Stadtleben

Popkomm Tag 3 – Freitag

Gute Nacht. Tim Renner und Co scheinen sich einer gewissen Faszination für den Untergang nicht erwehren zu können. So, wie bei der ersten Berliner Popkomm vor fünf Jahren Motor sein Comeback im bereits maroden Palast der Republik gab, fand die diesjährige Popkomm-Kehrausparty des Indie-Musik-Imperiums im Haus der Vorstellung, Torstrasse 166 statt. Auch hier war die Motor-Party die allerletzte Sause vor Ort. Künftig wird dort modernisiert. 

 Guten Abend. Die Messe ist beendet. Am letzten Tag waren die Hallen denn auch weit weniger gefüllt. Schließlich standen für viele Berlinbesucher auch noch Museumschecks und Einkaufsbummel an. Aber auch allgemein: Es gab weniger Aussteller und weniger Teilnehmer dieses Jahr. Man muss dabei aber auch das Positive sehen: Dies war die erste Popkomm im Zeichen rauchfreier Clubs. Was bedeutet: weniger Kopfschmerzen und besser riechende Teilnahmer am nächsten Morgen. Ist doch auch was.    

Guten Mittag. Frage an eine 18-jährige Endverbraucherin in der U-Bahn, die sich kurzzeitig von ihrem ipod entstöpselt:“Welche Musik hörst Du denn so?“ – „Ich mag 70er und 80er.“  

Guten Morgen. Schön ist es doch, wenn die Menschen aus der Musikindustrie irgendwann aufwachen und die Gewissheit haben können, dass es irgendwie weiter geht mit ihrer Branche. Wie ich nächtens in der Paris Bar erfahren habe, erweist sich dabei die Filmrechteverwertung als segensreich und lukrativ. Da verhält es sich wie mit den abgeranzten Aktien, die man bereits vor ein paar Jahren abgeschrieben hatte und nun irgendwo im Depot schlummern. Und dann kommt da so ein Regisseur wie Tarantino oder der Horst aus Herne und möchte einen unheimlich authentischen Streifen über die Thaibar-Szene Anfang der Achtziger Jahre im Frankfurter Rotlichtmillieu machen. Da schlägt dann die Stunde der kleinen Verlage, die eben diese unheimlich authentische Musik dazu, die längst keiner mehr hören wollte, im Repertoire haben. Und wenn der Film dann nicht allzu schlecht ausfällt, landen die Songs anschließend auch noch auf einer Soundtrack-Compilation. Bitte, es geht doch!

Mehr über Cookies erfahren