Tag der Arbeit

1. Mai 2022 in Berlin: Demos und Protest – die wichtigsten Infos

Der 1. Mai 2022 in Berlin wird wie jedes Jahr Austragungsort zahlreicher Traditionen sein. Traditionell steht der Tag der Arbeit im Zeichen des linken Widerstands. Der Höhepunkt ist wie jedes Jahr die „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“. Zwei weitere große Demos sind angekündigt. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft. Was ist los am 1. Mai 2022 in Berlin? Und was müsst ihr unbedingt wissen? Der tipBerlin-Überblick mit Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Feiertag.

Bei der „Revolutionären 1. Mai-Demo kommt es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Am 1. Mai 2022 zieht die Demo wieder durch Berlin. Foto: DGB

1. Mai 2022 in Berlin: Worum gehts beim Tag der Arbeit?

Der 1. Mai in Berlin hat eine lange Tradition. Am „Kampftag der Arbeiterklasse“ organisieren linke und linksradikale Gruppen Demonstrationen und Straßenfeste. Am 1. Mai 1987 brachen in Kreuzberg massive Unruhen aus. Barrikaden wurden errichtet, Molotowcocktails und Steine geworfen. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei.

Am 1. Mai 1987 kam es in Kreuzberg zu Straßenschlachten, Bränden und Plünderungen. Auch heute bleiben die Demonstrationen am Tag der Arbeit ein wichtiges Zeichen linker unilinksradikaler Gruppen. Foto: Imago/Peter Homann

Seit dieser Eskalation führen autonome und antifaschistische Gruppen jährlich eine oder mehrere „Revolutionäre 1. Mai Demonstrationen“ in Berlin durch. Auch wenn in den vergangenen Jahren weniger Ausschreitungen verzeichnet wurden, was unter anderem auf friedliche Gegenveranstaltungen wie das Kreuzberger Myfest zurückzuführen ist, bereitet sich die Polizei traditionell mit einem massiven Aufgebot auf die Demonstrationen vor.

Gibt es Corona-Einschränkungen am 1. Mai?

In den vergangenen zwei Jahren wurden die Demonstrationen durch die Corona-Maßnahmen eingeschränkt. 2021 kam es nach polizeilichem Abbruch des Protestzuges in Neukölln zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Corona-Regeln sind inzwischen weitestgehend aufgehoben und werden sich daher dieses Jahr nicht auf das Demonstrationsgeschehen auswirken.

Eher im Gegenteil: Im Vorfeld gab es eine Debatte über ein Verbot von Schutzmasken, um Vermummung zu verhindern. Die Veranstalter der „Revolutionären 1. Mai-Demo“ befürchteten die Maßnahme als polizeiliche Rechtfertigung für „eigene Gewalt, Eskalation und Repression“. Die Polizei hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Solch eine Bestimmung sei nicht geplant.

1. Mai 2022: Infos zur „Revolutionären 1. Mai-Demo“

1. Mai 2022 in Berlin: Dieses Jahr soll die „Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration“ auf einer Route vom Hertzbergplatz nach Kreuzberg ziehen. Foto: Imago/Müller-Stauffenberg

Auch in diesem Jahr wird die „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“ wieder durch Berlin ziehen. Startpunkt ist der Hertzbergplatz an der Sonnenallee in Neukölln. Um 16.30 Uhr leitet eine Auftaktkundgebung die Demonstration ein, die sich ab 18 Uhr in Richtung Oranienplatz in Kreuzberg bewegen soll.

Das Motto der „Revolutionären 1.-Mai-Demonstration“ lautet „Yallah Klassenkampf – No war but classwar!“. Federführend ist die Migrantifa. Die Polizei kündigt einen „hohen Polizeieinsatz“ an, um möglichen Ausschreitungen entgegenzuwirken. Die Initiator:innen der Demonstration hatten im Vorfeld eine Dokumentation veröffentlicht, die die Eskalation 2021 aus der Sicht der Demonstrierenden darstellt. „Wir möchten in dieser Dokumentation vor allem die massive Polizeigewalt auf der letztjährigen Demonstration thematisieren und euch einen Ausblick auf den 1. Mai 2022 in Berlin geben“, heißt es auf der Website.

1. Mai 2022 in Berlin: Im vergangenen Jahr wurde die „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“ unter Berufung der Corona-Massnahmen von der Polizei abgebrochen. Dieses Jahr gibt es diese Regeln nicht mehr. Foto: Imago/Marius Schwarz

Findet das Myfest am 1. Mai 2022 statt?

Das Myfest, das normalerweise rund um die Oranienstraße als friedliche Alternative zu den Demonstrationen veranstaltet wird, wurde dieses Jahr aufgrund der Planungsunsicherheit abgesagt. Dezentralisiert wird neben den Demonstrationen und Kundgebungen aber auch in vielen Teilen der Stadt gefeiert werden.

Welche Demos sind noch geplant?

Neben der „Revolutionären 1. Mai-Demonstration“ sind auch andere politische Aktionen angekündigt worden. So soll es einen weiteren Demonstrationszug von Kreuzberg bis Neukölln und einen großen Fahrradkorso nach Grunewald geben. Die Protestfahrt auf Rädern hat sich in den vergangenen Jahren mit mehr als 15.000 Teilnehmenden als großes Event etabliert.

Auch die Fahrraddemo nach Grunewald ist ein großes Ereignis. Besonders der geplante Ausbau der A 100 wird viele Leute aufs Fahrrad locken. Foto: Imago/Nicolaj Zownir

Dieses Jahr sollen drei Gruppen aus Neukölln, Friedrichshain und Wedding am Roten Rathaus aufeinandertreffen, um gemeinsam zum Johannaplatz in Grunewald zu radeln, wo auch eine Kundgebung stattfinden soll. Die Rückfahrt geht über die A 100, die momentan mit dem geplanten 17. Abschnitt zu den größten Streitthemen der Stadt gehört. Die Zahl an Demonstrierenden wird entsprechend hoch sein.

1. Mai 2022 in Berlin: Am Vorabend findet mit „Take Back the Night“ eine feministische FLINTA*-Demonstration gegen Sexismus und patriarchale Gewalt statt. Foto: Imago/Bildgehege

1. Mai-Kundgebung des DGB

Jedes Jahr veranstaltet der Deutsche Gewerkschaftsbund, der größte Gewerkschaftsdachverband Deutschlands, seine Mai-Veranstaltung. Neben Kundgebungen in Leipzig, Aachen oder Frankfurt würdigt der DGB natürlich auch in Berlin auf dem Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor den Tag der Arbeit. 2022 steht die Maiveranstaltung unter dem Motto „GeMAInsam Zukunft gestalten“. Nach zwei Jahren in denen pandemiebedingt größtenteils digital demonstriert wurde, ist es den Mitgliedsgewerkschaften in diesem Jahr endlich wieder möglich, die Forderungen nach einer sozial gerechteren Arbeitswelt auf die Straße zu tragen.

Gemeinsam auf der Straße: Die Gewerkschaften ziehen dieses Jahr wieder vor dem Brandenburger Tor auf. Foto: Imago/IPON

Auf dem Programm des Tags der Arbeit stehen Live-Talks, Live-Musik, Kultur-Acts und Mitmachaktionen. Als Redner werden unter anderen Katja Karger, Reiner Hoffmann und Franziska Giffey erwartet. Teil der Show wird die Singer-Songwriterin Kat Frankie sein, die in Berlin lebt. Die Demonstrant:innen treffen sich um 10 Uhr (Motorrad-Korso, Fahrrad-Korso, Skating-Demo) nahe des S/U-Bahnhof Alexanderplatz in der Alexanderstraße. Die Demo bewegt sich zum Brandenburger Tor, wo ab 12 Uhr die traditionelle Mai-Kundgebung stattfindet.

  • Mai-Kundgebung des DGB Brandenburger Tor und Straße des 17. Juni, Mitte, So 1.5., ab 12 Uhr. Weitere Infos gibt’s online

Noch mehr Demos: Ein kleiner Rundumschlag

Um 12 Uhr startet am Cecilienplatz in Marzahn eine Fahrradtour für ein solidarisches Marzahn-Hellersdorf. Am Nettelbeckplatz in Wedding gibt es von 13 bis 15 Uhr einen Spazierstop gegen Querdenken und Rechts. Millionaires for Humanity und die Initiative taxmenow wollen auf dem Pariser Platz in Mitte von 13 bis 17 Uhr über die wachsende Ungleichheit der Vermögensverteilung in der Gesellschaft sprechen.

  • Noch mehr Demos findet ihr hier

Auch Demos am 30. April angemeldet

Am Vortag gibt es neben den Feierlichkeiten zum Tanz in den Mai unter anderem eine antikapitalistische Demo vom Leopoldplatz in Wedding zum U-Bahnhof Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg, und die FLINTA*-Demo „Take Back the Night“, die um 20 Uhr am Mauerpark startet und sich gegen Sexismus und patriarchale Gewalt richtet. Die israelfeindliche Al-Kuds-Demonstration wurde vom Veranstalter abgesagt.


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Ihr wollt vor oder nach der Demo noch mehr unternehmen? Von Partys bis Kunst haben wir die besten Veranstaltungen am 1. Mai. Wir blicken zurück auf die Geschichte des 1. Mai in Berlin: Zuerst auf die Walpurgisnacht, auf Hexen, Punks und Partys. Und dann auf den eigentlichen Feiertag: Momente aus der Geschichte des 1. Mai in Berlin. Mehr dazu findet ihr immer in unserer Geschichte-Rubrik. Immer auf dem Laufenden bleibt ihr mit unserer Politik-Rubrik.

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