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Berlin verstehen

Vom Café Achteck zur City Toilette – 12 öffentliche Klos von Tradition bis Moderne

Die Toilette steht in Berlin seit Kaisers Zeiten den Bürgern zur öffentlichen Verfügung. Schließlich soll man sich seiner Notdurft nicht in der Öffentlichkeit entledigen. Die ersten historischen Klos, von den Berliner Café Achteck genannt, wurden um 1880 aufgestellt. Schon bald gehörten sie wie Sitzbänke und Litfaßsäulen zum Alltag der Stadt. Hier sind 12 öffentliche Klos in Berlin: vom Café Achteck zur City Toilette.

Klassisches Toilettenhaus in Friedrichshain

Historisches Toilettenhaus am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Foto: Imago/POP-EYE/Christian Behring
Historisches Toilettenhaus am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Foto: Imago/POP-EYE/Christian Behring

Direkt am Boxhagener Platz, wo der Flohmarkt jeden Sonntag Anwohner und Touristen anzieht, steht das bunt bemalte Toilettenhaus. Irgendwie unheimlich, so richtig würde man sich da nur in der Stunde höchster Not reintrauen. Aber die filigrane Konstruktion dieses öffentlichen WCs zeugt von der Liebe zum Detail, wie sie einst gepflegt wurde.


Hübsch: Café Achteck am Chamissoplatz

Urinal am Chamissoplatz in Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning
Urinal am Chamissoplatz in Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning

Der Chamissoplatz ist die Idylle von Kreuzberg 61. Der Wasserturm in der Nähe, der Ökomarkt am Wochenende, die wunderbaren Altbau-Fassaden, all das fügt sich zu einem stimmigen Bild der Stadt. Eine gute Mischung aus Entschleunigung und Urbanität. Entsprechend teuer und begehrt sind auch die Wohnungen in dem Kiez. Das Urinal an der Ecke wurde restauriert und steht in frischem Grün gestrichen da, wie schon vor 100 Jahren auch.


Wall City-Toilette am Alexanderplatz

Wall City-Toilette am Alexanderplatz. Foto: Imago/Schöning
Wall City-Toilette am Alexanderplatz. Foto: Imago/Schöning

Hier am Alexanderplatz ist alles modern, so würde hier ein historisches Toilettenhaus wohl kaum hinpassen. Diese funktionale City-Toilette aus dem Hause Wall ist da die richtige Wahl.


Pinkeln wie in Alt-Berlin

Alt-Berliner Toilette am Gendarmenmarkt. Foto: Imago/Blickwinkel
Alt-Berliner Toilette am Gendarmenmarkt. Foto: Imago/Blickwinkel

Das historische Herz von Alt-Berlin schlägt am Gendarmenmarkt, hier zwischen Französischem Dom und Konzerthaus wurde ein klassisches Café Achteck komplett restauriert und für den traditionsbewussten Besucher zur Verfügung gestellt. Wer weiß, ob nicht schon Orchestermusiker und Dirigenten hier mal vorbeigeschaut haben?


Weniger Charme aber sauber

City Toilette auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Wartenberg. Foto: Imago/Schöning
City Toilette auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Wartenberg. Foto: Imago/Schöning

Was soll man schon groß vom Vorplatz des S-Bahnhofs Wartenberg erwarten? Die City Toilette ist schnöde, modern aber immerhin sauber. Die Ornamente und die Verspieltheit der alten Tage wurden zugunsten schlichter Oberflächen aufgegeben. Heute dienen Klos in der Stadt ohnehin eher als Werbeträger.


Café Achteck in Wilmersdorf

Pissoir am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf. Foto: Imago/Schöning
Pissoir am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf. Foto: Imago/Schöning

Auch in Wilmersdorf steht noch ein klassisches Café Achteck. Hier am Rüdesheimer Platz drehen sich die Uhren schließlich noch etwas langsamer. Auch die alten Laternen sorgen für nostalgische Stimmung.


Pissoir des 21. Jahrhunderts

Modernes Pissoir auf dem Breitscheidplatz. Foto: Imago/Shotshop
Modernes Pissoir auf dem Breitscheidplatz. Foto: Imago/Shotshop

Der Breitscheidplatz ist ein gezeichneter Ort. Die Absperrungen und Poller erinnern an den furchtbaren Anschlag vom Dezember 2016. Das moderne Pissoir ist allerdings eine interessante Fortführung des guten alten Achteck-Cafés. Kleiner, aber in der Form ähnlich, bietet es alles, was der Mann in Not benötigt.


Eckig ist das neue Rund

Wall-Toilette, Bundesplatz. Foto: Imago/Joko

Früher waren sie rund und grün, doch dieses Toilettenhaus der Firma Wall ist grau und eckig. Irgendwie sieht es aus, als hätte man sich an einer modernen Architektur im Bauhaus-Stil versucht, und am Ende ist nur ein öffentliches Klo bei rausgekommen. Aber warum nicht, man kann auch in hässlicherem Ambiente urinieren.


Neu aber in klassischem Grün

City Toiletten in Britz. Foto: Imago/Eibner
City Toiletten in Britz. Foto: Imago/Eibner

Diese City-Toilette in einer Neubausiedlung ist interessant, sie vereint Vergangenheit und Gegenwart. Das klassische Grün, die abgerundete Form, der kleine Dachaufbau, all das sind Reminiszenzen an das Café Achteck, und doch sind diese beiden City Toiletten moderner Bauart.


Sanifair vor dem Bahnhof Zoo

Öffentliche Toilette der Firma Sanifair vor dem Bahnhof Zoo. Foto: Imago/Rolf Kremming
Öffentliche Toilette der Firma Sanifair vor dem Bahnhof Zoo. Foto: Imago/Rolf Kremming

Am Bahnhof Zoo gibt es viele Probleme und das schon sehr lange. Drogen, Obdachlosigkeit, Prostitution, Kriminalität, all das gehört oder gehörte hier dazu. Die Hygienestandards konnten, milde ausgedrückt, nicht immer eingehalten werden. Die Toilettenanlage der Firma Sanifair ist da ein Versuch, die Sache unter Kontrolle zu bekommen.


Moderne City Toilette

City Toilette in Berlin. Foto: Imago/Uwe Koch/Eibner-Pressefoto
City Toilette in Berlin. Foto: Imago/Uwe Koch/Eibner-Pressefoto

Diese City Toilette hat ja schon was. Sie ist rund, das kleine Dach verbeugt sich vor dem Grün alter Zeiten und die Fliesen-Verkleidung strahlt Sauberkeit aus. Ist nicht alles schlecht, was einem heutzutage im Bereich öffentlicher Toiletten angeboten wird. Und die Umgebung erst! Unmittelbare Nähe zum Reichstag (hinten rechts): Da pinkelt man im Vorhof der Macht.


Neuköllner Urinal

Urinal an der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Foto: Imago/Joko
Urinal an der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Foto: Imago/Joko

Zum Abschluss noch ein Urinal an der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Manchmal wünschte man sich, die geheime Geschichte solcher Orte zu kennen. Sie wäre vermutlich ziemlich ekelerregend, aber auch richtig spannend. Wer schaut denn nicht gerne in die Abgründe …

Doch das Schöne an den öffentlichen Toiletten ist ja, dass sie für Privatsphäre sorgen. Meistens zumindest, denn Toilette und Berlin, das funktioniert nicht immer. Siehe unseren Kommentar Berlin blamiert sich mit öffentlichen Toiletten: Sexistisch und voyeuristisch.


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