor einem Jahr wie ein Dorf. Und richtig ländliche Gegenden gibt es hier sowieso: Einer der alten Dorfkerne ist hier noch intakt. Immer aktuelle Tipps und Texte über Neukölln findet ihr hier bei uns.