Olympia wäre eine Chance für Berlin – unter diesen Bedingungen
Kürzlich hat der schwarz-rote Senat verkündet, dass sich das Land Berlin um die Austragung der Olympischen Spiele bewerben will. Die Politiker planen, dass das Großereignis gemeinsam mit vier weiteren Bundesländern organisiert wird. Schon hat sich Protest erhoben, indem ein NOlympia-Bündnis auf den Plan getreten ist. Unter ganz bestimmten Voraussetzungen könnten die Spiele allerdings ein Booster sein.

Höher, schneller, weiter: Im antiken Griechenland, der Wiege des größten Sportfests der Welt, waren Olympische Spiele vor allem Wettmessen zwischen graziösen Athleten. Seit der Wiederbelebung im Jahr 1896 ist Olympia dagegen meist auch ein politisches Phänomen gewesen.
Beispielsweise Hitlers Propaganda-Schau im Dritten Reich anno 1936. Ein Lichtblick: Die Ausgabe in Mexiko City 1968, als die afroamerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos die Hände zu Black-Power-Fäusten formten. Dann gab’s angesichts des Kalten Kriegs geopolitisches Tauziehen in Serie, das in den Teilboykotten 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles kulminierte. In der jüngeren Vergangenheit haben sich autokratische Staaten im großen Stil inszeniert. Etwa in Peking und im russischen Sotschi. Olympia spiegelt Weltanschauungen, im Guten wie im Schlechten.
Diese Eigenschaft ist der Grund, warum sich das Land Berlin – wie geplant – mit Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein um eine Austragung bewerben sollte. Denkbar dabei: crunch time im Jahr 2040.
Der Weg wäre steinig, logisch. Die sportpolitische Kompetenz des Landes Berlins gilt als eher mau. Man muss bloß an die grottige Kampagne des Senats um den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen in den 1990er-Jahren denken. Damals blamierte sich die Nachwendestadt bei der gescheiterten Bewerbung für die Ausrichtung der Gaudi im Jahr 2000.
Olympia in Berlin: Es geht um eine positive Zukunftserzählung
Heute haben sich die Vorzeichen gewandelt: Die Welt ist in allergrößter Schieflage. Der US-Trumpismus, rechtspopulistische Bewegungen in Europa und überhaupt ein Vormarsch autoritärer Mächte untergraben humanistische Werte. Mittels Olympia könnte man eine positive Zukunftserzählung weben – jedenfalls im regionalen Maßstab.
Zuallererst bietet die Zusammenarbeit mit dem genannten Flächenbundesländern eine Chance. So ließe sich das Stadt-Land-Gefälle in der bundesdeutschen Mentalitätskultur ein wenig ebnen. Urbane Lastenradakademiker würden auf ländlich-bodenständige Milieus treffen.
Die Veranstaltungsstätten ließen sich auf nachhaltige Weise in die Infrastruktur betten. Segler könnten Leine lassen in der Kieler Förde. Auf der Regattastrecke Beetzsee in Brandenburg an der Havel würden Rudererinnen ins Nass stechen. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Osten Berlins: ein ganz okayes Rugby-Feld. Die Museumsinsel ergäbe eine fotogene Kulisse für Marathon und Triathlon. Die Leichtathletik hätte im Olympiastadion ihren großen Auftritt. Das Tempelhofer Feld wäre ein cooler Ort für Trendsportarten, ob Skaten oder Breaking.
Vor allem müssten die Bürgerinnen und Bürger über das Drehbuch für die Show entscheiden. Deren talking points sollten früh in den Bewerbungsprozess fließen. Die Volksinitiative, die der Berliner Landessportbund jüngst zugunsten der Olympia-Bewerbung gestartet hat, könnte dabei einen Rahmen setzen. Es müssten Partizipationsformate entstehen, deren Ergebnisse politischen Entscheidungsträgern den Weg weisen würden. Ähnliche Verfahren müssten auch in den Regionen entwickelt werden, die mit dem Land Berlin ihre Hüte in die Ringe werfen wollen.
Olympische Spiele sind ein obszöner Exzess der spätkapitalistischen Ökonomie. Da sollte man sich keinen lllusionen hingeben: Großkonzerne wittern globale Reichweiten auf exorbitanten Werbeflächen, und windige Investoren versuchen, Lokalpolitikerinnen und -politikern eitle Bauprojekte anzudrehen, die später zu Ruinen verfallen. Zu allem Überfluss ist das IOC, das Internationale Olympische Komitee, kein Wohlfahrtsverband. Sondern ein willfähriger, in Teilen korrupter Diener von Big-Money-Circles.
Olympia in Berlin: kein Primat der Wirtschaft
Viele merkantile Ansprüche müssten von der Zivilgesellschaft so weit wie möglich zurückgedrängt werden – auch in harten Verhandlungen mit IOC-Vertretern. Denn das übliche Versprechen der Lobbyisten hat sich bislang nicht erfüllt: dass der Kommerz rund ums Happening, von Touristik bis Stadtentwicklung, einen wirtschaftlichen Aufschwung in Gang bringt, der allen Gesellschaftsschichten zugute kommt.
Um das Primat der Wirtschaft würde es auch nicht gehen. Stattdessen um sozial und ökologisch nachhaltige Spiele in demokratischen Verhältnissen.
Unwahrscheinlich, dass sich das Polit-Establishment um die Berliner CDU und SPD auf so viel Mitmach-Kultur einlassen würde. Andererseits könnten sich schon nach den Berlin-Wahlen 2026 im Abgeordnetenhaus die Machtverhältnisse ändern.
Ziemlich viele Konjunktive. Aber wie heißt es so schön in bester Dialektik: Du hast keine Chance, aber nutze sie.
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Ein Nischensport, der von down under importiert wurde, ist Australian Football. Wer diese Mischung aus Fußball und Rugby einmal in der Praxis testen will, sollte den Berlin Crocodiles im Wedding einen Besuch abstatten. Ein heißer Tipp für den Sommer: die olympische Disziplin Beachvolleyball. Plätze weiten sich im Volkspark Friedrichshain, im East61 in Schöneberg oder am Strandbad Plötzensee. Ein modisches Erlebnis für Nostalgiker dürfte hingegen der Shop „44Trikots“ in Wilmersdorf bieten. Dort werden Fußball-Jerseys aus den Neunziger- und Nullerjahren an Vintage-Fans verkauft.