Stadtleben

The Raconteurs in der Neuen Welt

Ich habe in diesem Jubiläumsjahr schon zahlreichen 68-Jährigen dabei zugesehen und zugehört, wie sie eine Musik spielten, die sie 1968 gemacht haben. Das war nicht immer schön. Gestern Abend hingegen taten ein paar Mittdreißiger in „Huxleys Neuer Welt“ konsequent so, als wäre es wirklich gerade 1968.
The Raconteurs um Jack White und Brendan Benson sind mit diesem Ansatz  bestimmt nicht zukunftsweisend, aber immer noch die bestmögliche Retro-Variante: Man mischt die ganz frühen Led Zeppelin mit den ganz späten Small Faces, man benutzt ausschließlich vintage Equipment, das mehr Jahre auf dem Buckel hat, als man selbst, man spielt dieses Instrumentarium so, als wären purer Beat und Psychedelia inzwischen langweilig geworden und als seien Hard- und Bluesrock noch nicht zum Klischee versteift. Und dann zeigt man als Musiker auf der Bühne auch noch ausreichend Kraft und Elan, um dem Publikum etwas fürs Auge zu bieten und zu signalisieren, dass man „dies hier“ vor allem aus Freude und nicht aus Sorge um die schmale Rente tut. Wenn die Band dann bei gefühlten 50 Grad Raumtemperatur auch noch ihr Trinkwasser mit den dahinwelkenden Fans in den ersten Reihen teilt, dann weiß man, dass es durchaus auch wunderschöne Formen der Nostalgie gibt.

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