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Kommentar

Kein Badespaß für Nazis: Das Strandbad Plötzensee wirft den „Volkslehrer“ raus

Nachdem er gemeinsam mit anderen Nazis und Verschwörungstheoretiker*innen vergeblich versucht hatte, das Reichstagsgebäude zu stürmen, sehnte sich der verurteilte Holocaust-Leugner und selbsternannte „Volkslehrer“ Nikolai Nerling nach etwas Erholung im Strandbad Plötzensee. Doch da hatte er seine Rechnung ohne die Betreiber gemacht. Wieso diese den verurteilten Holocaust-Leugner rauswarfen.

Das Strandbad Plötzensee in Berlin.
Das Strandbad Plötzensee hat den Rechtsextremen Nerling des Geländes verwiesen. Foto:Imago/ Schöning

Er hatte es sich so schön vorgestellt, als er vergangenen Mittwoch mit seinem Camper auf den anliegenden Campingplatz des Strandbades angereist war: ein wenig von dem Demostress erholen, ein paar Videos für seine Fanbase schneiden und bei ’nem kühlen Bier vielleicht mal eben den Holocaust in Frage stellen. Nun wundert sich der 2018 fristlos entlassenem ehemalige Grundschullehrer, dass das alles gar nicht so gut bei den Mitarbeiter*innen und Gästen ankam.

Das Strandbad Plötzensee zeigt Haltung

Die Mitarbeiter*innen bewiesen nämlich Courage und verwiesen Nerling am nächsten Morgen vom Platz. Am Abend davor hatten sie ihn schon aufgefordert, ihren Tisch zu verlassen, an den er sich wohl eher unerwünschter Weise gesetzt und sich über die Coronapolitik, Merkel, Juden und Türken in gewohnt menschenverachtender Weise ausgelassen hatte.

In einem daraufhin veröffentlichen Video beklagt Nerling sich weinerlich darüber, dass er von den bösen Mitarbeiter*innen „verjagt“ worden sei und am nächsten Morgen nicht einmal mehr einen Kaffee bekommen habe. Unerhört! Logisch, dass er sofort bei der Polizei anrief und um Hilfe bat. Aber leider hatte auch die kein Ohr für ihn und verwies schlicht auf das Hausrecht des Pächters. Für den Volkslehrer natürlich nicht verständlich, und so hetzte er seine wütenden Anhänger gegen das Strandbad auf, die ihre, wahrscheinlich eher nicht so kostbare, Freizeit prompt nutzten, um einen rechten Shitstorm loszutreten. Inklusive Morddrohungen natürlich.

Was da hilft ist Solidarität. Und erfreulicherweise war die auch zu beobachten. Nicht nur der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Abgeordnete, Tobias Schulze, solidarisierte sich auf Social Media mit dem Strandbad. Auch hunderte andere taten es ihm gleich und fluteten den entsprechenden Maps-Eintrag mit fünf Sterne Rezensionen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt schlägt rechten Hass !

Wohin mit erholungssuchenden Nazis?

Aber wohin mit Rechtsextremen, die mal eine kurze Auszeit brauchen? Unser Vorschlag: neben den FKK-Bereich noch einen Ort nur für all die Nazis, Verschwörungstheoretiker und Reichbürger einrichten. Dann noch eine hohe Mauer rum und gut ist. Frei nach dem Motto: Nazis rein (oder so ähnlich). Da können sie sich ja mit ihren destruktiven Argumentationsstrategien, Nonsens-Theorien und Hass gegenseitig in den Wahnsinn treiben, während alle anderen in Frieden baden und entspannen können.

Was bleibt, ist, dem Strandbad Plötzensee für die gezeigte Courage zu danken und vielleicht dieses Jahr noch mal zu besuchen. Auch Firmenfeiern und Hochzeiten lassen sich hier übrigens veranstalten.

Der Unbekannte, der dem AFD-Chef Gauland vor gut zwei Jahren beim Baden in Potsdam die Anziehsachen entwendete, so dass dieser bedröppelt in Badehose nach Hause laufen musste, rief damals übrigens: „Nazis brauchen keinen Badespaß!“

Denn bei Nazis hört der Spaß einfach auf.


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