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Letzte Landung auf dem Flughafen Tempelhof

Tempelhof Luftbild Foto von Markus Waechter_BLZEs sieht nach Abschied aus. Die Tempelhof-Fans bewegen sich fast ehrfürchtig durch die kathedra­len­ähnliche Haupthalle, fotografieren die ausgestellten Flugzeugmotoren und filmen die letzten Flugbewegungen – auf der digitalen Anzeigen­tafel. Über den Ausgängen leuchtet Wall-Werbung.
Am 30. Oktober ist es nun endgültig vorbei. Gegen 22 Uhr wird die letzte Linienmaschine von Cirrus Airline abheben, und um 24 Uhr fliegt dann auch der Rosinenbomber eine Abschiedsschleife. Damit endet der Flugbetrieb nach über 150 Jahren in Tempelhof. Was danach mit der größten Freifläche Berlins passiert, ist unklar. Das Areal mit 386 Hektar Wiese sowie einer Start- und einer Landebahn ist vom Umfang her vergleichbar mit dem Gebiet vom Hauptbahnhof bis zum Alexanderplatz. Auch das riesige Flughafengebäude, es gilt noch immer als drittgrößtes der Welt, hat noch keinen Gesamtmieter. Und bis es soweit ist, verwaltet das Berliner Immobilien Management den steinernen Koloss. Mit anderen Worten: die Türen werden abgeschlossen – ausgenom­­men der Veranstaltungshangar und die gastronomischen Einrichtungen wie Casino und Silver Wings.

Auch wenn die Nachnutzung noch nicht feststeht, die Ideen dafür sind bereits Legion. Schon die Nazis haben sich in den 30er Jahren Gedanken über die Nachflughafenära gemacht. Man favorisierte einen Vergnügungspark nach dem Muster des Kopenhagener Tivoli! Ob der Architekt Hans Kollhoff davon wusste? Denn auch der Erbauer des Backsteinturms am Potsdamer Platz macht sich für ein Vergnügungsviertel mit einer Mischung aus Las Vegas und Tivoli stark – „von Schießbuden, Karussells und Varietй bis zum einarmigen Banditen“. Vermutlich werden die Baseball- und Softballfelder der Amerikaner weiter genutzt, und sehr wahrscheinlich sind auch Spiel- und Abenteuerplätze.

Flughafen TempelhofGeht es nach der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, wird von 2010 bis 2020 eine In­ternationale Bauausstellung bei der Entwicklung des Geländes helfen. Und noch bis zum 5. Januar 2009 können Interessierte ihre Projektideen für das Gebäude einreichen. Lüscher: „Wir geben einer internationalen Öffentlichkeit die Möglichkeit, diese architektonische Ikone mitten im Herz der deutschen Hauptstadt weiterzuentwickeln und zu nutzen.“ Das sogenannte „Tempelhofer Forum“ soll zur neuen Adresse für Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft wer­den. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht bereits bis zu 5000 neue Arbeitsplätze an diesem Ort.

Eine optimistische Einschätzung. Vergleichbare Nazi-Bauten liegen entweder größtenteils brach wie Prora auf Rügen oder wurden vor dem Leerstand nur durch den Einzug eines Ministeriums wie dem Finanzministerium in der Leipziger/Ecke Wilhelmstraße bewahrt. Die Kreativwirtschaft alleine wird den Trumm mit knapp 1500 Metern Länge kaum bespielen können. Einfacher ist die Planung der Freifläche. Sie soll größtenteils erhalten bleiben, als eine Art Central Park mitten in Berlin. Schon zu Zeiten der Amerikaner grasten übrigens Schafe auf den Wiesen – zwischen startenden und landenden Flugzeugen. Ob nun an den Rändern Stadtvillen entstehen oder Quartiere für Zukunftstechnologien wie in Adlershof – Hauptsache, die Nachnutzung beginnt bald, vor dem Vandalismus.

Abschied vom alten Tempelhof kann man übrigens auch noch nach dem 30. Oktober nehmen. Zum Beispiel zwölf Meter unter der Erde. In dem weitverzweigten Kellernetz befindet sich der sogenannte Filmbunker, in dem sich während des Zweiten Weltkrieges Unmengen an Filmmaterial befunden haben sollen. Die Amerikaner sprengten 1945 die Tresor-Tür auf, und dabei brannte die Betonkammer vollkommen aus. Heute gehört der Filmbunker zum gruseligen Teil einer Tempelhof-Führung, die auch nach der Schließung des Flughafens noch angeboten wird.

Text: Britta Geithe

Foto: Markus Wächter/BLZ (1)

Führungen unter www.berlinairport.de/DE/ReisendeUndBesucher/ErlebnisFlughafen/Fuehrungen/THF/FuehrungenTHF.html

 

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