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„One Berlin“: Initiative sorgt sich um Berlin-Vibe – und stellt radikale Forderungen

Für viele Berliner*innen normalisiert sich der Alltag zusehends. Doch es gibt zahlreiche Branchen, die noch immer im Krisenmodus sind. Dazu zählen Hotellerie und Gastronomie, aber auch (Festival-)Veranstalter*innen und Künstler*innen sind verzweifelt. Einige Kulturschaffende haben sich nun in der neuen Initiative „One Berlin“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Sie wollen den Berlin-Vibe retten. Und das mit radikalen Forderungen.

Bilder aus besseren Tagen. Seit Corona droht der Berlin-Vibe verloren zu gehen. Die Initiative "One Berlin" will dagegen ein Zeichen setzen und fordert die Politik zum Handeln auf. Foto: Imago/Imagebroker
Bilder aus besseren Tagen. Seit Corona droht der Berlin-Vibe verloren zu gehen. Die Initiative „One Berlin“ will dagegen ein Zeichen setzen und fordert die Politik zum Handeln auf. Foto: Imago/Imagebroker

Initiiert wurde „One Berlin“ von Tom und Nadine Michelberger, den Betreibern des gleichnamigen Hotels an der Warschauer Straße in Friedrichshain. Zu den prominentesten Unterstützern gehört Tim Raue, Sternekoch, der seit dem Ausbruch der Corona-Krise vor den langfristigen Folgen selbiger warnt (und einen diskutabel benannten Lieferservice aufgezogen hat). Insgesamt gibt es rund 30 Erstunterzeichner*innen.

In einem Offenen Brief, den die Initiative „an die Bürgermeister*innen, Senator*innen und Abgeordneten (außer AfD)“ verfasst hat, dankt man zunächst einmal für die unbürokratische Soforthilfe, die vielen von ihnen gewährt wurde. Das war’s dann aber mit der Lobhudelei. Von da an wird der Ton härter.

„One Berlin“ fordert besseren Schutz für Kunst, Kultur und Gastronomie

„Das urbane Berliner Leben, so wie Sie und wir es kennen, stand aus vielfältigen Gründen schon vor Corona vor dem Abgrund und es bedurfte nur eines weiteren Anstoßes, um alles zu verlieren“, heißt es in der dramatischen Mahnung. Die Initiatoren warnen u. a. vor dem Kauf, der Übernahme und dem beliebigen Kopieren liebgewonnener Kulturorte und Gastronomiekonzepte durch international agierende Investoren und appellieren an die Politik, die hart aufgebaute kulturelle Identität der Stadt nicht kampflos aufzugeben.

Der Offene Brief endet mit einem Maßnahmenkatalog, der sowohl kurzfristige als auch langfristige Forderungen umfasst. Kurzfristig geht es vor allem um finanzielle Unterstützung: Übernahme von Kosten, Aussetzung von Steuern, Abbau der bürokratischen Hürden bei Anträgen zur finanziellen Unterstützung. Vom kommenden Jahr an fordern die Initiatoren dann diverse Steuersenkungen sowie den Beginn der Nachtruhe nach hinten zu verschieben und Lärmschutzgrenzen aufzuweichen. Das könnte natürlich auch zu weniger Rücksicht auf Anwohner*innen führen – ein großes Problem, gerade in dicht bebauten Innenstadtgebieten. Langfristig soll der Begriff „Vergnügungsstätte“ neu definiert werden und auch beispielsweise öffentliche Grünflächen sollen leichter zu bewirtschaften sein.

Hier könnt ihr noch einmal die Pressekonferenz in Auszügen nachschauen:


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