Stadtleben

Preis der Freiheit

Freies Theater bedeutet für die Künstler vor allem: frei von institutioneller Absicherung, frei von langfristigen Sicherheiten und frei von einem Einkommen, das nicht-prekäre Lebensverhältnisse ermöglicht. Die 2,8 Millionen Euro für 2009 und die knapp 2,7 Millionen für 2010, die nach der Entscheidung der Auswahljury zur Basisförderung an die gesamte freie Theater-, Tanz- und Opernszene der Stadt ausgeschüttet werden, sind viel Geld. Und Peanuts verglichen mit dem Etat einer einzigen großen Bühne.


Euros

Unten, verteilt auf insgesamt 32 Theater- und Tanzgruppen, bleibt von den Fördermillionen wenig übrig. In der freien Szene sind Brutto­einkommen zwischen 1000 und 1500 Euro im Monat ein guter Schnitt, berichten Insider. Viele Künstler arbeiten für deutlich weniger. Probenräume und Marketingkosten sind teurer geworden, gleichzeitig drängeln sich immer mehr Künstler in dem kleinen Feld. Die internationale Ausstrahlung der Stadt und die lebendige Szene, in der dauernd neue Gruppen und Auftrittsorte entstehen, vom Ballhaus Ost bis zur Theaterkapelle, sorgen für eine vitale Konkurrenz. Auch international erfolgreiche Künstler bekommen aus den Fördertöpfen nur bescheidene Summen.

Für Rimini Protokoll zum Beispiel bedeutet die Entscheidung der Auswahljury jeweils 80.000 Euro in den nächsten zwei Jahren, Constanza Macras kann mit 90.000 Euro im Jahr rechnen, das Gefängnistheater aufBruch bekommt 70.000 Euro, der Regisseur Hans-Werner Kroesinger 60.000 Euro pro Jahr. Das Geld muss jeweils für die Finanzierung mehrerer Produktionen reichen, vom Bühnenbild bis zur Miete für die Probenräume und die Gagen der Schauspieler.
Wer Pech hat, bekommt gar nichts mehr und geht bei der Basisförderung leer aus – zum Beispiel das Orphtheater in der?Schokofabrik. Der in jeder Hinsicht erfolglosen Tribüne entzog die Jury ebenfalls die Zuwendungen. Das unprofessionell geführte Theater hat sich mit der bizarren Entscheidung, Anna Langhoff zur Intendantin zu berufen und ihr wenige Tage nach Amtsantritt zu kündigen, selbst den Gnadenschuss gegeben.

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