Stadtleben

Panzerfahren in Brandenburg

Panzer fahrenDrei Kilometer Feldweg, rumpelig. Dann das Schulgelände mit angeschlossener Restauration, ein Imbisswagen auf freiem Feld. Ir­gend­wo bei Schönfelde nahe Münch­eberg. Viel braucht der moderne Brandenburgabenteurer hier draußen nicht, Kaffee, Knacker, Bier, Zigaretten. Es ist kalt an diesem sonnigen Morgen, man wärmt sich die Hände überm züngelnden Feuer. Am Lattenzaun steht: „Halt! Staatsgrenze!“ Da­rüber ein Warnschild: „Achtung Panzer“.
Rund 70 Besucher sind schon da und warten auf ihren Einsatz. „Das ist eigentlich immer so, jeden Tag, das ganze Jahr, seit fünf Jahren“, sagt Axel Heyse und zuckt mit den Schultern. Alle wollen Panzer fahren. Das heißt: selbst fahren. Einmal so ein Monstrum über Hügel, durch Schlamm und riesige Pfützen steuern. Es sind so viele, dass der Andrang kaum zu bewältigen sei mit den zwölf Angestellten. 48 Betriebe der Umgebung sind indirekt ans Unternehmen Panzerfahrschule angeschlos­sen. Heyse ist der größte Arbeitgeber der Region. Bis in die japanischen Abendnachrichten hat er es schon geschafft, deutsche Panzer sind immer noch eine Meldung in der Welt.
Auf dem Platz rollen heute sechs Bergepanzer vom Typ T55 und ein Schützenpanzer BMP. Alte russische Technik, die ist auch heute noch unschlagbar, meint Heyse. Am Zaum rumpeln und rattern zwei Ungetüme im Leerlauf. Die Fahrer klettern von oben in die enge Kabine, bewehrt mit Kopfhaube und über Kehlkopfmikrofon mit dem Fahrlehrer verbunden. Panzer fahrenFür die Damen gibt es ein Leiterchen. Sie nehmen oben auf den Besucherbänken Platz. Das Ding ruckelt los, der Fahrer würgt es erst mal ab. Gelächter im Publikum. „Anschieben!“ Der Fahrer gibt wieder Gas, es stinkt nach Diesel, schwarze Schwaden steigen auf, die Luft wird bleihaltig in Brandenburg, auch ohne scharfes Geschütz.

Begonnen hat das alles einmal mit einer Familienreise zum Jahreswechsel 2000 nach Prag. Kurz vor der Stadt entdeckten Axel Heyse und sein Bruder Jörg auf einem Acker einen alten Bergepanzer. Zehn Jahre waren die Heyses Panzerfahrer und Fahrlehrer in der NVA. „Da kamen natürlich alte Gefühle hoch.“ Kurzerhand plünderten sie die Urlaubskasse trotz nörgelnder Ehefrauen und kauften das museale Stück. Der Panzer musste demilitarisiert werden, dann konnten sie ihn nach Brandenburg bringen.
Drei Jahre haben sie in der Scheune daran rumgeschraubt. Schon bei der ersten Probefahrt auf dem Acker kam der Bürgermeister und wollte mitfahren. Begeistert fragte er: „Könnt ihr den nicht mal zum Erntedankfest vorführen?“ – „Das Schwierigste waren die Genehmigungen. Flächennutzungsplan, Bebauung, allein das Versicherungsrecht“, sagt Hey­se. Die Sache hat sich gelohnt.
Die Kunden des Panzerparks kommen heute aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus Frank­reich, der Schweiz und den USA.

Text: Helmut Kuhn

Bildergalerie: Anna Blancke

Panzer fahren
Buchungen unter Tel. 03 36 37-38 32 89, Funk: 0160-96 66 16 97, Selbstfahrer: 136 Euro, Mitfahren: 10 Euro
www.panzerkutscher.de

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