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Klimwandel und Corona

Fridays for Future: Heute Netzstreik und Kunstaktion gegen den Klimawandel

Corona hält die Welt seit Wochen in Schach – sie dreht sich kaum noch. Am heutigen Freitag, dem 24. April, wollen „Fridays For Future“ sie jedoch wieder in Bewegung setzten, um den Kampf für das Klima zurück ins Gedächtnis der Menschen und aus dem auferlegten Winterschlaf zu holen: Mit einem Netzstreik und einer Kunstaktion.

Fridays for Future mit Netzstreik und Kunstaktion gegen Klimawandel: Hunderte Schilder repräsentieren vor dem Reichstag die Demonstrant*innen, die sie gemalt haben.
Hunderte Schilder repräsentieren vor dem Reichstag die Demonstrant*innen, die sie gemalt haben. Foto: Laura Strübbe

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Klimaaktivist*innen von „Fridays For Future“ (FFF), die seit Anfang 2019 freitags die Straßen Berlins füllten, von der Straße ins Netz verschwunden. Kein Wunder: Große Menschenansammlungen, auch Demonstrationen, sind verboten und das neuartige Corona-Virus bestimmt die Nachrichten. Das wollen die Klimaaktivist*innen jetzt ändern.

Sie haben zu einem globalen Streik im Internet für heute, Freitag, den 24. April, um 12 Uhr, aufgerufen. Dabei sollen möglichst viele Menschen ihre Plakate mit den Botschaften für Klimaschutz im Netz zeigen. Außerdem haben die FFF-Mitglieder in den letzten Wochen Kisten in der Stadt ausgestellt, in denen sie Plakate mit Parolen gegen den Klimawandel gesammelt haben. Die wollen sie nun in der Stadt verteilen, auf der Wiese vor dem Bundestag auslegen und so auch offline Präsenz zeigen. Die Aktion soll von 10 bis 14 Uhr dauern.

Dass selbst Greta Thunberg mit ihrem virtuellen Protest kaum Aufsehen erregt, berichtet der Tagesspiegel. Corona überschattet seit Wochen die Nachrichtenlage. Laut einer Forsa-Umfrage hat der Klimaschutz nur noch für neun Prozent der Deutschen oberste politische Priorität. 

Düstere Zeiten für die Aktivist*innen, das weiß auch Carla Reemtsma, Mitglied von Fridays For Future Berlin. Sie will sich nichts vormachen, aber resigniert zeigt sich die Mitbegründerin der Bewegung in Deutschland auch nicht. Gerade jetzt müssten sie den Menschen zeigen: „Hey wir sind noch da!“, sagt Reemtsma.

Gerade jetzt, da politische Konjunkturpakete verabschiedet werden, müssten die Weichen für eine grüne Zukunft gestellt werden – laut Klara Wiegmann, Pressesprecherin der Bewegung in Berlin, mit Gehaltserhöhungen im Pflegebereich, der Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft und der Subventionierung Erneuerbarer Energien.

Menschenansammlung im Netz

Am Freitag, dem 24. April, wollten eigentlich auf der ganzen Welt Aktivist*innen für das Klima auf die Straße gehen. Das geht wegen der Krise nicht mehr. Um weiter protestieren zu können – dem globalen Stillstand zum Trotz – ruft FFF zum Netzstreik auf. 

Das Streikprogramm umfasst Musik, Reden und Live-Schalten aus ganz Deutschland und beginnt um 12 Uhr mittags. Alle Streikenden können sich unter fridaysforfuture.de/netzstreikfursklima mit Bild und Standort eintragen – so überdecken dann viele grüne Punkte auf einer weltweiten digitalen Streikkarte den Globus. 

Neben den eigenen Aufrufen auf Instagram und Twitter fordert FFF alle Teilnehmer*innen auf, ihre Reichweite auf den privaten Kanälen an diesem Tag für den Kampf um Klimagerechtigkeit zu nutzen. So wie sie noch im Februar Menschen auf den Straßen animierten mitzulaufen, sollen auf diesem Weg Menschen, die nichts mit dem Thema Klimaschutz am Hut haben, vom Netzstreik erfahren. Mit dem Netzstreik könnten sie gemeinsam für das Kima streiken, ohne am selben Ort zu sein. 

„Vorher haben wir uns öfter getroffen und die Demos hatten ein ähnliches, sich wiederholendes Schema“, erklärt Wiegmann. Jetzt sei der Arbeitsaufwand größer und anders: Für die neuartigen Proteste mussten neue Infrastrukturen eingerichtet werden. Immerhin: Die Aktivist*innen sind jung und kennen sich aus mit digitaler Infrastruktur.

Demonstration vor dem Bundestag

Komplett kann aber auch FFF nicht auf echte Demonstrationen verzichten. Mit ihrer Kunstaktion wollen sie Klimagerechtigkeit zurück auf den Schirm der Presse und in den gesellschaftlichen Diskurs holen. In ganz Berlin Plakate standen noch bis Montag 30 Kisten vor Geschäften, in die alle, denen das Kilma am Herzen liegt, ihre Plakate legen konnten. 10.000 Schilder sind so zusammengekommen und sollen am Freitag die Wiese vor dem Bundestag bedecken. Bei der Aktion sollen 20 Menschen ausgestattet mit Masken teilnehmen  – die Lockerungen machen es möglich.

Aber auch bei diesem Protest in kleinstem Format müssen die Aktivist*innen die Maßgaben der Landes- und Bundesregierungen sowie des Infektionsschutzgesetzes einhalten. Auch beim Einsammeln der Plakate haben sie laut Wiegmann die Abstandsregeln befolgt. „Denn wir sehen es als Pflicht an, auch dies Krise ernst zu nehmen“, sagt Wiegmann. Das Pflegepersonal soll wegen ihnen auf keinen Fall noch stärker belastet werden.  

Dass die Bundesregierung in der Corona-Krise schnell handelt und Maßnahmen direkt umsetzt – ohne viel Rücksicht auf die Wirtschaft – zieht nicht unbemerkt an den Aktivist*innen vorbei. Wiegmann erklärt sich das mit der Unmittelbarkeit der Corona-Krise und ihrer – hoffentlich – begrenzten Dauer. „Die Klimakrise ist eine viel langfristigere und langsamere Krise, die jedoch einen erheblichen Schaden haben wird.“, so Wiegmann. Corona sei ein Sprint – für die Klimagerechtigkeit müsste man Marathon laufen. 


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