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Kommentar

TXL-Abschied: Wer Tegel-Rundflüge dämlich findet, muss gleich Ryanair und Co. verbieten

Am 7. November endet mit dem TXL-Abschied eine Ära. Dann schließt der Flughafen Tegel für immer. Ein Flughafen, der eng mit der Hauptstadt verbunden war und ist: von der Luftbrücke über die Möglichkeit, frei in der Welt zu reisen, bis hin zum emotionalen Abschied der Kultmarke Air Berlin im Jahr 2017. Luftfahrtenthusiasten wollen sich am Tag der Schließung mit Rundflügen vom Airport verabschieden. Nun werden sie von Aktivisten als Klimakiller an den Pranger gestellt. Wer einen dieser Tegel-Rundflüge bucht, scheißt auf die Zukunft der kommenden Generationen, so der Tenor. Doch ist es wirklich so einfach? Drei Gründe, die dagegen sprechen.

Tegel-Rundflüge sind der Gipfel der Ignoranz, meint wiederum unsere Autorin Xenia Balzereit. Unten geht es zu ihrem Text.

Am 7. November 2020 wird Tegel geschlossen. Zum TXL-Abschied soll es Rundflüge geben – die von Klimaschützern kritisiert werden. Die Passagiere an den Pranger zu stellen, geht am eigentlichen Problem vorbei. Foto: Imago Images/Ritter

Der Rundflug ist vor allem eins: Vergnügen. Wenngleich ein ziemlich emotionales. Noch einmal von Tegel abheben und dort wieder landen, noch einmal einchecken, an den gleichsam eigentümlich beengenden wie ikonischen Gates aufs Boarding warten, einfach diesen Tegel-Vibe spüren. Das ist zahlreichen Fans in den vergangenen Monaten verwehrt geblieben, denn coronabedingt wurden viele Flüge abgesagt. Das ist jedoch nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass dieses Vergnügen bei näherer Betrachtung auch nichts anderes als ein Wochenend- oder Urlaubstrip ist. So wie die Malle-Absturzparty mit den Atzen. So wie der Städtebummel mit dem instagramsüchtigen Partner. Wie der Familienurlaub mit dem Baby, das eh nix mitbekommt.

Abschied von TXL heißt doch nicht Abschied von schlechten Arbeitsbedingungen

Dazu kommt, dass Billigmarken wie Ryanair nicht nur dem Klima schaden, sondern auch auf die Belegschaft scheißen. Knebelverträge, wechselnde Basen und unsichere Zukunftsperspektiven gehen einher mit Dumpinglöhnen und einer menschenverachtenden Unternehmensmaxime, deren einziges Ziel die Gewinnoptimierung ist.

Flugzeuge sind schlichtweg keine normalen Verkehrsmittel. Sie sind – zumindest nach aktuellem technischen Stand – noch immer Klimakiller. Es ist ein absolutes Privileg, mit einem Flugzeug reisen zu dürfen – egal, ob es sich um eine vermeintlich wichtige Geschäftsreise oder eben einen Rundflug handelt.

Kern der Kritik an den Kritikern ist die Frage, wann überhaupt noch Kohlendioxid und andere Schadstoffe in die Luft geblasen werden darf. Nur noch, wenn es überlebensnotwendig ist? Wenn die Reise, um in der Luftfahrt zu bleiben, einem höherem Zweck dient? Wer soll das beurteilen?

Tegel-Rundflüge verbieten? Dann aber konsequent!

Diese Rundflüge zum TXL-Abschied zu verbieten, zöge in der Konsequenz nach sich, überhaupt das Hobbyfliegen zu verbieten. Oder wieso nicht gleich Ryanair und Co.? Das allein wäre konsequent. Dn Luftfahrtenthusiasten ihren würdigen Tegel-Abschied zu verbieten hingegen ist kleinkariert – und hilft der Klimawende überhaupt nicht.


Tegel entdecken und den BER fertigstellen:

tipBerlin-Autorin Xenia Balzereit hat kein Verständnis für die letzten Runden über der Stadt. TXL-Abschied: Tegel-Rundflüge sind der Gipfel der Ignoranz.

Scheitert die BER-Eröffnung vielleicht doch noch im letzten Moment? Zweifler können die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen und mit dem ersten Postillon-Spiel den BER zu Ende bauen. Tegel ist auch ohne TXL ein spannender Ortsteil – diese 12 Adressen in Tegel solltet ihr kennen. Besonders schön: Das Strandbad Tegel hat neue Besitzer und lädt zum Tag der offenen Tür mit Sasha Waltz & Guests ein.

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