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Protest

1. Mai in Berlin mit Corona: Was die Aktivisten planen – und was die Polizei

Der 1. Mai in Berlin vor Corona? In mehrfacher Hinsicht ein besonderer Tag – und schon lange nicht mehr nur politisch. Zwar ist die Hauptstadt auch das Zentrum des Protests. Für viele ist das MyFest aber auch eines der wichtigsten Events des Jahres. Teile Kreuzbergs verwandeln sich in ein großes Straßenfest, während die Polizei versucht, von Walpurgisnacht bis zum 2. Mai gleichermaßen Alkoholleichen als auch Steinewerfer unter Kontrolle zu halten.

1. Mai in Berlin mit Corona – das MyFest fällt aus, Demos haben strikte Auflagen. Die Partei fragt sarkastisch: Geht Krawall ohne das Kommerzfest? Foto: Imago/Contini
1. Mai in Berlin mit Corona – das MyFest fällt aus, Demos haben strikte Auflagen. Die Partei fragt sarkastisch: Geht Krawall ohne das Kommerzfest? Foto: Imago/Contini

Nun ist 2020 einiges anders – das MyFest mit zigtausenden Besuchern seit Wochen wegen Corona abgesagt, das Versammlungsrecht eingeschränkt. Die großen (und kleinen) Demonstrationen können nicht in ihrer gewohnten Form stattfinden. Denn: Noch bis zum 4. Mai dürfen sich maximal 20 Personen unter besonderen Auflagen zum Protest treffen (ab dann auch nur 50). Reines Freizeitvergnügen beschränkt sich bisher weiterhin auf Zweier-Teams mit Abstand (oder gemeinsame Haushalte).

„An diesem 1. Mai steht der Infektionsschutz der Bevölkerung im Vordergrund. Dem werden wir alles unterordnen, auch das Demonstrationsgeschehen“, erklärt tipBerlin Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Die Polizei Berlin bereitet sich derweil intensiv auf die Walpurgisnacht und den 1. Mai 2020 vor. Für die Polizei stehen zwei Dinge im Vordergrund: Infektionsschutz für die Bevölkerung durchsetzen und Eigensicherung (Infektionsschutz) der Polizistinnen und Polizisten gewährleisten. Also auch am 1. Mai: Schutz der Bevölkerung vor Infektionsrisiken.

Der 1. Mai in Berlin und Corona – viele Aktionen angekündigt

Die Polizei Berlin hat trotzdem ein besonderes Augenmerk auf den Tag – denn im Netz kündigen trotz der Auflagen verschiedene Gruppierungen ihre Aktionen an. Und es ist auch zumindest wahrscheinlich, dass trotz aller Corona-Verordnungen viele Berliner einfach aus Neugierde nach Kreuzberg aufbrechen werden.

Man befinde sich angesichts des 1. Mai und der vorangehenden Walpurgisnacht in der Einsatzplanung, erklärt uns Polizeisprecherin Sara Dieng: „Wir betrachten verschiedene denkbare Szenarien.“ Zu konkreten Einsätzen könne man sich gewohnheitsgemäß nicht äußern, „zumal diese von den aktuellen Geschehnissen abhängig sind“.

Klassisches Bild vom 1. Mai in Berlin – vor Corona: Die Straßen sind voll mit Aktivisten, Alkoholleichen und anderen Leuten. Was passiert 2020? Foto: Imago/Müller-Staufenberg
Klassisches Bild vom 1. Mai in Berlin – vor Corona: Die Straßen sind voll mit Aktivisten, Alkoholleichen und anderen Leuten. Was passiert 2020? Foto: Imago/Müller-Staufenberg

Polizei am 1. Mai wieder mit Verstärkung aus anderen Ländern

Klar ist, dass wie in den vorherigen Jahren auch Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert werden. In welcher Stärke diese zum Einsatz kommen, ist laut der Behördensprecherin aber vorab nicht prognostizierbar. Ablesbar daraus ist aber zumindest, dass die Polizei nicht uneingeschränkt von einem ruhigen Ablauf ausgeht.

Dass es viele Neugierige nach Kreuzberg treibt, ist anzunehmen. Natürlich gelten für sie auch weiter die Bestimmungen der Verordnung – die die Polizei auch kontrollieren wird. „Damit haben wir an den vergangenen Wochenenden Erfahrungen gesammelt“, so Dieng. Diese würden in die Einsatzplanung einfließen.

Vor Corona: Das besondere am 1. Mai in Berlin ist das Miteinander. Viele kritisieren den Volksfestcharakter, viele genießen genau das. Foto: Imago/Contini

Aktivist*innen wollen Kreuzberger Straßen „mit Inhalten fluten“

Die Aktivist*innen planen laut „Bündnis Revolutionärer 1. Mai“ in Kreuzberg diverse dezentrale und kurzfristige Aktionen, über die an dem Tag direkt über Twitter informiert werden soll. Kurzfristig sollen Straßen mit „Inhalten geflutet“ werden, zur Vermummung wird aufgerufen – in Zeiten von Mundschutzempfehlungen entbehrt das nicht einer gewissen Ironie.

„Angesichts der herrschenden rassistischen, kapitalistischen und patriarchalen Verhältnisse“ könne das Aktionsbündnis „nicht passiv bleiben“. Geplant sei zum Beispiel ein Autokorso. Um 20 Uhr soll auf Hausdächern Feuerwerk gezündet werden. Und bei Twitter ist das Bündnis auch sonst offensiv: „Wir sehen uns am 1. Mai pünktlich ab 18 Uhr in Kreuzberg.“

Laut Polizei waren Montagmorgen 18 Demonstrationen angemeldet, allerdings noch nicht alle genehmigt.


Die Walpurgisnacht ist in Berlin von besonderer Bedeutung – die Bilder zeigen sie im Wandelt der Zeit. Die Corona-Verordnung gilt auch weiterhin. Wer Kreuzberg meiden will: Hier kann man in Berlin toll Tiere beobachten. Und in vielen anderen der schönen Parks der Stadt dürfte es auch deutlich ruhiger werden.

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