Stadtleben

So queer ist Kreuzberg: tipBerlin-Guide für Pride, Party und Protest

Kreuzberg ist queer. Hausbesetzung, Punk- und Hip-Hop-Subkultur, Menschen aus aller Welt, Kunst, Avantgarde, Kultkneipen, Szenetreffs und Konzerte machen den Stadtteil auch für die queere Szene so anziehend. Von Partys zu Shops bis zu regelmäßigen Events: Hier gibt es alle wichtigen Infos zum queeren Kreuzberg.

Queeres Kreuzberg: Eine bewegte Geschichte

Queeres Kreuzberg: Orientalisch-queeres Tanzen gibt es seit über zwanzig Jahren bei der legendären Partyreihe „Gayhane“ im SO36. Foto: Imago/David Heerde

Eine bewegte Geschichte und Menschen verschiedener Herkunft, Religion, Kultur und Sexualität prägen Kreuzberg bis heute. Kreuzberg war nicht immer der angesagte Szenebezirk, der mit interessanten Geschäften, wunderbaren Restaurants, gemütlichen Kneipen und beliebten Clubs begeistert. Bevor die Häuser renoviert wurden, Mieten stiegen und sich angesagte Läden und kaufkräftige Zielgruppen ansiedelten, war der Bezirk in breiten Teilen von sozialen Missständen geprägt. Die Lebensbedingungen waren schlecht, die Häuser heruntergekommen und die Berliner Mauer verlief vor der Haustür. Die Nachbarschaft war geprägt von Arbeiter:innen aus Deutschland und Menschen mit Migrationshintergrund.

In den 1980er-Jahren sah Kreuzberg noch ganz anders aus. Heruntergekommene Häuser und schlechte Lebensbedingungen prägten den Bezirk. Gleichzeitig siedelten sich interessante Leute an. Foto: Imago/serienlicht

Gleichzeitig zogen die günstigen Mieten und leerstehenden Häuser etliche Künstler:innen, Aktivist:innen und andere alternative Menschen an. Häuser wurden besetzt, es entstand eine Besetzerszene und wichtige Kulturorte. In progressiven Kreisen konnte man sich frei entfalten, egal ob künstlerisch, politisch oder sexuell. In Clubs wie dem SO36 fanden schon ab den 1970er-Jahren queere Konzerte und Partys statt. In den 1990er-Jahren veranstaltete die Location die ersten „Queer Oriental Parties“, auf denen Queerness und Migration zelebriert wurden. Legendäre Partyreihen wie „Gayhane“, die auch in einem opulenten Bildband verewigt wurde, ebneten den Weg für das queere Kreuzberg und locken bis heute Feierlustige in den geschichtsträchtigen Punkclub.

Queere Clubs und Bars: Kreuzberger Nächte sind lang

Im SO 36 in der Oranienstraße finden nicht nur Punkkonzerte sondern auch queere Partys statt. Foto: Imago/Travel-Stock-Image

Kreuzberg ist berüchtigt für wildes und vielseitiges Nachtleben. Die Gebrüder Blattschuss sangen schon 1978: „Kreuzberger Nächte sind lang.“ Und das hat sich in all den Jahren nicht verändert. Hinter dem Zentrum Kreuzberg erstreckt sich eine Welt, in der das alte West-Berlin und das neue Berlin aufeinandertreffen und ineinander übergehen.

Traditionsclubs wie das SO36, in dem regelmäßig neben „Gayhane“ auch die Partyreihe „Café Fatal“ stattfindet, bestimmen seit Jahrzehnten das Nachtleben. Im Südblock am Kottbusser Tor trifft sich die Kreuzberger Vielfalt zum Tanzen und Trinken. Gegenüber lädt die schwul-lesbische Bar Möbel Olfe zu feuchtfröhlichen Nächten ein, und an der Oranienstraße verspricht das plüschig glitzernde Roses einen Riesenspaß mit Drinks und stimmungsvoller Musik.

Queeres Kreuzberg: In einem alten Möbelhaus gelegen hat das Möbel Olfe einen ganz besonderen Charme. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Zwischen Neukölln und Kreuzberg geht’s im Darkroom der Gaybar Ficken 3000 richtig zur Sache. Ansonsten sind auch Heteros willkommen. Wie man sieht, ist die Auswahl für queeres Nachtleben riesig.

Auch in Kreuzberg 61, dem westlichen Teil des Bezirks, gibt es viele spannende Ausgehmöglichkeiten. Im Bergmannkiez verbringt man gemütliche Nächte gerne im Melitta Sundström, wo es sich bei schummrigen Licht und beschwingtem Jazz hervorragend flirten lässt. Im Rauschgold werden Cocktails, Karaokewettbewerbe und Drag-Shows genossen. Mehr zum Nachtleben in Kreuzberg lest ihr hier.

Other Nature: Queerer Sexshop in Kreuzberg

„Vegan, queer, feministisch, sexpositiv“: Other Nature in Kreuzberg. Foto: Other Nature

Kreuzberg ist bekannt für seine Vielfalt an abgefahrenen und speziellen Einkaufsmöglichkeiten. Selbstverständlich gehören auch reichlich queere Geschäfte wie der alternative Sexshop Other Nature, der mit Schmuddelklischees bricht, dazu. In dem besonderen Laden am Mehringdamm gibt es Sexspielzeug, queer-feministische Bücher, Magazine, Pornos, alternative Menstruationsprodukte und vieles mehr. Bei Other Nature findet sich garantiert das richtige Produkt für Menschen mit verschiedenen Geschlechtern, Sexualitäten und Vorlieben.

Die Kraft: Queere Mode von Drag bis Punk

Wild, frei und ausgefallen: Die Kraft zelebriert den Spirit der 1980er- und 1990er-Jahre. Foto: Die Kraft

Der Spirit des heruntergekommenen, wilden und freien Kreuzbergs lebt weiter. Wer sich auch stiltechnisch in der Extravaganz der 1980er- und 1990er-Jahre wohlfühlt, sollte unbedingt mal bei Die Kraft einkaufen gehen. In dem Designerladen an der Solmsstraße zelebriert die Inhaberin Lucy alternative Mode zwischen Drag, Punk, Rave und DIY-Kultur. Von schrill bis düster, trashig bis elegant, gibt es hier allerhand zu entdecken. Die herzliche Betreiberin, die meist Lu genannt wird, arbeitet mit Designern aus New York, London und Berlin zusammen. Die Kraft spürt man sofort, wenn man diesen herrlich schrillen Ort betritt.

Kreuzberg ist queer mit Pride und Protest

Der Transgeniale CSD stellte jahrelang eine politischere Alternative zum kommerziellen CSD dar. Inzwischen führen verschiedene, kleinere Pride-Demos durchs queere Kreuzberg. Foto: Imago/Eventpress/Stauffenberg

Kreuzberg war schon immer ein sehr politischer Stadtteil. Selbstverständlich gehören zu den etlichen Demonstrationen, die jährlich durch den Bezirk ziehen, auch wichtige queere Events. Das wohl bekannteste, regelmäßig stattfindende Ereignis war der Transgeniale CSD. Von 1998 bis 2013 stellte die queere Demonstration in Kreuzberg eine politischere und aktivistischere Alternative zum kommerziellen Christopher Street Day dar.

Auch der lesbische Dyke March führt jährlich durch Kreuzberg. Foto: Imago/Carsten Thesing

Den Transgenialen CSD gibt es zwar in seiner Urform nicht mehr, allerdings finden jedes Jahr queere Demonstrationen und Pride-Paraden in Kreuzberg statt. So führen beispielsweise die QTIBIPOC United, der Berliner Trans Pride oder der Dyke March, eine „Demo für lesbische Sichtbarkeit“, durch Kreuzberg. Egal ob Protest oder Pride: Kreuzberg ist und bleibt queer.


Mehr zum Thema

Wer sich für das queere Berlin interessiert, sollte sich auch mal mit dem Regenbogenkiez in Schöneberg auseinandersetzen. Auch wenn Berlin in vielen Hinsichten progressiv ist und queeres Leben untrennbar zur Hauptstadt gehört, brauchen wir weiterhin Demos wie den CSD. Musikalisches Empowerment liefern 12 Berliner Queer-Pride-Songs, die wir lieben: Von Pet Shop Boys bis Peaches. Mehr queere Themen findet ihr immer hier, und alles, was ihr über Kreuzberg wissen müsst, lest ihr hier.

Share

Mit der weiteren Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden um Ihnen die Nutzerfreundlichkeit dieser Webseite zu verbessern. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.