Stadtleben

Preis-Theater

Der Schriftsteller und Dramatiker Thomas Bernhard galt nicht unbedingt als übertrieben harmoniebedürftiger Mensch. Als er 1979 zum Beispiel seinen Austritt aus der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung erklärte, wurde er prinzipiell: „Ist ein Dichter oder Schriftsteller schon lächerlich und für die Menschengesellschaft schon schwer erträglich, um wie vieles lächerlicher und unzumutbarer ist eine ganze Horde von Schriftstellern und Dichtern und solchen, die sich dafür halten, auf einem Haufen! Das Schriftstellergeschwätz in den Hotelhallen Kleindeutschlands ist ja wohl das widerwärtigste, das sich denken lässt. Es stinkt aber doch noch viel stinkender, wenn es vom Staat subventioniert wird. Wie ja überhaupt der ganze Subventionsdampf zum Himmel stinkt! Dichter und Schriftsteller gehören nicht subventioniert, sondern sich selbst überlassen.“ Punk Rock rules okay!

Thomas Bernhard
Aber auch Anarchisten brauchen Geld. Und Geld war für Bernhard immer der einzige akzeptable Grund, einen Literaturpreis anzunehmen und das groteske Ritual einer Preisverleihung über sich ergehen zu lassen: „Ich verabscheute den Preis immer nur solange ich nicht an die fünfundzwanzigtausend Schilling dachte, dachte ich an die fünfundzwanzigtausend Schilling, fügte ich mich in mein Schicksal.“ In einem jetzt aus dem Nachlass veröffentlichten Text, berichtet Bernhard von den Tragikomödien seiner Literaturpreis-Erfahrungen, einer Kette von Demütigungen, Peinlichkeiten, Skandalen samt einem türschlagend den Raum verlassenden Kulturminister und überspannten Laudatio-Rednern („er sprach sehr eindringlich und war lauter Lob, wie ich mich erinnere, aber ich verstand nichts von allem“). Er grantelt, er kippt Häme über die in der ersten Reihe dösenden Würdenträger und den ganzen Literaturbetrieb, er macht sich lustig, auch über sich selbst, zum Beispiel darüber, wie er nach seinem ersten Interview sein Foto in der Zeitung sieht (… mein Bild verabscheute ich, wenn ich wirklich so aussehe, wie auf diesem Foto, habe ich gedacht, wäre es besser, mich in ein finsteres Gebirgstal zurückzuziehen für immer“). Ein Buch, das Misanthropen jederzeit beste Laune macht.

i) Thomas Bernhard: Meine Preise, 140 Seiten, Suhrkamp Verlag

Foto: Franz Froschauer 

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