Kommentar

„Rad ab!“ von Eva Apraku

Es ist zwei Monate her, am 12. Juni, da feierte man weltweit die sich zum 200. Male jährende Jungfernfahrt Karl Freiherr Drais von Sauerbronn auf seiner neu entwickelten Laufmaschine, der Draisine – immerhin dem Vorläufer des Fahrrads, also eines Fahrzeugs, dessen Potenzial derzeit ganz neu wiederentdeckt wird

Eva Apraku

In Leonberg bei Stuttgart wird dieses maßgebliche Jubiläum mit der Ausstellung „Geschichte(n) rund ums Rad“ gewürdigt. Im Leipziger Museum Grassi huldigt man dem klimafreundlichen Fahrzeug mit der Schau „Bikes! Das Fahrrad neu erfinden“. Sogar in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin kramte man im Archiv und zeigt ab 10. August mit „RADLEREI! 200 Jahre Fahrradmotive in der Kunstbibliothek“ Grafiken und Fotos zum Thema. Nur eine entscheidende Institution, das Deutsche Technikmuseum, verhält sich zum Fahrradjubiläum seltsam bedeckt: Statt die einmalige Gelegenheit zu nutzen und endlich seine mit fast 400 Exponaten kontinentalweit größte Sammlung an historischen Fahrrädern stolz einem erwartungsvollen Publikum zu präsentieren, warb das Technikmuseum parallel zum Fahrradjubiläum in einer berlinweiten Plakataktion für eine Ausstellung von vorgestern: „Mensch in Fahrt – unterwegs mit Auto & Co.“ wurde nicht nur bereits 2011 eröffnet. Im Jahr der sich überschlagenden Autoskandale wirkt der Hinweis auf die Schau auch reichlich deplatziert. Selbst die kürzlich im Technikmuseum eröffnete Fotoausstellung zum Radrennfahrer Erich „Wüste“ Hoffmann (1912–1990) taugt nicht als Feigenblatt. Sehr, sehr schade. Und: Chance vertan!

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