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Die peinlichsten Berliner 2022: Ein Blick in die Schamliste

Wir beim tipBerlin lieben ja unsere Traditionen. Und die liebste ist uns wohl die Auswahl der peinlichsten Berliner. Auch 2022 sammelten sich Momente, kleine wie große Anekdoten aus Berlin, die unsere Nackenhaare gen Himmel hoben. Also freut euch auf einen Auszug aus unserem alljährlichen satirischen, heiter-ernsten, schreiend ungerechten Rückblick auf das Jahr. Eine kleine Auswahl der peinlichsten Berliner 2022. Die ganze Liste des Grauens gibt’s überall, wo es tipBerlin-Hefte gibt. Gute Unterhaltung!

Wer hat denn dieses Jahre wieder daneben gelangt? Wer ist es, spielt sich mit den peinlichsten Berliner:innen umso besser. Foto: tipBerlin

Platz 1: Systemsprengerin – Patricia Schlesinger, Ex-RBB-Intendantin

Peinlichste Berlinerin 2022: Patricia Schlesinger. Glückwunsch, frohen Ruhestand! Foto: Imago/Michael Handelmann

Wenn der Fisch vom Kopf her stinkt, müffelt es beim RBB in der Masurenallee wie auf einem wurmstichigen Hochseekutter nach zehnwöchiger Fangfahrt. Seit das Springer-Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ Vorwürfe gegen die Intendantin Patricia Schlesinger enthüllte, bei denen es um Filz, Vetternwirtschaft, ein üppiges Bonus-Gehaltssystem, einen verdammt teuren Umbau ihrer 13. Dienstetage, zumindest fragwürdige Beraterverträge für ihren Mann, üppige Abendessen mit politischen Influencer:innen auf Senderkosten in der Privatwohnung und irre Preisnachlässe für ihre Dienstlimousine ging.

Wähnte man sich zunächst beim RBB mit Wagenburg-Mentalität im Fokus einer fiesen Springer-Kampagne, lernte etwa die „Abendschau“ erst spät, dass auch Recherchen im eigenen Haus zum Programmauftrag gehören sollen. Patricia Schlesinger mag sich juristisch womöglich nicht einmal etwas zuschulden kommen lassen haben, sie nutzte „nur“  die Spielräume des Systems, während die Freien-Etats zusammengespart wurden. Nun steht sie für eine der größten Krisen des öffentlich-rechtlichen Systems. Und die ist mit ihrem Rausschmiss – und Rücktritten in der RBB-Führungsriege – längst nicht vorbei. Sie fängt gerade erst an.

Prognose 2023: Viele Arbeitsgerichtstermine.


Platz 7: Eitel Sonnenschein – Harald Welzer, Sozialpsychologe

Harald Welzers Blick, weil ihm eine Frau widerspricht. Foto: Imago/Manfred Segerer

Durfte seinen gemeinsam mit Richard David Precht zusammenempörten Bestseller „Die vierte Macht“ über die Meinungsmache der Leitmedien ausführlich in den Leitmedien diskutieren, zum Beispiel im ZDF-Dissidentenkeller von Markus Lanz. Was bemerkenswert ist für eine 300-Seiten-Polemik, die einerseits altbekannte Medienkritik hyperventiliert, andererseits aber das Beleidigtsein der beiden eitlen Großdenker darüber ausstellt, dass ihre offen verbriefte Haltung zur Frage, wie viel Verteidigung der von Russland überfallenen Ukraine zugestanden werden sollte, auch mal kritisiert wird. Wissenschaftlich fragwürdig auch die Ankündigung, man werde die fehlenden empirischen Daten zum Buch noch in einer Studie nachreichen. Geht uns ja mit dem Faktencheck für diese Peinlichen-Liste ganz ähnlich. Den reichen wir nach. Diese Liste musste jetzt einfach raus.

Prognose 2023: Wir warten immer noch auf die verdammte Studie!


Platz 12: Parade-Rolle – Dr. Motte, Techno-DJ

Wo ist die Muschel, wenn man sie braucht? Foto: Imago/Stefan Zeitz

Ist ja prima, dass Dr. Motto die seinerzeit gemeinsam mit Danielle de Picciotto erdachte Love-Parade 2022 als „Rave The Planet“-Umzug relaunchte. Dumm nur, dass der mitunter erratische Tanzmusik-DJ dabei ein ihm von irgendwem in die Hand gedrücktes Querdenker-Symbol pathostriefend gen Himmel schwenkte, als wär’s Eso-Tinnef aus dem Spiritismus-Gesprächskreis. Hinterher gab er sich kleinlaut: „Ich wusste das nicht. Ich entschuldige mich“. Der Doc in seiner Parade-Rolle: techno-tattrig bis gaga-genial.

Prognose 2023: Umklammert die ganze Parade über seine olle Parade-Muschel. Mit beiden Händen.


Platz 21: Stammelstelle – Mario Czaja, CDU-Generalsekretär

Kann das Wort “Ähm” in 30 Sprachen: Mario Czaja. Foto: Imago/Political-Moments

Der CDU-Generalsekretär ist der größte Wählerschreck seit Kurt Georg Kiesinger. Im Kreuzverhör mit Markus Lanz wand sich der nette Junge von nebenan durch ein Kuddelmuddel aus Stanzen und Stammelei. Bei dem Fiasko, versendet im Dezember 2022, ging es um den großen Angstkomplex der Union: Soll die Republik jetzt Einwanderungsland werden, mit zeitgemäßem Einbürgerungsgesetz und Pipapo, wie es die Ampel-Regierung anpeilt? Mario Czaja, der Rhetorik-Amateur aus Marzahn-Hellersdorf, eierte herum zwischen einer Verbrüderung mit dem Giftspeier Friedrich Merz und Null-Aussagen. Damit war er sprachlose Stimme einer Volkspartei, die sich selbst verloren hat.

Prognose 2023: Tut sich schwer im Rhetorik-Kurs an der VHS.


Platz 31: Emo-Dusel – Alexa Hennig von Lange, Schriftstellerin 

Eine Butterfahrt in Gewässer, die seichter sind als die Dialoge aus der jüngsten Degeto-Produktion aus dem Dienstagabendprogramm der ARD. So ölig war in etwa die erzählerische Rezeptur von Alexa Hennig von Langes Roman „Die karierten Mädchen“, erschienen 2022. Wäre ja eigentlich keiner Kommentierung wert, wenn der Stoff nicht so eminent gewesen wäre, nämlich die Zeit des Nationalsozialismus. Hennig von Lange, einstige Randfigur der 90er-Jahre-Popliteratur, überkleisterte in ihrer Geschichte über das Schicksal einer jungen Frau jeden Ansatz von Vergangenheitsbewältigung mit einer Tapete aus Klischees und Emo-Duselei. So entpolitisiert man deutsche Geschichte.

Prognose 2023: Aus dem Stoff wird ein TV-Drama mit Sophia Thomalla in der Hauptrolle.


Mehr zum Thema

Ihr wollt wissen, wer es noch in unsere Liste der peinlichsten Berliner:innen 2022 geschafft hat? In unserer aktuellen Ausgabe findet ihr sie alle – wie Panini-Heftchen, nur cooler.

Außerdem findet ihr hier die Peinlichen-Liste von 2021. Und wie das so mit Traditionen ist, sind hier die peinlichsten Berliner 2020 und hier die peinlichsten Berliner 2019. Was Berlin noch bewegt, lest ihr in unserer Stadtleben-Rubrik.

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