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Kommentar

Schließung verschoben: Tegel bleibt – Berlin kann Flughäfen weder eröffnen noch schließen

Im Mai wurde die vorläufige Schließung des Flughafens Tegel angekündigt, diese hätte auch endgültig sein können. Nun wird sie verschoben und die Verantwortlichen rudern zurück. Denn nun kommt der Sommer, die Reisewarnung für Europa wird aufgehoben und die Airlines wollen wieder an den Start. Hätte ja auch mal jemand früher dran denken können. Realsatire pur. Ein Kommentar von Jacek Slaski.

Doch keine Schließung, erst einmal nicht. Der Flughafen Tegel bleibt vorerst in Betrieb. Foto: Imago/Gora
Doch keine Schließung, erst einmal nicht. Der Flughafen Tegel bleibt vorerst in Betrieb. Foto: Imago Images/Ritter

Bundesaußenminister Heiko Mass hat die Reisewarnung für 31 europäische Staaten aufgehoben. Ab 15. Juni darf wieder quer durch Europa und weiter geflogen und gefahren werden. Der Sommer wird also nicht wegen Corona ausfallen und wer sich nicht schon die Hütte in Brandenburg gesichert hat, kann in die klassischen Urlaubsländer Spanien, Italien oder Griechenland fliegen.

Die Schließung von Tegel wird verschoben

Das ist schön und war so auch zu erwarten. Sollte nicht die berüchtigte „zweite Welle“ kommen und die Welt in einen erneuten Corona-Lockdown katapultieren, werden wir alle nach und nach zur Normalität zurückkehren. Das gilt natürlich auch für den Flugverkehr, der seit Mitte März rapide abgenommen hat. Teilweise flogen ab Tegel nur eine Handvoll Flugzeuge am Tag.

Aus diesem Grund hat man die vorzeitige Schließung des alten West-Berliner Flughafens beschlossen. Es lohnte sich nicht mehr, ihn zu betreiben. Die Idee dazu hatte Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup. Vor wenigen Wochen. Tegel schließen und irgendwann den BER eröffnen, die Zeit dazwischen überbrücken… irgendwie. So muss er sich das wohl gedacht haben.

Peinlich ist die Entscheidung über die Schließung und noch peinlicher nun die Einsicht, dass man sich wohl vertan hat

Wie kurzsichtig musste Lütke Daldrup sein, um eben diese Entwicklung, die nun eingetroffen ist, nicht vorauszuahnen? Der Lockdown konnte nicht ewig währen und ohne Tegel ist der Flugverkehr aus und nach Berlin im Normalmodus überhaupt nicht zu gewährleisten.

Da muss man kein Experte sein, um zu wissen, dass der Flughafen Schönefeld allein dafür keine Kapazitäten hat. Es hat ja schon mit Tegel und Schönefeld geknirscht, ohne Tegel geht gar nichts. Peinlich ist die Entscheidung über die Schließung und noch peinlicher nun die Einsicht, dass man sich wohl vertan hat.

Man hätte den Verantwortlichen in Verwaltung und Politik mehr Professionalität zugetraut. Aber warum eigentlich? Die BER-Misere ist eine Jahrhundertpeinlichkeit. Nun weiß man: Berlin kann weder Flughäfen eröffnen noch Flughäfen schließen. Nur die Abwicklung von Tempelhof ist einigermaßen ordentlich über die Bühne gegangen. Aber die ist ja schon etwas her.

Wer weiß, was das Berliner Flughafen-Drama noch mit sich bringt. Der BER soll Ende Oktober eröffnen, oder doch nicht? Irgendwann danach wird Tegel den Betrieb einstellen, aber erst dann. Und wirklich dann? EasyJet, eine der größten Airlines in der Region, hat jedenfalls angekündigt, die meisten Strecken in den kommenden Wochen wieder zu bedienen.


Plötzlich abgedriftet: Muss eine Freundschaft Verschwörungstheorien und Lügen aushalten? Denn nur so ist fundierte Kritik an der Regierung möglich: auf der Basis von Fakten und mit deutlicher Abgrenzung nach rechts. Und nicht mit Aluhut und wilden Theorien, wie Attila Hildmann, Ken Jebsen und andere sie derzeit laut in die Welt rufen.

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