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Paula Bullings Graphic Novel: „Im Land der Frühaufsteher“

Im_Land_der_FruehaufsteherAls Paula Bulling, eine junge Berliner Künstlerin, vor ein paar Jahren in Thüringen erstmals ein Asylbewerberheim besuchte, war sie zutiefst schockiert. Die Zustände dort seien „erschreckend“ gewesen, erzählte sie in einem Interview, „danach hat mich das Thema nicht mehr los­gelassen.“ Nach und nach kristallisierte sich bei ihr heraus, dass sie ­einen Comic über die Situation von Asylbewerbern in Deutschland zeichnen wollte. Beim Berliner Avant Verlag, einem Spezialisten für Comics und Graphic Novels, zeigte man sich an der Realisierung des ungewöhnlichen Themas interessiert. Wobei, so Pressesprecher Filip Kolek, man davon ausgegangen sei, dass die Unkosten für Druck und Vertrieb eher über andere, gängigere Comics des Verlags eingespielt werden müssten.

„Tatsächlich aber ist es nun umgekehrt“, freut sich Kolek. Paula Bullings im Juni 2012 erschienener, erster Comic „Im Land der Frühaufsteher“ hat eine ungeahnte Beachtung gefunden und steht jetzt kurz vor seiner zweiten Auflage. Die in diesem Jahr spätestens mit dem Flüchtlingsprotestmarsch von Würzburg nach Berlin und den Protest-Camps am Brandenburger Tor und am Kreuzberger Oranienplatz neu entfachte Diskussion um die Situation von Flüchtlingen hat das Interesse an Bullings Comic offensichtlich stark erhöht. Zu Recht. Denn in düsteren Tönen – und in einer interessanten selbstreflektiven Dramaturgie – hat Paula Bulling genau das gezeichnet, was nur wenige kennen und wogegen die Asylbewerber protestieren: Gegen ihre ­Kasernierung in abgelegenen, heruntergekommenen Heimen, gegen ­Ignoranz, Rassismus und willkürliche Abschiebungen.    

Text: Eva Apraku

Paula Bulling: „Im Land der Frühaufsteher“
Avant Verlag, Berlin 2012, 17,95 Ђ

 

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