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Wohnungspolitik

rbb-Reportage: „Kontraste“ zeigt die Schattenseiten des Mietendeckels

Seit mittlerweile neun Monaten ist der Berliner Mietendeckel in Kraft, bei über 300.000 Berlinern wurde eine zu hohe Kaltmiete gesenkt. Aber der Mietendeckel hat auch unvorhergesehene Schattenseiten, wie eine Reportage des rbb-Formats „Kontraste“ zeigt.

Mietendeckel – alles wieder gut oder gibt es Kollateralschäden? Foto: Imago Images/bildgehege
Mietendeckel – alles wieder gut oder gibt es Kollateralschäden? Foto: Imago Images/bildgehege

Eigentlich müsste doch jetzt alles gut sein: Bei Hunderttausenden Berlinern sind zu hohe Mieten gesenkt worden, die Lebenskosten damit bei vielen endlich auf Normalmaß gekommen. Wir alle müssen irgendwo wohnen – der Mietendeckel ermöglicht das wieder, scheint es. Was sich mit dem Mietendeckel seit 23.11. ändert, erklären wir hier.

Dass der Mietendeckel auch Schattenseiten haben könnte, erschließt sich erstmal nicht. Der Investigativ-Journalist Sascha Adamek hat aber so einige gefunden. Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen Daniel Donath und Stefanie Mnich hat er zu den Auswirkungen des Mietendeckels recherchiert und einen Reportagefilm für die rbb-Sendung „Kontraste“ produziert.

Der rbb zeigt: Nicht für alle wirkt sich der Mietendeckel positiv auf

Im Interview mit radioeins erzählt Adamek von einigen dieser Auswirkungen. Denn der Mietendeckel hat offenbar nicht nur die Profitgier der Vermieter, sondern auch das Wohnungsangebot insgesamt gedrosselt: Laut Zahlen von immoscout24 sei das Angebot an Wohnungsinseraten von Oktober 2019 bis Oktober 2020 um ganze 58,9 Prozent eingebrochen, berichtet der Journalist.

Der Investigativjournalist Sascha Adamek war an der rbb-Recherche "Kontraste" zum Mietendeckel beteiligt. Foto: Imago Images/Metodi Popow
Der Investigativjournalist Sascha Adamek war an der rbb-Recherche „Kontraste“ zum Mietendeckel beteiligt. Foto: Imago Images/Metodi Popow

Was das heißt? „Die, die Mieten haben, die gesenkt wurden, können sich freuen“, sagt Adamek im radioeins-Interview. „Jedenfalls bis zum nächsten Jahr erstmal. Wer aber rein nach Berlin will, der hat es verdammt schwer, hier etwas Bezahlbares zu finden.“

Sogar Genossenschaften sind vom Mietendeckel betroffen

Außerdem: Auch Wohnungsbaugenossenschaften sind offenbar vom Mietendeckel betroffen. Wohnungsbaugenossenschaften stellen aktuell 12 Prozent aller Wohnungen in Berlin, so Adamek. Wenn diese neue Wohnungen vermieten, richten sie die Wohnungen für die neuen Mieter oft neu her. Bisher hätten die Genossenschaften dafür dann die Miete minimal angehoben.

Das dürften sie mit dem Mietendeckel nicht mehr, neue Mieter müssten die Wohnung jetzt auf eigene Kosten herrichten. Adamek sagt, in einem Beispiel seien das viele tausend Euro gewesen, die die Mieterin hätte in die Hand nehmen müssen. „Die hat dann auch dankend abgelehnt und gesagt: ‚Dann bleibe ich lieber in meiner alten Wohnung.'“

  • Die Dokumentation „Mieten unterm Deckel – Berliner Wohnungspolitik zwischen Fluch und Segen“ läuft am 1.12. um 21.30 Uhr im rbb und ist auch in der Mediathek verfügbar.

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